Wer ist eigentlich Ayman...

  • Steve Chismar
 • Publiziert vor 13 Jahren

...und seine Zicke Sophia? Erst leckt sie sich bedächtig das Maul, als hätte sie zu viel Lippenstift aufgetragen, dann dreht sie erhaben den Kopf. Als ich sie erblicke, schwingt dabei ihre blonde Mähne elegant um ihren Hals und sie stolziert dann erhobenen Hauptes davon. „Das ist Sophia, meine Ziege“, erklärt mir Ayman oder Sadiki, wie ihn seine Freunde nenne

Erst leckt sie sich bedächtig das Maul, als hätte sie zu viel Lippenstift aufgetragen, dann dreht sie erhaben den Kopf. Als ich sie erblicke, schwingt dabei ihre blonde Mähne elegant um ihren Hals und sie stolziert dann erhobenen Hauptes davon. „Das ist Sophia, meine Ziege“, erklärt mir Ayman oder Sadiki, wie ihn seine Freunde nennen (siehe auch: www.windsurfing-dahab.com ). Wir stehen in seinem Vorgarten im westlichen Teil Dahabs. Der frische Abendwind zerrt noch unnachgiebg wie ein Lockruf der Verführung an den alten Segeln, die über der Veranda als Sonnenschutz dienen. Außer den Grundmauern scheint das gesamte Haus liebevoll aus Surfmaterial konstruiert. Ayman (37) ist der gefragteste Segelreparateur von Safaga bis Dahab in Ägypten und von Elat bis Haifa in Israel. Ein Christ aus Kairo, der Surfen als seine göttliche Fügung sieht und ihm Arbeit, Frau, Frohnatur, unendlich viele Tage auf dem Wasser, zwei Häuser, eine Katze, 18 Hunde und drei Ziegen beschert hat. Du scheinst Tiere zu lieben? Vor allem Ziegen. Meine erste Ziege hieß Nicole. Meine Großmutter sagte mir: Wenn ein Tier dein Haus als Zuhause wählt, hat es eine gute Ausstrahlung. Eine Katze kommt nur, wenn sie es wirklich will. Wenn Gott mir Tiere schickt und ich Essen und Wasser bereitstellen kann, dann mache ich das. Wenn ein Tier in deinem Haus Babys bekommt, dann ist das Haus voller guter Energien. Meine Ziege Sophia hat ihre Jungen unter meinem Segeltisch bekommen. Sie suchte sich meinen Tisch. Und wie bist du als Ägypter zu diesem Segeltisch gekommen?

Ich fing mit 19 an, für einen Freund ein Surflager für sein Camp zu bauen. Touristen schenkten mir ein 255er-Board und zwei Segel. Ich brachte mir Surfen selber bei. Ich surfte jeden Tag, bis die Segel kaputt waren. Die Reparatur in Israel oder Deutschland für nur eine Segelbahn kostete so viel wie zweihundert Hühner. Ich hatte das Geld nicht. Ich entschied mich, den Importeur von North Sails in Israel anzurufen, der mir dann Segelmaterial verkaufte. In Kairo kaufte ich die Nähmaschine, die ich heute noch benutze. Das war vor etwa zwölf Jahren, als Viktor Westenberg die Station in der Bucht hatte. Dass ich selber Segel flicke, hatte sich schnell herumgesprochen. Viktor gab mir zerfetzte Segel zum Reparieren. So fing das Geschäft an. Ich musste 200 Segel für ihn reparieren. Danach musste ich die Segel sämtlicher Surfstationen in Ägypten– von Safaga über Hurghada bis Dahab – reparieren. Das waren Tausende Segel und dauerte elf Monate, Tag und Nacht. Das Essen musste man mir sogar nach Hause bringen, ich hatte sonst keine Zeit. Auch nicht fürs Surfen. Wie wusstest du, ob du das Richtige machst? Ich hab’ die Segel geöffnet und wieder vernäht. Dann fing ich an, meinen eigenen Stil zu kreieren. Keiner in der Welt repariert Segel so gut wie ich. Ich brauch’ nur eine Nadel. Selbst die Israelis wissen das. Ich repariere Segel von Elat bis Haifa. Es gibt auch Segelmacher dort: Sehr teuer und schlechte Arbeit. Ich bin billig und liefere gute Arbeit. Dann kaufte ich mal ein ganzes Lager aus Safaga für mein Surfcamp, reparierte es und verkaufte den Rest an die Israelis. Wie kommst du mit den Israelis zurecht? Ich hab’ keine Probleme. Es gibt in Israel drei verschiedene Arten von Menschen: Frauen, und das sind die schönsten Frauen der Welt, Windsurfer, und das sind tolle, bereiste Menschen und den Rest. Als Christ warst du schon im Heiligen Land? Nein, wir dürfen nicht einreisen. Jerusalem wäre ein Wunsch, aber wenn ich die Nachrichten anschaue, dann wünsche ich es mir doch nicht. Zu viele Raketen. Aber du gehst sicherlich beim Surfen ab wie eine Rakete?

Klar, immer wenn Wind ist am Lighthouse. Und wenn du Ziegen meckern hörst, das sind wir. Bäääääää!

Ayman hinter seiner Nähmaschine


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