Wer ist eigentlich Rick de Veer?

 • Publiziert vor 15 Jahren

Seine Eltern haben Rick die Begeisterung für den Wassersport in die Wiege gelegt, sie waren in der damaligen DDR aktive Segler. Da konnte es nicht ausbleiben, dass der „Kleine“ mit vier Jahren auch ins Boot stieg. Mit seinem Vater baute Rick 1981 das erste Brett – das Delta II. Das brachte ihn zum Windsurfen, zum Regattafahren und machte ihn zum Präsidenten der DWSV.

Bald folgte die Teilnahme an Regatten, von 1984 bis 1989 startete er bei allen DDR-Meisterschaften „im Brettsegeln“. Die sich dramatisch verändernde politische Situation in der DDR ausnutzend, flüchtete Rick im September 1989 über die Prager Botschaft in den Westen und ging im Frühjahr 1990 nach St. Peter-Ording, wo er als gelernter Koch für drei Jahre die Leitung des Gästehauses in der Surf-Akademie übernahm. Bei den dortigen Trainingsmöglichkeiten ergab sich auch in der Bundesrepublik die Teilnahme an Wettbewerben, zuerst im B-Cup des DWC, dann die Formel 25. Später stieg Rick in den Deutschen Windsurf-Cup ein, wo er heute noch aktiv mitsurft.

1993 kehrte Rick in seine Heimatstadt Schwerin zurück, holte dort das Abitur nach, studierte Architektur und machte sich als Architekt mit einem eigenen Büro selbstständig. Im November 2005 wurde der 38-Jährige nun als Nachfolger von Walter Mielke zum Präsidenten der Deutschen Windsurfing-Vereinigung (DWSV) gewählt.

surf: Angie als Kanzlerin, Platzeck bei der SPD, du jetzt bei der DWSV. Übernehmen immer mehr „Ossis“ jetzt Verantwortung in Politik und Verbänden?

DE VEER: Ich glaube, das ist nur der äußere Anschein. Wir haben schon immer Verantwortung, vor allen Dingen für uns selbst, übernehmen können. Ein gutes Beispiel sind die Demonstrationen 1989 in der DDR und die daraus folgende sogenannte „Wende“ gewesen. Das ist jetzt über 15 Jahre her. Dass dies nun auch in den Spitzen der Öffentlichkeit geschieht, ist aus meiner Sicht nur eine logische Konsequenz.

Wie bist du zu diesem Amt gekommen? Wolltest du DWSV-Vorstand werden?

Im DWC bringe ich mich schon länger mit Sacharbeit ein. Dass ich irgendwann „die Seite“ wechsle, vom Aktiven auch in die organisatorische Ebene, war mir längst bewusst. Nur gleich das Präsidentenamt zu übernehmen, dies kam für mich etwas überraschend, denn Walter Mielke gab unerwartet auf der letzten Hauptversammlung in Hamburg seinen Rücktritt bekannt – und wir mussten einen handlungsfähigen Vorstand wählen. Die Entscheidung war nicht leicht, da mir bewusst ist, dass dieses Amt mit viel Verantwortung zu führen ist.

So ein Posten ist mit ’ner Menge Arbeit verbunden. Lässt sich das als Selbstständiger überhaupt machen?

Ich denke schon. Ich will und muss mich in die Aufgaben hineinfinden, und es ist eben eine Frage der Organisation. Ich denke, es wird mir gelingen, und ich sehe es als Herausforderung.

Was sind deine Intensionen für die nächsten Jahre?

Speziell im DWC werden die Starterzahlen immergeringer. Generell müssen wir wieder viel mehr für den Nachwuchs unternehmen, mehr an die Basis des Windsur-fens gehen. Dies ist in den letzten Jahren zu wenig gemacht worden. Schon unsere zweite Vorstandssitzung Mitte Januar hat sich ausschließlich mit unserer Jugendarbeit in der kommenden Legislaturperiode beschäftigt. Auch wollen wir die Surfindustrie und die Händler stärker ansprechen, sich aktiv zu beteiligen. Dies gilt für alle Surfklassen, nicht nur für den DWC. Wir wollen ein System entwickeln, womit wir in der Lage sind, unseren Mitgliedern für ihren Sport wieder mehr zurückgeben zu können.

Kann Slalom einen neuen Schub bringen oder hält der DWC an der Formula Windsurfing fest?

