Wer ist Heike Reimann?

 • Publiziert vor 11 Jahren

Heike Reimann ist noch relativ unbekannt auf der PWA-Tour. Kein Wunder, die Segelnummer G-545 ist letztes Jahr auf Fuerteventura das erste Mal im Worldcup gestartet. Der Beginn einer späten Karriere? Wir haben die sympathische Bremerin interviewt, um sie etwas näher kennen zu lernen.

Du hast letztes Jahr dein Worldcup-Debut gegeben. Mit 32 Jahren. Wieso erst jetzt?

(Lacht) Das fragt jeder. Im Prinzip lag’s einfach – wie bei vielen anderen auch – am Geldmangel. Ich hatte früher gar nicht die Möglichkeit, so viel Geld zusammenzukratzen, um im Worldcup mal eben so aus Spaß mitzumachen. Du brauchst eine Unterkunft, Mietwagen, Flug, das ganze Surfgerödel muss mit, du musst Startgelder bezahlen – da kommt ganz schön was zusammen. Der Impuls kam dann auch eher von außen. Ich bin jetzt seit acht Jahren den Winter über auf Maui und viel mit den Profis zusammen auf dem Wasser und messe mich mit denen dann natürlich auch. Und die haben immer gesagt: Mensch, du bist so gut, jetzt fahr doch endlich mal mit. Klar fühlst du dich im Vergleich zu den Topfahrerinnen und den Männern wie eine Freizeitsurferin. Und dann siehst du in den Medien auch immer nur die tollsten Bilder und Videos und denkst: Ne, so gut bist du nicht. Aber meine Freundin Junko Nagoshi, mit der ich auf Maui auch die meiste Zeit trainiere, hat mich dann so lange gedrängt, bis ich mitgemacht hab.

Seit wann surfst du denn schon und wie bist du zum Windsurfen gekommen?

Das war ziemlich genau vor 20 Jahren im Italienurlaub. Aus Langeweile hab ich mit meinem Papa zusammen angefangen. Mein Papa ist nach wie vor ganz windsurfverrückt. Der fährt noch im November an die Nordsee und stürzt sich ins eiskalte Wasser. Ganz am Anfang hab ich mir mit meiner Schwester einen Neo geteilt und die Halsen im Wohnzimmer geübt. Wie das halt so ist, wenn man vom Windsurfvirus infiziert wurde. Eigentlich hat sich die ganze Familie angesteckt. Zwischendrin war aber auch bei mir die Begeisterung mal nicht mehr so groß, aber als dann Freestyle aufkam, wurde es wieder interessant. Es macht einfach süchtig, wenn man wieder ein neues Manöver gestanden hat und mit seinen Surfbuddies immer neue Sachen üben kann.

Halse im Wohnzimmer klingt nicht schlecht. An welchem Move arbeitest du jetzt gerade?

Am Shaka, und der Puneta ist gerade auch dran.

Fährst du dann lieber auf Flachwasser oder doch in der Welle?

Welle, definitiv! Am besten find’ ich sogar die Tage, an denen relativ wenig Wind ist und die Wellen so richtig “glassy” sind – wenn du masthohe Wellen hast, rausdümpelst und die Wellen einfach abreitest. Da sind nur ganz wenig Leute draußen, eigentlich immer die gleichen. Aber das sind die besten Tage. Flachwasser hab’ ich im Sommer auf Fehmarn.

Und was ist dein Lieblings-Spot auf Maui?

Das hängt immer so ein bisschen von meiner Tagesform ab – was für einen Kick ich gerade brauche. Generell bin ich eher in Kanaha, weil ich gerne bis zum Erbrechen draußen bleibe, selbst wenn ich kaum noch Kraft habe. Und da ist Kanaha einfach ein relativ sicherer Spot, an dem wenig passieren kann. Und wenn mal was bricht, dann schwimmt man halt eine halbe Stunde zurück, aber das ist ja nicht so schlimm. Hookipa surfe ich auch ganz gerne, wenn ich mal Bock drauf habe. Aber das ist nicht so mein Spot für jeden Tag. Wenn Hookipa groß ist, dann musst du einfach echt deine Kräfte einschätzen können und das Meer respektieren. Außerdem sind oft viele Wellenreiter drin und die haben nun mal Vorfahrt.

Sommer auf Fehmarn, im Winter auf Maui, dann noch Zeit für den Worldcup. Was arbeitest du eigentlich?

Auf Fehmarn hab’ ich einen Saisonjob bei Baltic Kölln. Da kann man eigentlich auch nicht so einfach freimachen. Aber ich hab’ meinem Chef dann mal durch die Blume angedeutet, dass ich ganz gerne im Worldcup mitfahren würde. Der war selbst früher aktiver Windsurfer, hat mich sogar noch animiert und auch extrem gut finanziert. Der war echt Feuer und Flamme. Auf Maui arbeite ich für Aloha Spirit – die machen hawaiianische Geschenkartikel. Ich mach’ den ganzen Einkauf und organisiere die Fotosessions. Also, vormittags arbeiten, nachmittags Windsurfen oder Wellenreiten gehen. Meine beiden Arbeit geber unterstützen mich da echt super.

