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iQFOiL: Interview mit Leopold Senst (DWC)

  • Alois Mühlegger
 • Publiziert vor 5 Monaten

Von Potsdam nach Kiel – der 19-Jährige macht keine halben Sachen und zog an die Ostsee, um dort in der iQFOiL-Trainingsgruppe des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) täglich aufs Wasser gehen zu können.

Ich bin stolz, dass ich so weit vorne mitfahren konnte. Die Bedingungen waren für mich wirklich super!“ Der damals 18-jährige Schüler strahlte nach dem 6. Platz beim Saisonfinale des DWC 2019 in Kellenhusen, wo er sogar in einer Wettfahrt hinter Nico Prien und Gunnar Asmussen einen dritten Rang schaffte. „Nach diesem Saisonabschluss freue ich mich umso mehr auf das nächste Jahr. Dann werde ich hoffentlich richtig durchstarten“, strahlte Leopold Senst. Nach einer allerdings sehr kurzen Covid-Saison 2020 mit nur drei Regatten unterhielten wir uns mit dem Nachwuchstalent, was daraus geworden ist.

2020 war mit Durchstarten nicht viel möglich. Wo ging für dich was ab?

Zuerst ein Doppelstart bei der Formula Foil WM und der iQFOiL EM in Silvaplana, dann noch der einzige Deutsche Windsurf Cup in Hohenfelde.

Nur drei Regatten, kann man sich da überhaupt weiterentwickeln?

Nicht wirklich, aber man lernt mit jedem Rennen und sammelt Erfahrungen in den unterschiedlichsten Situationen.

Ohne Rennen blieb viel Zeit zum Tranieren auf dem Foilboard. Alleine oder in der Gruppe?

Ich bin im Windsurfverein Werder am Großen Zernsee nahe Potsdam. Da ist jeden Freitagnachmittag Nachwuchstraining angesetzt. In Werder als einziger Foilracer konnte ich mich meistens nur auf Manöver und Speed konzen-trieren. Allerdings ist nun das Training in Kiel-Schilksee viel effektiver mit meinen Trainingspartnern Fabian Wolf und Lars Poggemann.

Privatfoto

Du hast viel in deine sportliche Zukunft investiert, bist 2020 von Potsdam nach Kiel umgezogen, trainierst dort jetzt unter dem DSV-Segeltrainer Patrick Böhmer im Herrenteam. Machst du dir Hoffnungen auf eine Berufung in den DSV-Nachwuchskader?

Ja, ich habe mich dieses Jahr sehr gut entwickelt und habe die richtigen Voraussetzungen, um mich in diesem Sport durchzusetzen.

Wohnung in Kiel, Unterhalt, mobil sein. Wie finanzierst du das alles?

Momentan unterstützen mich noch meine Eltern. Für die Zukunft suche ich allerdings noch Sponsoren.

Wann, wo und wie bist du ins Windsurfen eingestiegen?

Ich komme aus einer Seglerfamilie, mein Vater und Opa waren beide sehr erfolgreich im Segeln, ich selber kann auch ein bisschen Segeln, aber mir ist der Sport zu langsam und ich habe 2015 dann einfach im Urlaub einen Kurs gemacht und war gleich gefesselt.

Auf eine klassische Ausbildung wie etwa auf dem Techno 293 hast du verzichtet und bist gleich aufs Slalomboard gestiegen.

Speed hat mich fasziniert, dann kam Slalom und Formula-Racing.

Du bist einer der Ersten, der gleich aufs Foilboard umgesattelt hat.

2018 habe ich am Kids Camp von Vincent Langer am Gardasee teilgenommen, dort konnte ich auch gleich mal ein Foilboard testen. In Grömitz bin ich dann anschließend im DWC gestartet.

Wo liegt für dich die Foil-Faszination?

Es gibt nichts Schöneres als Fliegen, es ist der perfekte Einklang mit den Naturgewalten Wasser und Luft und in Kombination mit der Geschwindigkeit und der gleichzeitigen Stille auf dem Wasser macht das Foilen einfach süchtig. Und für mich ist es noch mal eine ganz andere Herausforderung, mich selber in der neuen iQFOiL-Klasse zu pushen und die Grenzen herauszu- finden.

iQFOiL-Material kostet ’ne Stange. Selber finanziert?

Ich hab mein gesamtes Slalom-Equipment verkauft, vom Erlös konnte ich das iQFOiL-Material anschaffen.

Für deinen ersten Start bei internatio­nalen Großevents hast du gleich den Start bei der Formula Foil Open WM und der iQFOiL EM im Engadin gewagt. Kein Sprung in die Gold Fleet gelungen, Resümee ernüchternd?

Die Formula Foil WM war für mich nur eine Trainings-Regatta in Vorbereitung auf die iQFOiL EM. Nach der Weltmeisterschaft war ich ziemlich fertig und konnte leider bei der EM, die direkt im Anschluss stattfand, nicht mein Bestes geben. Vor den Events hatte ich auch leider noch nicht genug Training, aber ich kann sagen, dass ich seit dem einen großen Schritt ge­macht habe und dass ich fast jeden Tag aufs nächste Event hintrainiere.

Den Start bei den iQFOiL International Games am Gardasee, die mal als WM angesetzt waren, hast du abgesagt. Warum?

Ich hatte eine Verletzung in meinem Knie, hätte wahrscheinlich dort auch nicht alles geben können und wollte mich lieber auf meine Genesung konzentrieren. Außerdem wäre es mir wegen Corona ein zu hohes Risiko gewesen.

Mit 19 hat man ja noch viele Ziele. Was wäre denn der Titel, den du gerne erreichen möchtest?

Ich hab ein klares Ziel, ich möchte zu den Olympischen Spielen fahren.

Neben dem Sport sollte man auch immer eine Ausbildung bzw. Studium anpeilen. Gibt es da schon Vorstellungen?

Aktuell befinde ich mich noch in der Orientierungsphase, was ich studieren möchte.

INFO-BOX

Alter: 19 Jahre

Geboren: 7.2.2001

Wohnort: Kiel

Beruf: Sportler

Größe/Gewicht: 192 cm/68 Kilo

Surft seit: 2015

Erste Regatta: 2016

Segelnummer: GER 77

Surf-Club: Windsurfverein Werder/Havel e.V.

Regatten: 2019 DWC Zinnowitz 12. Platz Racing, DWC Sylt 11. Platz Racing, DWC Damp 7. Platz Racing, DWC Kellenhusen 6. Platz Racing, DWC Jahresrangliste 7. Platz Racing, 2020 Formula Foil WM Silvaplana Silver Fleet 33. Platz, iQFOiL EM Silvaplana Silver Fleet 23. Platz, DWC Hohenfelde 8. Platz Foil-Racing

Lieblingsspots: Ostsee, Kiel-Schilksee

Lieblingsdisziplin: Foil-Racing

Sponsoren: Starboard/Severne

Instagram: @ger_77_leo

Themen: InterviewLeopold Senst


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