Redaktion

Wer ist Henri Kolberg?

  • Andreas Erbe
31.03.2018

Von der Schlei nach Hawaii – lautet wohl das Lebensmotto von Henri Kolberg aus Schuby. Talent, Ehrgeiz und sein Masterplan machten den 16-Jährigen nicht nur zum „boot Windsurf-Talent 2018“ sondern ließen ihn Anfang Januar auch seinen ersten PWA Youth Worldcup in der Welle gewinnen.

Henri Kolberg von der Schlei verfolgt ein klares Ziel. Das Wort "vielleicht" kommt in seiner Zukunftsplanung zum Windsurf-Profi nicht vor. 

Du bist das "boot Düsseldorf Windsurf-Talent des Jahres 2018". Was hast du gedacht, als du erfahren hast, dass du gewonnen hast? Ich habe mich super gefreut und vor allem geehrt gefühlt. Es fühlt sich unglaublich toll an, wenn man erfährt, dass das viele Training und die Schmerzen von harten Landungen anerkannt werden.

Der Preis ist mit 2018 Euro dotiert. Was machst du mit dem Geld? Von dem Geld werde ich meinen nächsten Trainingsaufenthalt auf Maui im Frühling und die Reise zu den Worldcups auf Gran Canaria und Teneriffa finanzieren.

Mit deinen 16 Jahren bist du schon viel herumgekommen. Du warst bereits zweimal auf Maui, einmal sogar für sechs Monate. Wie hast du das hinbekommen und was war mit der Schule in der Zeit? Dadurch, dass ich sehr offen bin und mein Segelsponsor Hot Sails Maui ist, dachte ich mir, wieso nicht einfach mal nachfragen, ob ich irgendwo auf Maui für sechs Monate wohnen kann. Nach ein wenig hin- und herschreiben und skypen hat mich dann Jeffrey Henderson (Hot Sails Maui Boss) zu sich und seiner Familie eingeladen. Das Organisatorische mit Visum und Schule war dann noch etwas kompliziert. Da hat mir meine Familie und auch meine Schulleitung sehr geholfen. Wenn ich zu Hause bin, fokussiere ich mich sehr auf die Schule und so stimmen meine Noten eigentlich immer. Zudem ist meine Schule sehr entspannt und solange ich meine Reisen mit meinen Lehrern individuell abspreche und den Stoff immer nachhole, bin ich ziemlich frei mit meinen Trainings- und Wettkampfreisen. Wenn ich dann auf Maui bin, versorgen mich meine Mitschüler mit Hausaufgaben. Und da ich sowieso dort nicht vor elf Uhr aufs Wasser darf, habe ich immer Zeit, auch etwas für die Schule zu machen.

Du konzentrierst dich voll auf die Disziplin Wave, kommst aber aus Schleswig an der Schlei – nicht unbedingt das Mekka der Wavesurfer. Ich habe Windsurfen direkt in kleinen Welle gelernt, da wir im Sommer immer mit unserem Segelboot durch die Ostsee segeln. Und so war ich von Anfang an mit Wellen vertraut. Seitdem ich zehn bin, gucke ich die Videos von Philip (Köster) und Ricardo (Campello)und wollte immer so surfen wie die. Ich liebe einfach das Gefühl bei viel Wind super hoch zu springen oder beim Abreiten die Lip perfekt zu treffen und dann über die brechende Welle hinweg zu fliegen.

Du hast bereits Doppelloops gestanden und deinen ersten PWA Youth Worldcup gewonnen. Wie viel ist Talent und wie viel ist hartes Training? Ich glaube, ich bringe schon etwas Talent für die Bewegung mit. Im Windsurfen zählt aber vor allem die Willenskraft. Oft sitze ich stundenlang zu Hause und gucke mir Videos von Philip und Brawzinho an und versuche zu verstehen, was die anders machen. Dann analysiere ich auch immer wieder meine eigenen Manöver und kann mich so ziemlich schnell verbessern. Ich trainiere tatsächlich so, wie ich es während meiner Segelkarriere gelernt habe. Dazu gehören neben möglichst vielen Wassersessions, in denen ich mich auf einzelne Moves konzentriere, auch Fitness-Übungen. Ich achte auf mentale Gesundheit, wie auch auf vernünftige Ernährung. Seit Kurzem arbeite ich auch mit einem Trainer zusammen, um in den wenigen Sessions, die ich habe, möglichst große Fortschritte zu machen.