Was sind denn deine Ziele für 2010? Fährst du wieder im Worldcup mit?

Beim Freestyle auf jeden Fall. Das hat mir deutlich mehr Spaß gemacht als in der Welle. Aber das liegt wahrscheinlich auch daran, dass der Worldcup auf Sylt schon relativ spät ist und ich mag’s nicht besonders gerne kalt. Lanzarote Ende Juni ist voraussichtlich der nächste Termin für mich. Dann kommt Fuerte. Mal sehen, was ich noch so dazulerne in den nächsten Monaten. Letztes Jahr wurde ich auf Fuerte Siebte im Freestyle, das sollte eigentlich wieder drin sein. Besser wäre natürlich toll – mal schauen, wie das Jahr wird. Aber mit dabei zu sein und mit den Besten zu surfen ist schon ein cooles Gefühl. Solange es Spaß macht und ich nicht Letzte werde, bleib ich dabei.

SCHNELLSCHÜSSE

Wasser oder Berge? Definitiv Wasser, am besten natürlich der Ozean.

Masthohe Wellen oder Flachwasser? Ich liebe Wellen.

Gegen Daida oder gegen Sarah-Quita fahren? Ganz klar, Sarah-Quita. Sie rockt und ist ein echter Surfkumpel, an Land und auf dem Wasser. Daida habe ich eigentlich nie richtig kennen gelernt.

Locker oder ehrgeizig? Mein Freund sagt, ich bin ehrgeizig mit mir selbst und locker mit anderen.

Maui oder Ostsee? Winter Maui, Sommer Ostsee ist für mich der perfekte Plan.

Wie entspannst du am besten? Wenn mein Konto im Plus ist.

Dein Lieblingsmove? Der Shaka, aber das dauert noch ein Weilchen.

Mit wem würdest du gerne für einen Monat tauschen? Mit Sarah-Quita, dann könnte ich danach den einen oder anderen Move mehr...

Wovor hast du Angst? Vor wirklich schlimmen Krankheiten.

Was ist gerade der hottest Move auf Maui? Wer hat den größten Wipeout!

Fünf Dinge, die du machen willst, bevor du stirbst? Ich hoffe, es werden noch ein paar mehr als nur fünf Dinge.

Fünf Dinge, die du magst? Kurzurlaube im Bulli nach Dänemark, lecker Essen, Turtles, Inseln, Flipflops das ganze Jahr.

Fünf Dinge, die du hasst? Poser, Abzocke jeder Art, Hunger, faule Arbeitskollegen, einen fürchterlichen Kater haben.

Picknick oder Gala-Dinner? Am liebesten BBQ (er brennt übrigens gerade, wie fast jeden Abend).

TV oder Buch? Kommt drauf an. Wenn ich total ausgepowert bin TV, ansonsten lieber ein fesselndes Buch.

Party Animal oder früh im Bett? Paaartiie.

Nord oder Süd? Komisch, es ist immer Nord.

Segel- oder Motorboot? Segelboot.

Rebellin oder politisch korrekt? Korrekt.

Steak oder Salat? Steak, viel Steak.

Was führt dich in Versuchung? Roselani Icecream (Maui local icecream).

Worüber kannst du lachen? Wenn ich jemanden mit meiner ferngesteuerten Pupsmaschine reinlegen kann und über den ganzen anderen Blödsinn, den wir dauernd selber machen.

Welche Sportler beeindrucken dich am meisten? Big-Wave-Rider.

Bester Sport neben dem Windsurfen? Wellenreiten.

Wofür hättest du gerne mehr Zeit? Bisschen weniger Arbeiten und mehr Zeit auf dem Wasser verbringen.

Wo bleibst du beim TV-Zappen hängen? Beim guten Kinofilm.

STECKBRIEF

Geburtsdatum: 15.12.1976

Wohnort: Sommer auf Fehmarn, Winter Maui/Hawaii

Beruf: Einzelhandelskauffrau, Fachrichtung Wassersport

Sponsoren: AlohaSpririt.us, Baltic Kölln Fehmarn, Hot Sails Maui, Prolimit, RipCurl

Segelnummer: G-545

Homespot: Fehmarn und Northshore von Maui

Musik: Reggae, deutscher Hip Hop

Lieblingsfilm: Ice Age

Hobbys: Wellenreiten, Skifahren, Snowboarden, Kochen

Größter Erfolg: 7. Platz PWA Freestyle Fuerteventura 2009

Website: www.g545.com

Heike liebt Freestyle

Themen: Heike Reimann


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