Wer ist Chris Benz?

  • Alois Mühlegger
 • Publiziert vor 10 Jahren

Eine Story über Big Monday – dem legendären Surftag des Craig Maisonvillle, brannte sich in die Festplatte des Chris Benz ein. Einmal auch so die Wellen vor Hookipa reiten – das wär‘s. Der Mann vom Bodensee, leidenschaftlicher Windsurfer und erfolgreicher Uhrenproduzent, musste lange warten – auf die Welle seines Lebens.

Seit 28 Jahren windsurft Chris Benz – bei allen Bedingungen – nach dem Motto “die Zeit, die du am Gabelbaum ziehst, zählt!” Leidenschaftlich liest er das surf Magazin. Der Bericht über den “Big Monday” und da alles voran die extremen Fotos von Craig Maisonville, auf denen der beim Bottom Turn das Segel unter den brechenden Megawellenkämmen so unfassbar flachlegte, dass der Gabelbaum durch das Wasser zu gleiten schien, blieben für immer unvergessen.

Diese Inspiration begleitete ihn durch sein ganzes Surferleben. Das begann am Bodensee, auf dem er mit Dreieckssegel und Holzgabelbaum auf dem Ten-Cate seines Vaters surft, der mit einem selbst importierten Brett einer der ersten Windsurfer Deutschlands war. Es führte ihn auf ungezählten Reisen nach Fuerteventura, Costa Rica, Bali, Sylt, Dänemark, Mauritius, Barbados, Kapstadt und an andere Hardcorespots.... aber er war noch niemals im unumstrittenen Mekka des Windsurfens, auf Hawaii. Das einzugestehen war ihm immer peinlich.

Doch im Herbst 2010 war es soweit. Mit seinem Surfamigo Marc Holy ging’s ab nach Maui. Sie liehen sich Equipment und und am 15. November standen die beiden am legendären Spot, wo masthohe Sets sogar die heimische Local-Szene mit einer gewissen Zurückhaltung und Ehrfurcht am Ufer staunen ließ.

Da schlottern doch die Beine. Hast du überlegt, aufzuriggen?

BENZ: Schon, aber ich legte mein Quatro 75-Liter-Twinfin auf den Sand und zog das 2011er Goya Guru auf. Irgendwie kam nach erstem Zögern, ob meine Entscheidung richtig sei, dann die Eigendynamik rein. Gepusht, da ich wusste, dass Marc gleich nach Kanaha wollte und mir lieber war, dass er notfalls noch die Lifesaver informieren kann, sollte ich beim ersten Rausgehen gleich über die Felsen gezogen und Richtung Mama’s Fishhouse gespült werden.

Wie sah deine Taktik aus, um überhaupt rauszukommen?

Beim Beobachten der beeindruckenden Opening Performance von Levi Siver schaute ich seine Taktik ab: direkt nach dem Beachstart auf Vorwindkurs abfallen, um extrem nah an den Felsen vorbeizusurfen und mit der Strömung in den Channel zu gelangen. Der zieht einen dann am zweiten Felsvorsprung vorbei nach außen, ohne dass man die brechenden Wellenberge queren muss.

Und das klappte auch?

Ich hielt mich genau an den Plan, denn ich hatte schon gesehen, wie ein paar Italiener, die probiert hatten nach draußen zu kommen, saubere Felslandungen verpasst bekamen. Spaghettiartiger Bruch von Masten, Boards und Segeln und Schnittwunden an den Beinen war bei denen die Folge.

Und dann hast du dir deine Welle gesucht?

Es war also klar, dass nun nur noch galt: GO BIG OR GO HOME! Die fetteste Welle des Tages erklärte ich zu meinem etwas verrückten Ziel und suchte diese in der Mitte der Bucht, wo Close-outs leider auch wahrscheinlicher sind.

Was ging dann ab?

Einen Kilometer vor der Küste entdeckte ich bereits ein gewaltiges Set und riss eine Halse rein. An dieser Welle zog ich dann endlos lang erscheinend zielstrebig Höhe, um auf ihr in Richtung Buchtmitte zu kommen. Als sich etwa 300 Meter vom Ufer entfernt deren Steigung massiv erhöhte, erkannte ich endgültig, dass dies meine große Chance war zu scoren. Ich glitt nun, in tiefer Erinnerung an die Fotos von Craig Maisonville schwelgend, die Welle nach unten, die mir endlos erschien. Ein Blick nach oben ließ mein Segel klein erscheinen, denn da hing eine Welle hinter mir, die bestimmt über acht Meter hoch war und sich auch beim Runterfahren so anfühlte. Ich dachte immer nur, dass hoffentlich wenigstens eine der zwei Finnen Kontakt hält und kein Spin Out zur Eskalationsstufe drei führt. Nach zwei unvergesslichen Kurven mit etwas konservativem Bottom Turn und vorzeitigem Cutback auf dreiviertel Höhe der Welle, bei der ich respektvoll schon nach hinten in den brechenden Wellenkamm blickte, war ich gezwungen, die Flucht nach vorne anzutreten. Jetzt war klar, nur nicht stürzen, denn die weiße Walze, die sich hinter mir aufbäumte, war immer noch masthoch und erschien mir rasend schnell. Es war ein Rennen gegen die Massen des Weißwassers, in dem dieses immer näher kam, und kurz bevor es mich einfing, gelang es mir, immer wieder durch die vom Weißwasser vorgeschobene Wellensteigung schneller zu werden und nochmals davonzukommen, um das sichere Ufer heil zu erreichen.

Dein Fotograf war zufrieden?

Jimmie Hepp sagte mir, dass er einen Helikopter gebraucht hätte, um mich schon beim Abreiten zu fotografieren, da mich die vorlaufende Welle komplett verdeckte, bevor sie zusammenbrach.

Gleichzeitig war‘s ein Test für deine Uhr. Hat sie‘s überstanden?

Unsere Uhren haben schon den Bisstest eines Weißen Hais in Südafrika gemeistert, ebenso hat das Modell ‚1000 Automatik‘ die Megawelle überstanden. Und auch brutale Waschgänge an vielen Spots der Erde.

Björn Dunkerbeck, Bernd Flessner und jetzt auch Philip Köster tragen deine Uhren. Warum?

Die Jungs sind die besten der Welt. Wir wollen sie als Testimonials für unsere Uhren und sie wollen ein zuverlässiges Produkt, das cool ist und das perfekt zu ihnen passt! Das ist authentisch.

STECKBRIEF

Geburtstag: 20. Mai 1967

Lebt in: Stuttgart, Fuerte und Kapstadt

Beruf: Boss der Uhrenmarke “Chris Benz”

Sportliche Aktionen: Diverse Regatten wie Speedweeks Fuerte seit 1986, IFCA Slalom-WM 2007, Freitauchen mit Weißen Haien 2004

Lieblingspots: Haggard, Kapstadt und jetzt auf Hookipa

Lieblingsmove: Up-side-down und Highspeed

Vision: Verwendung unserer Erträge zur Schaffung der größten privaten Naturschutzfläche der Welt. Dafür sind bereits 78 Millionen qm erworben.

Fotograf Jimmie Hepp wurde Zeitzeuge, als Chris Benz vor Hookipa die „Welle seines Lebens“ ritt.

 

Themen: Chris Benz


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