Redaktion

Wer ist Michele Becker?

  • Andreas Erbe
31.05.2018

Ganz unbekannt ist der 19-Jährige aus Bargteheide in der Regattaszene nicht mehr. Als bester Youngster ist er mittlerweile overall auf dem sechsten Gesamtrang im Deutschen Windsurf-Cup angelangt.

Michele Becker

Und wenn es nach ihm geht, soll es in diesem Jahr noch weiter nach oben gehen. Dafür hat er nach dem Abi 2017 für ein Jahr alles dem Windsurfen untergeordnet. surf-Chefredakteur Andreas Erbe hat Michele Becker interviewt:

Du bist einer der ganz wenigen Fahrer, der im Racing, Slalom, Freestyle und in der Welle an den Start geht. Welches ist deine Lieblingsdisziplin? Seit zwei Jahren ist Slalom meine Lieblingsdisziplin. Davor bin ich Slalom und Freestyle ähnlich oft gefahren und hatte vor allem an der Abwechslung Spaß. Dann habe ich einfach gemerkt, dass ich im Slalom die besten Chancen habe. Außerdem fahre ich Slalom gerne in allen möglichen Bedingungen, hingegen bei Freestyle und Wave picke ich mir mittlerweile nur noch Tage mit guten Bedingungen raus.

Wie hast du es geschafft, so schnell in die Spitzengruppe vorzudringen? "Schnell" ist natürlich relativ. Wenn man bedenkt, dass ich Ende Saison 2012 das erste Mal im DWC mitgefahren bin, dann würde ich sagen, dass ich in meinen fünf Saisons ebenfalls einiges an Erfahrung gesammelt habe. Über die letzten Jahre habe ich mich pro Saison stetig ein paar Plätze nach oben gekämpft.

Was war dein Einstieg in den Wettkampfsport? Meine erste Regatta müsste etwa 2009 der Föhr-Cup in Nieblum auf Föhr gewesen sein. Auch die nächsten Jahre war der Föhr-Cup an meinem Urlaubs-"Homespot" immer ein fester Teil meiner Jahresplanung. Damals konnte ich gerade erst gleiten und lernte noch die Halse, so dass es für mich an der "Halsentonne" meistens schneller war eine Wende zu fahren oder abzusteigen.

In anderen Sportarten gibt es auch für Jugendliche eine klare Struktur, wenn man Wettkämpfe bestreitet. Das gibt es im Windsurfen so ja nicht. Wie war dein Weg? Nachdem ich mich auf dem Wasser sicherer fühlte und ab 2011 meine ersten Pokale in der Jugendwertung des Föhr-Cups holte, hat mein Vater beschlossen, nach weiteren Wettkämpfen zu schauen. Irgendwann stießen wir auf den Deutschen Windsurf-Cup, genauer gesagt auf die Disziplin Slalom. Für mich war es wichtig, dass die Rennen im Gleiten stattfinden und ich kein extra Material brauche, um mitzufahren. So kam es, dass ich spontan 2012 die letzten zwei DWC-Tourstops mit Wave- und Freeridematerial mitgefahren bin.

Nach dem Abi hat Michele gearbeitet, um sich im Winter mehrere Monate das TWS Trainingscamp auf Teneriffa leisten zu können und sich mit den Profis auf die Saison 2018 vorzubereiten. 

Apropos Eltern. Du kommst aus Bargteheide, das heißt, du hast immer jemanden gebraucht, der dich zum Surfen bringt. Wie haben dich deine Eltern unterstützt – logistisch und finanziell? Die Distanz zum Wasser war in der Tat immer mein größtes Problem. Meine Eltern sind beide berufstätig und haben daher unter der Woche keine Zeit gehabt, um mich nach der Schule zum Surfen zu fahren. Am Wochenende bin ich aber meistens mit meinem Papa zumindest einen Tag surfen gewesen. Außerdem haben mich meine Eltern finanziell sehr stark unterstützt. Ich hatte immer relativ gutes Material und habe beispielsweise in den Schulferien jeweils an ein bis zwei Surfcamps teilgenommen.

