Wer ist Adrian Beholz?

 • Publiziert vor 11 Jahren

Als zweite deutsche Kraft präsentiert sich der Nachwuchs-Freestyler in der Rangliste der EFPT 2009. Neben Vize-Meister André Paskowski sorgte der Youngster vom Bodensee mit Platz 14 für Aufmerksamkeit. Für Beholz ist aber Tricksen nicht alles, der 19-Jährige will die Welt kennen lernen. Auf seine ganz spezielle Art.

Es soll Leute geben, die ihr ganzes Leben ihren Träumen hinterherlaufen und es gibt solche, die machen einfach das, wovon sie träumen. Adrian Beholz ist gerade dabei, seinen Kindheitstraum zu leben und hat schon vor einer Weile seiner Heimat Radolfzell den Rücken gekehrt und statt der 13. Klasse im Gymnasium seine ganz persönliche Bildungsreise in Sachen Windsurfen begonnen. Neugierig zu erfahren wer sich hinter dieser Biographie verbirgt, treffe ich Adrian zu einem Interview.

Hallo Adrian! Du hast nicht gerade den typischen Lebenswandel für einen 19-Jährigen. Was hat dich dazu gebracht, nach der 12. Klasse die Schule abzubrechen und zum Windsurfen um die Welt zu reisen?

Es gibt viele Sachen, die da eine Rolle gespielt haben. Zum einen war es mein Kindheitstraum, eine Zeit lang von und für das Windsurfen leben zu können. Dass ich dann bereits nach der 12. Klasse Deutschland verließ, lag vor allem an zwei Dingen: Zum einen war es der Drang, die Welt zu sehen, zum anderen das beengende Gefühl in Deutschland gefangen zu sein. Da habe ich beschlossen, meinen Kindheitstraum durchzuziehen – mich auf die Reise zu machen und zu surfen.

Wie standen denn deine Eltern damals zu deinem Entschluss und wie stehen sie dem heute gegenüber?

Naja, eigentlich waren meine Eltern, seit ich mit zwölf Jahren damit begann von diesen Träumen zu berichten, davon überzeugt, dass mich mit dem Älterwerden die Vernunft wieder einholen würde. Sie sagten dann immer: “Mal schauen, wie das aussieht, wenn du mal alt genug bist.” Doch mit der Zeit müssen sie sich wohl an meine Vorstellungen von einem glücklichen Leben gewöhnt haben und stehen jetzt total hinter mir und meinen Entscheidungen. Ich glaube, sie sind sogar manchmal ein wenig stolz darauf wie ich meine Träume umsetze. Natürlich unterstützen sie mich auch finanziell, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Würdest du Gleichaltrige, die ähnliche Pläne haben, ermutigen dir nachzueifern?

Ich denke, es kommt sehr auf den jeweiligen Menschen an. Man darf sich meine Reiserei und mein Windsurfen ja nicht als das ultimative Leben ohne Schattenseiten vorstellen. Den Gewinn an Freiheit bezahlt man in der Regel sehr hoch. Meine Bezahlung war das vorläufige Aufgeben der Schule und des Studiums. Hand in Hand damit vergeht jegliche Sicherheit auf eine normale berufliche Laufbahn. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft würden viele mein Handeln als unvernünftig bezeichnen. Außerdem habe ich die soziale Gebundenheit zu Deutschland verloren. Meine Familie sehe ich nur wenige Wochen im Jahr, meine alten Freunde habe ich größtenteils aus den Augen verloren. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass all die Erfahrungen, die ich mache, all das, was ich erlebe, das sind, was ein Leben ausmacht. Somit motiviere ich alle Gleichaltrigen in meinem Umfeld zumindest ein Stück weit in diese Richtung zu gehen und ihre Träume zu verfolgen.

Wie stehst du zur Perspektivlosigkeit einiger deiner Altersgenossen?

Hm, für mich ist es ein wenig schwierig Perspektivlosigkeit in jeglicher Hinsicht nachzuvollziehen. Was soll man Leuten sagen, die mit ihrem kostbarsten Gut, dem Leben, nichts anzufangen wissen? Natürlich gibt es die Perspektivlosigkeit, die durch Umweltbedingungen entsteht. Wenn einem bedingt durch die Umwelt Perspektiven genommen werden, so ist es wohl das Schlimmste, was einem heranwachsenden Menschen passieren kann. Doch oft beobachte ich, dass Perspektivlosigkeit bei vielen Gleichaltrigen ein Persönlichkeitsmerkmal ist. Denen kann ich nicht viel mehr sagen als: “Sei deines Glückes eigener Schmied!”

