Wer ist Anne Schindler? Wer ist Anne Schindler? Wer ist Anne Schindler?

Wer ist Anne Schindler?

  • Andreas Erbe
 • Publiziert vor 2 Monaten

Nur Geschwindigkeit interessiert die Berlinerin. Sie hält seit November 2020 auf dem Speedkanal Lüderitz den deutschen Speedrekord der Frauen mit 42,81 Knoten.

Im November letzten Jahres holte sich Anne, die auf Gran Canaria lebt, bei der Lüderitz Speed Challenge den deutschen Speedrekord der Frauen. Dabei übertraf sie den bisherigen Rekord von Birgit Höfer (38,08 – gefahren 2019 in Südfrankreich) um gute vier Knoten.

Wie kommt es, dass du so absolut aufs Speedsurfen fokussiert bist?

Ich komme aus Berlin und habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur Hotel­fachfrau gemacht. Dabei war ich im Club Robinson in Jandia auf Fuerteventura. Bis dahin hatte ich nichts mit Wassersport am Hut. Aber die Jungs von der Wassersportstation waren die Coolen und die Lustigen und so habe ich in meiner freien Zeit einen Surfkurs gemacht. Wir hatten guten Wind und schon am dritten Tag konnte ich gleiten – und damit war es um mich geschehen. Nach einiger Zeit bin ich mit den Jungs nach Sotavento gefahren. Ich hatte immer schon einen Hang zur Geschwindigkeit – auch beim Autofahren (lacht) – und so hat mich das Heizen im Flachwasser schnell fasziniert. Das war so 2005 und wir haben mit GPS-Geräten angefangen. Die waren noch nicht so gut – oder wir konnten sie nicht richtig bedienen – trotzdem bin ich mit Freeride-Material damals so 50 bis 55 km/h gefahren.

Wann wurde es dann ernst mit dem Speedfahren?

Das war eher zufällig. Ich hatte 2007 Windsurf-Urlaub in Namibia/Walvis Bay gebucht und als alles bezahlt war, stellte ich fest, dass in dieser Zeit dort die Speed-WM stattfand (Red.: nicht auf dem Kanal). Und plötzlich war ich mittendrin statt nur dabei. Da habe ich das erste Mal gesehen, was beim Speedsurfen abging.

Da kam es zu einer Begegnung, die dein Leben ziemlich beeinflusst hat.

Ich habe dort Victor (Red.: Victor Couto – seit 15 Jahren der Caddy und Berater von Björn Dunkerbeck) kennengelernt. Im Jahr darauf trafen wir uns beim Worldcup auf Fuerte und bei einem Incentive mit Björn im Robinson Club – so haben wir uns kennen und lieben gelernt. Seit 2009 sind wir zusammen und haben eine siebenjährige Tochter. Am Anfang bin ich zwischen Fuerte und Gran Canaria gependelt. Als ich ganz nach Gran Canaria gezogen bin, habe ich einen Schock bekommen.

Anne Schindler sagt von sich selbst, „Ich bin süchtig nach Geschwindigkeit.“

Warum?

Was da windmäßig in Arinaga abgeht, das hatte ich nicht geahnt. Auf Fuerte war mein Standardsegel 4,7. In Arinaga eher 3,3 oder 3,7. Aber dort habe ich auch gesehen, wie professionell Björn und Victor an die Sache rangehen. Wegen der Schwangerschaft musste ich zwar eine Zeit lang aussetzen, aber danach habe ich auch angefangen mit Cambersegeln zu fahren.

Arbeitest du noch in der Hotelbranche?

Nein, ich bin im Büro von Björn in seinem Shop und der Schule in Playa del Inglés für alles mögliche zuständig. Ich mache die Buchhaltung, kümmere mich um den Einkauf der Camp David Kollektion – da ist Björn Importeur für die Kanaren – und betreue auch die Social-Media-Kanäle von Björn.

Surfst du auch mal in der Welle?

Nein, ich bin vollkommen süchtig nach Speed. Was anderes kann ich auch gar nicht. Ich bin eigentlich immer nur in Arinaga auf dem Wasser und versuche immer schneller zu werden. Deshalb haben mich Victor, Björn und auch Aurelio Verdi, mein neuer Boardsponsor (AV-Boards) dazu ermutigt, in Lüderitz auf dem Kanal anzutreten und haben mich darauf vorbereitet.

Wie sah deine Vorbereitung aus?

Vorher war ich immer nur bei guten Bedingungen mit Wind über 30 Knoten auf dem Wasser. Aber nun sollte ich auch bei weniger und böigem Wind aufs Wasser, um auch dann mit einem kleinen Brett zu trainieren und damit auch durch die Windlöcher zu kommen. Außerdem habe ich das Starten mit beiden Füßen in den Schlaufen trainiert. Denn der Start ist in Lüderitz schon sehr wichtig. Dazu kommt noch das Surfen mit acht Kilo Blei auf dem Rücken. Victor hat mir viele Tipps gegeben, aber auch immer gesagt, den deutschen Rekord schaffst du „easy“. Das hat natürlich ganz schön Druck bei mir aufgebaut und ich war ziemlich nervös als es los ging.

Faszination Geschwindigkeit auf dem Speedkanal in Lüderitz, Namibia

Was war das Faszinierendste auf dem Speedkanal?

Der so genannte Slingshot, wo man auf Raumschot geht. Das fühlt sich dann wirklich wie eine Schleuder an!

Der schmale Kanal ist dagegen bestimmt eher furchteinflößend.

Daran habe ich gar nicht gedacht, es ist einfach nur ein geiles Gefühl da durchzurasen. Was wirklich Angst macht, ist das Bremsen. Denn im letzten Teil des Kanals kriegt man noch mal eine Böe und dann muss man das Segel beherzt aufs Wasser legen. Wenn man Angst hat und in der Böe schon vor der Ziellinie das Segel aufmacht, dann versaut man sich seine Zeit.

Glaubst du, dass du deinen Rekord noch steigern kannst?

Ich konnte mich ja auch schon vor Ort in den vier Windtagen auf dem Kanal jedes Mal um zwei Knoten verbessern und wurde dann durch meine Verletzung ausgebremst. Mir hat eigentlich jeder gesagt, dass man beim ersten Mal auf dem Kanal erst mal viel lernen muss, denn es ist eben doch mehr als einfach nur geradeaus fahren und das Segel festhalten. Insofern glaube ich, dass ich noch schneller fahren kann.

INFO-BOX

  • Alter: 39 Jahre
  • Geboren: 17.9.1980
  • Wohnort: Bahia Feliz/Gran Canaria
  • Beruf: Assistent
  • Größe/Gewicht: 173 cm/72 Kilo
  • Surft seit: 2005
  • Regattadebüt: 2007
  • Erfolge: 2015: 2. Speed-EM/2017: 2. Speed-WM/2018: 2. Speed-WM
  • Lieblingsspots: Arinaga-Bahia de Formas, Playa del Aguila, Langebaan (Kraalbai), La Franqui
  • Lebensmotto: Ohne Fleiß, kein Preis – und danach ein kühles Bier
  • Hobbies: Windsurfen, SUP, Laufen, BBQs mit Family & Friends
  • Sponsoren: Dunkerbeck Windsurf Center, AV-Boards, Severne, Fuerte Action
  • Webpage: www.instagram.com/anne_schindler80

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Schlagwörter: Anne Schindler Speedrekord


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