Seit einigen Jahren seid ihr eine relativ große Gruppe von Nachwuchsfahrern, die den DWC aufmischen. Wie versteht ihr euch untereinander? Freunde oder eher Konkurrenten? Während den Events, aber auch außerhalb, habe ich am meisten mit Kai und Lars Paustian, sowie Julien Pockrandt zu tun. Obwohl wir auf dem Wasser um die Pokale der Youth-Wertung kämpfen, sind wir an Land ziemlich gut befreundet. So kommt es, dass wir unsere Urlaube und Trainings häufig zusammen verbringen. Wir alle haben ähnliche Ziele, aber vergessen trotz Ehrgeiz die sportliche Fairness und Freundschaft nicht.

Nach dem Abitur im letzten Jahr hast du dir ein Jahr Windsurfen pur verordnet. Was ist dein Ziel in diesem Jahr und welche Optionen gibt es für dich? Ich möchte in dem freien Jahr mein Potenzial so gut wie möglich ausschöpfen. Außerdem will ich heraus-finden, wie sich ein Leben als Windsurf-Profi anfühlen könnte. Durch den engen Kontakt zu Vincent Langer habe ich schon öfter mitgekriegt, dass es mehr ist als nur jeden Tag ein bisschen aufs Wasser zu gehen. Aktuell bin ich beispielsweise beim TWS Pro Slalom-Training auf Teneriffa und trainiere mit einigen der besten PWA-Fahrern. Wenn ich im Frühjahr in Deutschland bin, werde ich mich aufs Foiling konzentrieren, um optimal für den DWC vorbereitet zu sein.

Was muss passieren, dass du das Jahr verlängerst und auch auf der PWA-Tour mitfährst? Das mit der PWA ist immer ein schwieriges Thema. Wir haben in Deutschland ein gutes Wettkampfformat, weshalb es den meisten Sponsoren wichtig ist, dass wir die nationalen Events mitfahren. Wenn ich im Worldcup konstant in die Top-32 fahren kann und einen Sponsor finde, der mich die Saison lang unterstützt, würde ich es mir überlegen. Grundlegend will ich mich aber erst in Deutschland an die Spitze kämpfen und danach vielleicht international durchstarten. Ähnlich wie es zurzeit auch Nico Prien macht.

Da folgt zwangsläufig die Frage: Wie finanziert man das? Wirst du komplett gesponsert? Mittlerweile habe ich natürlich gute Sponsordeals, welche mich finanziell entlasten. Vor allem in den letzten Saisons hat mein Vater sehr viel Geld investiert, um mir erstklassiges Material zu Verfügung zu stellen. Seitdem ich 2017 viel gearbeitet habe und bessere Deals bekomme kümmere ich mich komplett selber um die Finanzierung. Mein Vater fährt nun übrigens meine Vorjahresmodelle, wodurch er natürlich auch selber gutes Material hat.

Was sind für 2018 deine Ziele? Mein Fokus liegt dieses Jahr weiterhin auf dem Deutschen Windsurf-Cup. Vor allem im Slalom möchte ich meinen fünften Platz halten oder sogar verbessern. Im Foiling habe ich mir noch keine klaren Ziele gesetzt, da es für uns alle eine komplett neue Disziplin ist. International werde ich bei einigen IFCA-Events teilnehmen. Bei der Slalom Youth WM ist mein Ziel in die Top-Ten der Welt zu fahren. Außerdem versuche ich den PWA-Worldcup auf Sylt als Saisonabschluss unter den Top-32 zu beenden.

INFO Michele Becker

Michele Becker

Geboren: 20. Juni 1998 Wohnort: Bargteheide Beruf: Angehender Student der Elektrotechnik Größe/Gewicht: 181 cm/80 Kilo Surft seit: 2007 Regattadebüt: 2009 Erfolge: Deutscher Meister Youth 2015 & 2017 DWC Slalom Overall 2017 Platz 5; PWA Slalom Sylt Platz 39 Lieblingsspots: Heidkate/ Kiel, El Medano/Teneriffa Next Step: Slalom-Profi Hobbies: Fitness Sponsoren: North Sails, Fanatic, Vinc Wetsuits, Surf Insurance, nws-foehr.de Musik: Deutsch-Rap, verschiedene Elektro-Richtungen Idol: Vincent Langer

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-4/2018 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

 

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