Henri Kolberg

Wie finanzierst du die vielen Reisen? Unterstützen dich deine Eltern? Meine Eltern unterstützen mich so gut es geht. Mein Vater baut zurzeit jedoch auch ein neues Unternehmen auf. Und so müssen wir immer ziemlich genau rechnen. Wir kriegen es irgendwie immer wieder hin, Flüge günstig zu buchen und bei Jeff darf ich auch immer umsonst in "meinem" Baumhaus wohnen. Ich versuche nebenbei ein wenig zu arbeiten. Das ist nie so ganz einfach, weil einfach der Wind nicht planbar ist.

Wie sieht es mit Sponsoren aus? Sponsoren zu finden ist echt harte Arbeit! Als Talent ist es wichtig, seine Sponsoren persönlich kennen zu lernen und eine persönliche Beziehung aufzubauen, damit diese an deiner Entwicklung teilnehmen können. Die Marken unterstützen uns junge Surfer meist in verschiedenen Stufen, bis man irgendwann komplett Teil eines Teams wird. Das geht nicht von heute auf morgen. Außerhalb der Surfbranche ist es wichtig, möglichen Sponsoren aufzuzeigen, welchen Gewinn sie haben, dich zu unterstützen. Und so sind die sozialen Medien schon ein wesentlicher Bestandteil dessen, wo man etwas zurückgeben kann.

Hast du ein paar Tipps für junge ­Talente? Wichtig ist, dem Sponsor immer etwas bieten zu können, so dass beide Seiten von einer Zusammenarbeit profitieren. Als Talent kann man seine Sponsoren sehr gut an der Entwicklung teilhaben lassen, indem man ihnen regelmäßig Updates schickt, denn jede Entwicklung ist eine Geschichte. Eine gut geführte Social-Media-Seite ist dabei natürlich von Vorteil.

Wie bist du überhaupt zum Windsurfen gekommen – als Kind hast du ja erst mit dem Opti-Segeln angefangen. Mein Vater hat früher viel gewindsurft. Schon als ich ein Jahr alt war fand ich das super cool ihm dabei zuzugucken. Als ich dann fünf war, habe ich das erste Mal bei unserem Sommersegeltrip selber gewindsurft. Das hat dann auch ziemlich schnell gut funktioniert und ist für mich zu einer Leidenschaft geworden. Durch meine Segelkarriere bin ich dann aber nicht mehr so viel zum Windsurfen gekommen. Als ich mit 13 mit dem Segeln aufgehört habe, um Profi-Windsurfer zu werden, konnte ich gerade mal Wasserstart und Halse.

Wie sieht es bei dir in der Schule aus – konntest du ein paar Mitschüler zum Windsurfen motivieren? Ja, tatsächlich. Ein paar meiner Mitschüler windsurfen und ich kann sie immer wieder motivieren, mit mir aufs Wasser zu gehen.

Wann bist du mit der Schule fertig und wo siehst du dich in zehn Jahren? Nächstes Jahr im Sommer habe ich hoffentlich mein Abitur. Definitiv möchte ich Windsurf-Profi werden und freue mich darauf, nach meinem Abitur zu reisen und bei der kompletten PWA Wave Tour dabei zu sein. In zehn Jahren möchte ich fester Bestandteil der Tour sein und meinen Lebensunterhalt durchs Windsurfen verdienen.

INFO-BOX

Geboren: 18. März 2001 Wohnort: Schuby Beruf: Schüler der 11. Klasse Größe/Gewicht: 178 cm/78 Kilo

Surft seit: Das erste Mal mit 5 Jahren, Durch meine Segelkarriere aber erst seit 2014 voll Erfolge: 2016: 3. Platz Gran Canaria PWA Youth Competition U16. Erste Teilnahme PWA Worldcup Sylt. 1. Platz Danish Open Championship U20, 4. Platz bei den Männern 2017: 5. Platz Gran Canaria PWA Youth Competition U19 2018: 1. Platz PWA U20 World Cup in Almerimar, Spanien

Lieblingsspots: Hanstholm, Dänemark und Upper Kanaha, Maui Lieblingsmoves: Stalled Forward Next Level: Auf der Welle muss ich auch die New-School-Manöver können. Und den Doppel- Frontloop will ich öfter stehen Sponsoren: Hot Sails Maui; Starboard; Maui Ultra Fins; ProLimit; Dakine Shop Webpage: www.henrikolberg.com Instagram: henri.kolberg

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-3/2018 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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