Wer ist Hugo de Souza?

  • Adi Beholz
 • Publiziert vor 6 Jahren

Normalerweise windsurft man zum Spaß – manchen brasilianischen Kids bietet Windsurfen mehr, nämlich die Perspektive, der Armut zu entfliehen. Hugo de Souza ist einer von denen, die Glück hatten und ihre große Chance ergreifen wollen.

Hugo de Souza

Hugo de Souza, bei diesem Namen horcht die Freestyleszene auf. Der junge Brasilianer aus der Kleinstadt Camocim hat sich, wie der Spot an dem er lebt, längst einen Namen gemacht. Während der letzten vier Jahre besuchten sämtliche Freestylegrößen das kleine Städtchen, das man von Jericoacoara aus in etwa einer Stunde erreichen kann. Hier erwartet einen perfektes Flachwasser, der Wind weht stark ablandig über eine Sandbank. An 250 Tagen im Jahr gibt es Starkwind. Man könnte meinen, dass dies beste Voraussetzungen wären, um ein Top-Windsurfer zu werden. Dies ist die europäische Denkweise. Aus brasilianischer Sicht sieht die Sache etwas anders aus, denn Windsurfen ist ein teurer Sport, zumindest für Leute wie Hugo und seine Familie

Seinen Vater lernte er leider nie kennen, die Mutter arbeitet das ganze Jahr über im sechs Stunden entfernten Fortaleza, um Geld für die Familie zu verdienen, die sie nur wenige Male im Jahr sieht. Die Perspektiven in Camocim sind gleich Null, man muss in die Großstadt, um zu studieren oder in die umliegenden Touristenoasen, um dort etwas Geld zu verdienen. Um Hugo und die fünf weiteren hungrigen Mäuler der Geschwister und Cousins kümmert sich die Oma. Die kleine Frau ist der unumstrittene Chef zu Hause, respektiert und geliebt und wenn am Abend die Lichter bei Familie de Souza ausgehen, scheint das kleine Häuschen aus allen Nähten zu platzen. Überall werden Hängematten gespannt, nicht selten übernachten hier zehn Personen. Somit ist es kein Wunder, dass die Windsurfbegeisterung Hugos zunächst nicht auf fruchtbaren Boden fallen konnte, die Familie hatte für solche Spielereien schlicht keinen Cent übrig.

"Mit seinem durchlöcherten Segel sprang er als Kind schon Sachen, mit denen man noch heute ein paar Runden in der German Freestyle Battle überstehen würde." Adrian Beholz

Doch Hugo hatte Glück. Glück, dass vor rund sieben Jahren ein windsurfbegeisterter Reisender namens Paulo nach Camocim kam und begann, ein Projekt für die Jugendlichen der Stadt auf die Beine zu stellen: Paulo sammelte von den zahlreichen Surftouristen, die Camocim alljährlich besuchten, das ausrangierte Material, um dieses den Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Oft war es kaputt, also reparierte er es. Für viele Camocim-Kids war und ist dies die erste kleine Perspektive ihres Lebens und vor allem brachte es sie von der Straße weg. Denn es gab von Anfang an einen Deal: Surfen darf nur, wer die Schule besucht und nicht mit Drogen und Kriminalität in Kontakt kommt. Noch ist längst nicht genügend Material für alle Kids vorhanden, sodass Paulo oft als Mediator und Organisator gefragt ist, um zu garantieren, dass alle Kids mal ran dürfen. Die Älteren, wie Hugo, müssen die Neueinsteiger unterrichten und nur die Allerbesten haben ihr eigenes Material.

Mittlerweile sind 20 bis 30 Kids auf hohem Freestyle-Niveau unterwegs und Hugo ist unter all den Talenten derjenige, der es am weitesten gebracht hat. Soweit, dass selbst die Großen der Szene, die hier alljährlich vorbeischauen, um in den Laborbedingungen am Worldcup-Repertoire zu üben, verblassen, wenn Hugo aufs Wasser geht. Die Lernkurve des heute 17-Jährigen ist dabei unbeschreiblich: Vor drei Jahren hörte man das erste Mal von ihm. Damals surfte er noch auf einem zehn Jahre alten und acht Kilo schweren Waveboard mit einem viel zu großen durchlöcherten 5,3er-Segel und sprang damit Moves, mit denen man noch heute einige Heats in den German Freestyle Battles gewinnen könnte. Heute hat er Sponsoren, neuestes Material und setzt an seinem Homespot den Maßstab.

Hugo de Souza

Regelmäßig zelebriert er Moves, die man zuvor nie gesehen hat: Dreifache Culos, Spock-Kabikuchis und die wohl höchsten Air Skopus der Surfszene. Im Juli 2013 fuhr er seinen ersten PWA Worldcup mit. Die erhoffte Sensation blieb allerdings aus. Absolut konkurrenzfähig ist er bisher nur bei sehr starkem Wind von rechts oder auf Flachwasser. Jetzt wurde Windjeri auf ihn aufmerksam. Das Pousada finanziert Hugo nun die PWA-Saison 2014. Die Jahre auf der Tour könnten Hugo die Türen öffnen, um seinen Traum zu verwirklichen, Weltmeister werden und der Familie zuhause damit ein besseres Leben zu ermöglichen.

INFO-BOXAlter: 17 Jahre  Geboren: 16. Dezember 1996 Wohnort: Camocim/Brasilien Beruf: Windsurf-Profi Regattadebüt: 2013 Segelnummer: BRA-204 Erfolge: 2013 erste PWA-Worldcup-Teilnahme auf Fuerteventura Lieblingsspots: Camocim, Jeri Lieblingsmoves: Air Kabikuchi, Air Skopu & Dreifachkombinationen wie Spock-Culo-Spock Sponsoren: RRD, Windjeri, Maui Ultra Fins Video: Moves wie aus einem Computerspiel – Abgefahrenes aus dem Repertoire von Hugoseht ihr direkt in der surf-App oder unter  www.continentseven.com

Themen: HugoHugo de Souza


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