Hast du noch Kontakt zu ehemaligen Mitschülern?

Zu Mitschülern habe ich kaum noch Kontakt. Zu sehr muss ich bei jedem Zusammentreffen feststellen, wie weit wir uns voneinander wegentwickelt haben. Aber es gibt alte Freunde, mit denen ich durch so vieles verbunden bin, dass man, auch wenn man sich nur einmal im Jahr sieht, eine Freundschaft erhalten kann.

Willst du dein Abi noch nachholen?

Ja. Es ist sehr wichtig für mich, dass mein jetziges Leben ein Lebensabschnitt bleibt. Ich träume schon manchmal von meinem Leben danach, gebunden an Deutschland, einen Job, eine Familie und eine gesunde Portion soziale Absicherung. Diese Vorstellung hat unglaubliche Reize, aber noch bin ich zu jung dafür.

Wie finanzierst du dein momentanes Leben?

Einen Teil kann ich schon jetzt durch Preisgelder und den Verkauf meines Materials finanzieren. Den Großteil jedoch verdiene ich, indem ich immer wieder als Surflehrer arbeite. Den letzten Teil steuern meine Eltern bei. Auch wenn es mir sehr wichtig ist, weitgehend unabhängig von ihnen zu sein.

Wie schätzt du deine Chancen bei zukünftigen EFPT Contests ein?

Das ist schwer zu sagen. In den letzten Monaten habe ich viele extreme Moves gelernt. Somit denke ich, dass ich Chancen habe wirklich gut zu fahren. Aufgrund meines Gewichtes kann ich das aber nur bei genügend  Wind... Wenn es also Wind fürs 4,7er gibt, möchte ich auf jeden Fall in die Top Ten.

Wie steht es bei dir mit Wellenerfahrung?

Hab’ ich keine Erfahrung. Wenn ich mal eine abreite, hat das mit Style noch nicht viel zu tun.

Wo warst du denn bis jetzt schon überall unterwegs?

2008 bin ich zunächst nach Rhodos und Alaçati gegangen, um dort zu arbeiten. Das verdiente Geld war dann auch das Startkapital für die Saison 2009. Über den Winter ging es erst nach Jericoacoara und Icaraizinho, nach einem kleinen Zwischenstopp in Deutschland dann nach El Yaque. Von da bin ich gleich wieder nach Alaçati geflogen – zum Arbeiten. Von dort konnte ich im letzten Jahr gut alle EFPT Events in Lefkada, Kreta, Alaçati selbst und zuletzt hier auf Naxos mitnehmen.

Welcher Spot hat dir am besten gefallen?

Für mich ist Jericoacoara der absolute Traum. Ich finde dort neben dem Windsurfen besonders die Atmosphäre und den Lebensstil beeindruckend.

Worauf sollte man besonders achten, wenn man mit kleinem Budget unterwegs ist?

Da gibt es einiges... Erst einmal buche ich immer nur sehr günstige Flüge. Dann miete ich mir vor Ort mit Freunden oder meiner Freundin ein Haus, in dem wir uns komplett selbst versorgen. Oft beobachte ich bei anderen Jungs, dass sie in Hotels oder Pensionen wohnen und jeden Abend essen gehen. Das ist natürlich viel teurer und entspricht, abgesehen davon meiner Meinung nach, nicht dem Lebensstil eines jungen Menschen, der die Welt entdecken will. Da gehört doch auch noch eine Portion Selbstversorgung zu. Meine neueste Sparmaßnahme ist übrigens, dass ich zu jedem Spot fünf Kilo Haferflocken aus Deutschland mitnehme. Die reichen dann zwei Monate fürs morgendliche Frühstück... ;)

INFO Adrian Beholz:

Spitzname: Adi

Geburtsdatum: 4.1.1990

Herkunft: Radolfzell am Bodensee

Sponsoren: Kamoana, Caas Masts, F2, ASPC, MFC

Erfolge 2009: 9. Platz EFPT Lefkada, 9. Platz EFPT Kreta, 15. Platz EFPT Alacati, 13. Platz EFPT Naxos, 14. Rang Overall Lieblingsmusik: deutscher Hip Hop

Lieblingsmove: Kono

Liebste Flautenbeschäftigung: Schlafen

 

 

 

 

Themen: Adrian Beholz


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