Wer ist Laurin Schmuth? Wer ist Laurin Schmuth? Wer ist Laurin Schmuth?

Wer ist Laurin Schmuth?

  • Andreas Erbe
 • Publiziert vor 4 Monaten

Der Name des 18-Jährigen taucht in keiner nationalen Rangliste auf. An den Hot Spots kennt ihn niemand. Aber in der PWA-Jugendrangliste entdeckt man ihn regelmäßig unter den besten Youth-Fahrern.

Wir treffen den großen Lockenkopf in Düsseldorf auf der boot 2020. Er steckt mitten in der Vorabi-Zeit und hat, nachdem er endlich seinen Führerschein in der Tasche hat, gerade einen kühlen Surftag in Wijk an Zee hinter sich.

Ist Wijk so etwas wie dein Homespot?

Nein, ich war jetzt erst das zweite Mal in meinem Leben in Holland. Bislang hatte ich keinen Führerschein und meine Eltern hatten keine Zeit mich irgendwo hinzufahren. Eigentlich komme ich nur in den Oster-, Sommer- und Herbstferien zum Surfen.

Und wo bist du dann?

Immer auf Teneriffa. Mein Vater hat dort schon vor 23 Jahren, als dort noch nichts los war, eine Wohnung gekauft. Mein Opa hat ihn zum Surfen gebracht und später haben mein Vater und meine Mutter mir das Windsurfen beigebracht.

Wann hast du zum ersten Mal auf dem Brett gestanden?

Mit sechs Jahren habe ich auf Teneriffa bei Klaus Gahmig meinen ersten Kurs gemacht. Und da meine Mutter auf Norderney ihre Familie hatte, ging es dort mit sieben Jahren weiter. Danach war ich total angefressen und wollte überhaupt nicht mehr vom Wasser. Ich habe vergessen zu essen und zu trinken, und meine Eltern mussten mich abends regelrecht vom Wasser zerren. Als ich dann in El Medano das erste Mal eine kleine Welle runtergerutscht bin, war ich nicht mehr zu retten. Das war ein unbeschreibliches Gefühl.

30 bis 40 Tage pro Jahr auf dem Wasser sind nicht viel. Trotzdem surft Laurin bereits mit 18 Jahren auf Worldcup-Niveau. Vor allem in El Medano auf Teneriffa hat er reichlich Erfahrung.

Was hat dich so am Windsurfen fasziniert?

Vom Wind vorwärts getrieben zu werden.

Das wird man beim Segeln und Kiten auch – niemals daran gedacht, damit anzufangen?

Bevor ich mit dem Windsurfen angefangen habe, fand ich Kiten sogar cooler. Aber meine Eltern meinten, ich wäre dafür noch zu klein und könnte das später immer noch lernen. Aber später habe ich da niemals wieder dran gedacht.

Windsurfen fand für dich bislang nur auf Teneriffa statt. Bist du da bei den Locals integriert?

Es sind ja recht viele Deutsche dort. Dany Bruch hat mir damals mit elf Jahren den Wasserstart in einem Camp beigebracht. Julian Salmonn war da auch mit dabei. Aber der lernte schon den Frontloop.

Julian ist bereits während der Schulzeit ganz nach Teneriffa gegangen. War das für dich auch eine Option?

Ich habe auch daran gedacht. Doch als ich dort bei der deutschen Schule anrief, sagte man mir, dass sie solche Auslandsjahre nicht mehr machen. Das hieß, ich hätte Spanisch lernen und auf eine spanische Schule gehen müssen. Das habe ich dann aber gelassen.

Trotzdem ist Teneriffa dein Windsurf-Mittelpunkt geblieben.

Das stimmt. Ich war noch nie in Klitmøller oder so. Contests bin ich nur in Pozo und auf Teneriffa gefahren. Damit habe ich aber auch schon sehr früh angefangen, eigentlich seit es die PWA Youth Worldcups gibt. In den letzten beiden Jahren hatte ich sogar eine Wildcard für das Herrenfeld.

Auf wie viele Windsurftage kommst du pro Jahr?

Auf 30 bis 40 Tage.

Da verbringen viele Hobbyfahrer mehr Zeit auf dem Wasser. Wie schaffst du es, trotzdem auf Worldcup-Niveau zu fahren?

Mein größtes Problem war, dass ich zwischen den Herbst- und Osterferien nicht aufs Wasser kam. Aber ich glaube, dadurch bin ich umso motivierter und heiß drauf, neue Sachen zu lernen. Wenn ich dann drei Wochen auf Teneriffa bin, bin ich auch jeden Tag auf dem Wasser bis ich nicht mehr kann.

Schaust du dir in der „Trockenphase“ auch Videos von anderen Fahrern an?

Ich glaube, ich schaue mir alle Videos an, die es gibt (lacht). Ich kann ja sonst nichts machen. Aber ich bin gut darin, visuell zu lernen und kann dadurch die Sachen ganz gut umsetzen. Im letzten Sommer habe ich Doppelloops gelandet, Tweak Pushloops und den One Foot Backloop gelernt und bin selbst erstaunt, wie schnell man lernen kann, wenn man sich traut.

Was sind deine Pläne, wenn du in diesem Jahr dein Abi fertig hast?

Dann möchte ich mich erst mal ein ganzes Jahr voll aufs Windsurfen konzentrieren. Mein Traum ist Sportmedizin zu studieren. Ich werde zwar wohl ein Einser-Abi machen, aber trotzdem nicht so einfach einen Studienplatz kriegen.

Wer glaubst du, wird aus dem Youth Worldcup als nächster bei den Erwachsenen richtig einschlagen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Marino Gil ganz weit kommt. Er war schon immer einen Schritt voraus und wenn er jetzt noch den Doppelloop kann, dann hat er für mich in diesem Jahr das Zeug für die Top-Ten.

Und wen hast du als Vorbild?

Das kann ich an einzelnen Moves festmachen: Moritz Mauch macht für mich den besten Goiter, 360er finde ich von Dany Bruch sehr geil und bei allen Sprüngen ist Philip Köster Wahnsinn. Die sind bei ihm alle so sicher und kontrolliert. Das pure Wellenabreiten finde ich von Jaeger Stone am besten.


Laurin Schmuth

  • Alter: 18 Jahre
  • Geboren: 7.10.2001
  • Wohnort: Bonn
  • Beruf: Schüler
  • Größe/Gewicht: 190 cm/80 Kilo
  • Surft seit: 2008
  • Regattadebüt: 2014
  • Erfolge: 2017 Platz 5 U17 Wave-Weltrangliste; 2018 Platz 5 U20 Wave-Weltrangliste; 2019 Platz 47 PWA Men Wave-Weltrangliste
  • Lieblingsspot: El Cabezo auf Teneriffa
  • Lieblingsmoves: Doppelloop, Table Top Forward, Tweak Puschloop.
  • Hobbies: Basketball, Surfen
  • Sponsoren: Godzilla Surf Shop, Goya, Maui Ultra Fins, Xcell, Caffezza

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Themen: Laurin SchmuthPorträt


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