Redaktion

Wer ist eigentlich Andrea Hausberg?

22.04.2006

Mit 14 nimmt sie zum ersten Mal an einer Surfregatta teil und feiert gleich ihren ersten Sieg, mit 17 überreicht man ihr eine Auszeichnung zur besten Nachwuchssurferin Deutschlands, mit 26 sitzt sie mit einem echten Popstar am Strand von Westerland und begleitet ihn auf der Gitarre. Die Momentaufnahmen aus Andrea Hausbergs Leben lassen auf ein filmreifes Leben als Windsurf-Profi schließen – ein bisschen so wie wir es von Robby Naish kennen. In kleinerem Maßstab, ja, aber jedenfalls mit reichlich Geld und Glamour.

Wie so oft trügt auch hier der Schein. Die meiste Zeit über pendelt die Ostfriesin zwischen ihrem Studium der Interkulturellen Kommunikation an der Uni in Hildesheim und dem Familienheim in Aurich und schlägt sich finanziell gerade mal so durch – wie viele andere Studierende eben auch. Von Hollywood-Glanz keine Spur und trotzdem kann Andrea Hausberg es nicht sein lassen, das Regattasurfen. 1994, noch in den Boomzeiten unseres Sports, hast du die damalige deutsche Einstiegsklasse Formel 25 gewonnen und das Siegerpodest drei Jahre keinem anderen Mädchen überlassen. Im selben Jahr bist du außerdem für das „Old Spice“- Team, dem auch Weltklasse-Wellenschlitzer Josh Angulo angehörte, ausgesucht worden. Und 1997 hast du auf der Boot in Düsseldorf neben Flessner und Hoeppner gestanden, als beste DWC-Jugendsurferin. Das ist doch sehr beachtlich, oder?

Auf der Boot? Ja, da war ich jedes Jahr, und habe immer irgendwas bekommen. Deshalb weiß ich es schon gar nicht mehr... (lacht). Kein Wunder, das ist ja schon ein Weilchen her! Jetzt bist du gerade 26 geworden, herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank. Hast du deinen 26. Geburtstag voller Freude begangen oder gibt es den sprichwörtlichen Wermutstropfen, nun nicht mehr als Nachwuchstalent gehandelt zu werden?

So sehe ich das nicht. Karin Jaggi ist auch erst Mitte zwanzig richtig durchgestartet im Wave und Freestyle, oder? Wieso sollte ich das also nicht auch noch können?

Aber die Chancen bei den Topfahrerinnen mitzumischen sind auch für dich die letzten paar Jahre deutlich gesunken? Neben Karin, Daida, Iballa und jetzt auch Nayra Alonso?

Naja, ich träume nicht mehr von Spitzenplatzierungen, das war einmal. Aber mit ein wenig Förderung wäre sicherlich noch einiges möglich. Im Jahr 2000, nach meinem Abi, und 2004, als ich auf Gran Canaria studiert habe, war ich hochmotiviert, hatte aber kaum Unterstützung. Meine Eltern finanzieren mich seit ich aus der Schule raus bin nicht mehr, das können und wollen sie nicht. Und Sponsoren? Bei der Suche danach habe ich mehr ausgegeben als verdient. Also habe ich letztes Jahr zum Beispiel lieber drei Monate gekellnert und mir bei Arrows günstig Segel geholt. Darunter leidet dann aber wiederum das Training.

Dein „Kollege“ Bernd Flessner riet jungen ambitionierten Windsurfern in einem Zeitungsinterview vor drei Jahren: „Macht es zwei, drei Jahre – wenn ihr dann ohne Plus dasteht, lasst es. Dafür sind die Jahre zwischen 20 und 30 zu wichtig.“ Woher kommt dein langer Atem?

Hm, ich weiß nicht. Ich bin ehrlich gesagt nie auf die Idee gekommen, einfach nur zum Urlaubssurfen zu fahren ... Und ich wohne ja an der Küste, ich dachte das reicht. Irgendwann merkte ich, dass dabei wohl nicht genug Trainingszeit für mich rumkommt. Da tauchte ja dann der Gedanke auf, für ein Austauschstudium nach Gran Canaria zu gehen. Und, ganz nebenbei bemerkt, man verdient bei den Worldcups auch ab und zu mal was! Anders würden meine Eltern auch gar nicht verstehen, wieso ich da hinfahre.

Bei Szenen wie die mit Giovanni (siehe Foto unten) – werden deine Freunde an der Uni da neidisch?