Ja, kann er, aber meiner Meinung nach nicht ausschließlich. Wir haben reagiert und die Priorität mehr auf Slalom verschoben. Im DWCSlalom sind ein Brett und drei Segel erlaubt, damit wir auch noch bei sieben Beaufort attraktive Regatten fahren können. Viele Fahrer sind über die „One Hour“ zum Regattasurfen gekommen. Es ist das Format, welches viele beim Freizeitsurfen praktizieren. Spaß am Heizen soll im Vordergrund stehen. Formula, also Racing, ist aber noch wichtiger Bestandteil des DWC, nicht nur, weil es eine Schwachwind-Alternative ist. Wir wollen aber weg von den riesigen Segeln. Für 2006 gilt: Nur noch ein Segel und ein Brett für Wind bei sieben bis maximal 17 Knoten. Ab 2007 wollen wir die Größe auf 11 qm begrenzen. Auch wollen wir Hybridfahrern, vor allen Dingen den RS:X-lern, den Start im DWC ab sofort ermöglichen. Formulabretter gegen Hybridboards, das wird sicher sehr spannend. Racing wird Bestandteil bleiben, weil Taktik und Technik bei unterschiedlichen Kursen vom Fahrer viel Können und Geschick abverlangen – aus meiner Sicht ein unablässlicher Bestandteil.

Bisher hat die Event-Agentur Choppy Water im Auftrag der DWSV den DWC organisiert. Ist mit dem Ausscheiden von Matthias Regber aus dem DWSV-Vorstand die Zusammenarbeit beendet?

Nein, keines Falls. CW hat gute Arbeit in den letzten Jahren geleistet, die wir aber gemeinsam noch verbessern wollen.

Wer steht dir bei der Arbeit für den DWC im Vorstand bei?

Jörg Volenec als neuer Shortboard-Abteilungsleiter. Jörg kennt den DWC seit Jahren nicht nur aus der Sicht des aktiven Sportlers. Michael Naumann ist Jugendwart und engagiert sich auch hier im Shortboardbereich sehr gut und erfolgreich. Insbesondere mit eigenen Projekten, z. B. „Formula City“ als Fahrtechnik-/Regattaseminar für Regattaeinsteiger, er ist sehr innovativ. Darüber hinaus bekommt der Vorstand Unterstützung von Webmaster Murat Tüten und den Fahrersprechern, mit denen ich engen Kontakt habe. Wichtig für mich persönlich wird sein, den gesamten DWSV im Blick zu haben.

DWC und RS:X, welchen Stellenwert bekommt die neue Olympiaklasse RS:X in Deutschland?

Meiner Meinung nach wird sie mehr und mehr Gewichtung bekommen. Das Konzept scheint mir der richtige Weg zu sein, auch wenn konstruktive Details, wie das Gewicht des RS:X, noch zu wünschen übrig lassen. Beobachten wir aber die Hersteller und ihre weiteren Entwicklungen, so sehe ich da viel Potenzial für die Zukunft. Vielleicht gibt es ja in wenigen Jahren eine einheitliche Klasse Racing, die übergreifend auf die verschiedensten Regattaformate erfolgreich sein wird. Einen ersten Schritt dahin wollen wir, wie schon gesagt, mit der Öffnung des DWC für RS:X und andere Hybridboards machen.

Vorstands-Job und eigene sportliche Aktivitäten sind nicht ganz unproblematisch. Surfst du weiterhin im DWC?

Ich werde auf jeden Fall 2006 an den Start gehen. Auch hier, wie schon gesagt, ist es eine Frage der eigenen Organisation. Wichtig ist doch auch, dass ich als Präsident das Ohr weiterhin an der Basis habe. Einen surfenden Präsidenten, gab’s das eigentlich schon mal? Ich denke, das ist sicher ganz sympathisch.

STECKBRIEF

Name: Rick de Veer Geburtsdatum: 18.2.1968 Wohnort: Schwerin/Mecklenburg-Ostsee Größe/Gewicht: 177 cm/74 kg Beruf: Architekt Dipl.-Ing. (FH) Segelnummer: GER-658 Lieblingsmusik: Rock, Pop, Klassik Lieblingsfilme: Der große Gatsby, Jenseits der Stille Lieblingsessen: Asiatische und französische Küche Lieblingsspots: Kapstadt, Kühlungsborn Lieblingsbedingungen: Ostsee, 6-7 Bft. aus West, 25 Grad, Sonne-Wolken-Mix Lieblingssegel: 7,4er Slalom Lieblingsboards: Starboard Sonic 110, G-Sailboards Fire Sponsoren: Gun Sails, Lorch, Hurricane Fins, Olympus Website: www.a-dv.de www.racing-team-europe.de

Interview: Alois Mühlegger


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