Wer ist Jonas Schmidt?

 • Publiziert vor 16 Jahren

Seine Story liest sich wie ein kleines Surfermärchen: Jonas Schmidt war Leistungssportler in der Leichtathletik. Er wird schwer krank und muss diesen Sport an den Nagel hängen. Dann kommt die Trennung der Eltern – genug Anlass, um vor dem Abi alleine an die Küste zu ziehen und dort richtig surfen zu lernen.

Leichtathletik war alles für dich, jetzt ist es Surfen. Erzähl mal!

Ich habe auf dem Gymnasium in der Mittelstufe angefangen, professionell mit eigenem Coach zu trainieren. In der Jugend B war ich im 300 Meter Sprint Landesmeister. Nach einem knappen Jahr wurde ich dann schwer krank und musste eine Woche wegen Pfeifferschen Drüsenfieber im Krankenhaus liegen, da der Virus auch innere Organe wie Milz und Leber befallen hatte. Es bestand auch die Gefahr einer Herz- Muskel-Entzündung. Nach etwa zwei Monaten habe ich wieder langsam angefangen zu trainieren, wurde aber letztendlich nie wieder richtig fit. Zu der Zeit bin ich zu allen Ärzten Norddeutschlands gepilgert. Am Ende hat mir ein Arzt der Uni-Klinik Hannover empfohlen, doch mit Leichtathletik als Leistungssport aufzuhören.

Wow, und Surfen hat dich geheilt?

Was ich jetzt an Kraft und Ausdauer brauche, hole ich mir ausschließlich vom Windsurfen. Aber eigentlich habe ich schon vor meiner Krankheit bei meinen ersten Surfversuchen auf Amrum 1996 Salz geleckt. Ich war so beeindruckt von den Jungs auf Amrum, wie die da bei Sturm durch die Gegend geloopt sind. Da wollte ich unbedingt an die Küste und im Surfen Vollgas geben. Ich brauchte ja auch irgendwie was Neues!

Du konntest deine Oldies dazu bringen, an die Küste zu ziehen?

Nein, nach der elften Klasse war für mich ein guter Zeitpunkt von zu Hause auszuziehen, da sich zu dieser Zeit meine Eltern getrennt haben. In Niedersachsen hat mich nicht mehr so viel gehalten. Da habe ich beschlossen, nach Kiel zu ziehen. Ich war schon volljährig und hatte ein Auto. So gab es keine größeren Probleme und schließlich kann man ja sein Abi überall machen. Ich hab’ mir noch während der Ferien eine Wohnung besorgt und bin umgezogen.

Alle Achtung! Und was haben deine Eltern dazu gesagt?

Sie wussten, dass ich schon immer eher ein Einzelkämpfer war, aber Surfen hat mir so viel Spaß gemacht. Mein Vater unterstütze mich finanziell etwas und vor allem Tobi Häger vom Surf Center Kiel mit Material. Von meiner Mutter konnte ich allenfalls moralische Unterstützung erhoffen. Sie hätte es auch heute lieber gesehen, wenn ich jetzt mit dem Studium anfangen würde. Ich glaube aber nicht, dass ein Jahr surfen verschwendete Zeit ist. Es gibt noch so viel neben der Uni zu lernen. Das bestätigen mir auch viele Menschen, die schon fest im Berufsleben stehen. Und ich rufe mir immer wieder ins Gedächtnis, dass das jetzt eine einmalige Chance ist, die wohl nie wieder kommen wird.

Du surfst seit sechs Jahren. Reicht die Begabung zum Profi?

Ich bin von Natur aus recht ehrgeizig. Bei allem was ich anfange, sei es das Klavier spielen, Leichtathletik oder Surfen. Ich glaube aber nicht, dass ich übermäßig begabt bin.

Aber du schaffst das trotzdem? Naja, ich hätte wirklich große Lust, Windsurfen einige Zeit professionell zu betreiben. Mit einer Top-10-Platzierung in der EFPT habe ich nicht gerechnet. Da ist nächstes Jahr der Anspruch natürlich entsprechend höher.

Studieren kommt nicht mehr in die Tüte? Doch, ich will unbedingt nebenher noch studieren. Mal sehen, wie sich das so vereinbaren lässt.

Hast du auch einen Lieblingsmove? Der Shaka ist ja so eine Art Signature Move von mir geworden, den ich mittlerweile auch mal einhändig oder als Shaka Flaka stehe. Mit den Switch-Stance-Manövern stehe ich noch so ein bisschen auf Kriegsfuß, aber das wird sich auch bald ändern.

STECKBRIEFGeburtsdatum: 28.5.1981 Wohnort: Kiel Größe/Gewicht: 180 cm/77 kg Beruf: Surfer Segelnummer: G-120 Hobbies: Lesen, Klavier spielen Lieblingsspot: Klitmöller Lieblingsbedingungen: Welle Sponsoren: Mistral und North Sails Erste Regatta: 2003 White Sands Festival (13. Platz) Erfolge und Ranking: 7. Platz Overall in der European Freestyle Pro Tour 2004, 9. Platz Engadinwind.com 2004 Von Axel Reese


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