Nein, die interessiert das gar nicht! Das ist wirklich eine Parallelwelt zum Windsurfen, ich führe eigentlich zwei Leben. Obwohl ich mir arg Mühe gebe, meine Freunde in die Windsurfwelt einzuweihen – die meisten denken ja, wir surfen noch mit Dreieckstüchern! Nur auf der Straße in meinem Heimatort werde ich manchmal angesprochen, weil die Leute mich aus der Zeitung kennen.

Du studierst, hast daneben aber noch Zeit für ein weiteres Hobby: Die Musik.

Ja, ich spiele schon ewig Gitarre und Klavier, hatte auch eine Band. Aber das hat alles sehr unter meiner Windsurferei gelitten und sich im Sand verlaufen. Letztes Jahr warst du zum Beispiel beim Girls Camp auf Fuerteventura dabei – und hast prompt ein Board gewonnen!

Ja, Daida Moreno wollte es derjenigen geben, die sich am meisten anstrengt. Und da habe ich dann den Volcan geübt und mich alle 20 Meter arg auf die Fresse gelegt! Im Gegensatz zu 2005 kann es dieses Jahr nicht mehr am vergammelten Material scheitern! 2006 lautet das Hauptziel, das Studium abzuschließen?

Ich mache jetzt die Magisterprüfung in den Nebenfächern, dann noch die Diplomarbeit und die Prüfung in den Hauptfächern im September! Aber da wird genug Zeit bleiben, um die Worldcups in Pozo und auf Sylt mitzufahren und vielleicht auch das Waveriding in Guincho. Hängt wie immer davon ab, wie ich es finanziert kriege!

STECKBRIEF

Geburstdatum: 23. Januar 1980 Beruf: Studentin Segelnummer: G-212 Erfolge: 1994-1997 Jugendmeisterin im DWC. Im Worldcup u.a. 5. Platz Wave Pozo 2002, 7. Platz Freestyle Lanzarote 2004, 13. Platz Freestyle overall 2005. Hobbies: Gitarre und Klavier spielen, Musik hören, Lesen Sponsor: Alien Riders Webseite: www.andrea-hausberg.de

Interview: Claudia Vogt, Fotos: Anna Blanch, Anne K. Stevens, Dani Miguel/Cultre

Weitere Stories

  • Wolfgang Strasser: "Mein Leben ist jetzt!"

    05.09.2018

    Über 50 Operationen und monatelanges Starren an weiße Krankenhauswände bestimmten die Jugend des „Woife“ Strasser. ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Interview mit Thomas Traversa

    25.07.2018

    Schüchternes Lächeln, schmale Schultern, und mit nur 64 Kilo eigentlich ein Zwerg – trotzdem gilt Thomas Traversa ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Wer ist Michele Becker?

    31.05.2018

    Ganz unbekannt ist der 19-Jährige aus Bargteheide in der Regattaszene nicht mehr. Als bester Youngster ist er ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Wer ist Henri Kolberg?

    31.03.2018

    Von der Schlei nach Hawaii – lautet wohl das Lebensmotto von Henri Kolberg aus Schuby. Talent, Ehrgeiz und sein ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Interview: Worldcup-Sieger Marco Lang

    15.01.2018

    Vom Surfen bei „Pimperlwind“ in Oberösterreich zum Worldcup-Sieger – Marco Lang aus Feldkirchen hat das schier ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Wer ist Niclas Nebelung?

    20.11.2017

    In einer windsurfverrückten Familie aufzuwachsen führt bei Kindern entweder dazu, dass sie etwas völlig anderes ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Philip Köster: Grandioses Comeback

    10.11.2017

    Fast ein Jahr nach seiner komplexen Knieverletzung setzt sich Philip Köster wieder die Krone der Wavesurfer auf. Mit ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Interview mit Windsurf-Coach Josep Pons

    31.10.2017

    Bei Josep Pons stehen sie Schlange – viele der besten Windsurfer der Welt buchen den Wahl-Kanario als Coach. Woher ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Interview mit Brian Talma

    15.08.2017

    Das Leben des Brian scheint aus einem einzigen, nicht enden wollenden Lachen zu bestehen. Wer im Kopf gut drauf ist ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Wer ist David Jeschke?

    04.08.2017

    Wer ist... David Jeschke? Welch ein Kontrastprogramm – im Sommer betreibt David Jeschke als Mitbesitzer die ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Der Insider: Craig Gertenbach - Fanatic

    01.08.2017

    Vom Worldcup-Pro hin zu einem der erfolgreichsten Brandmanager im Windsurf-Business – Craig Gertenbach hat als ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined
  • Interview mit Ricardo Campello

    31.07.2017

    Mit 18 dominierte Ricardo Campello das Freestyle, gewann drei WM-Titel und erfand reihenweise neue Manöver. Dann ...

    Mode: autoRelated
    Mode-Category: article
    Preis: not defined