Wer ist Whatt Miller?

  • Andy Gurtner
 • Publiziert vor 12 Jahren

Sein Vater benutzte ihn beim Surfen als Köder für Weiße Haie. Er überlebte und lernte Windsurfen. Heute ist er ein Held an der Gorge und der beste Freestyler der USA. Keiner weiß es. Er erklärt warum.

Du bist zurzeit wohl der beste Freestyler, den die USA zu bieten hat. Wie kann man dich mit anderen Top-Ridern vergleichen?

Whatt Miller: Seit ich auf Margarita mit Gollito gesurft bin, denke ich, dass er unschlagbar ist. Ähnlich sehe ich die Typen aus Bonaire wie Kiri, Tonky „Mr. Smooth” Frans. Aber wenn ich einen guten Tag hätte, würde ich in den Top Ten mitmischen. Aber der einzige, der mir wirklich imponiert, ist Gollito. Gibt es einen triftigen Grund, warum du in der PWA-Tour in Europa nicht Gas gibst?

Das fragen mich alle Europäer. Tatsache ist, dass die PWA-Freestyle-Tour ein europäischer Sommer-Event ist. Ich müsste dafür die gesamte Saison hier in den USA streichen. Meine Sponsoren glauben, und das zu Recht, dass wir hier in den USA unser Geld mehr Wert sind. Wettkämpfe in der Gorge gewinnen, für die Konsumenten da sein, bei Veranstaltungen dabei sein. Wenn mich ein Einheimischer fragt, warum wir nicht im Worldcup mitmischen, dann frage ich ihn: Wer war der letzte Windsurfer, der die PWA Freestyle- oder Wellen-Tour gewonnen hat. Neun von zehn Surfern haben keine Ahnung. US-Windsurfer interessieren sich einfach nicht für die PWA-Tour. Das ist schade. Wir müssten hier einen Worldcup veranstalten, dann würde sich das ändern. Der Worldcup ist nicht nur eine europäische Sommer-Tour. Die PWA organisiert in der ganzen Welt Wettkämpfe. Es gibt genügend Amerikaner, die dort mitmischen. Zeugt es nicht von Arroganz, wenn neun von zehn US-Windsurfern die besten Worldcupper nicht kennen. Und begründet das Fernbleiben von der Tour einfach deine Chancenlosigkeit? Ganz ehrlich: Web Pedrick ist von der Gorge und hat fröhlich mitgemischt, so auch damals Ian Boyd oder vergessen wir nicht die Pritchard-Brüder. Alles Ex-Gorgeaner.

Ich glaube nicht, dass meine Antwort arrogant war. Ich beobachte nur die Reaktionen der durchschnittlichen Windsurfer hier. Das finde ich auch nicht unbedingt gut. Was in Europa geschieht, reizt sie nicht. Wenn es mehr US-Amerikaner gäbe, die mitmischen würden, wäre das anders. Josh Stone hat lange im Freestyle dominiert. Ja, das ist wahr. Damals gab es bei uns acht Windsurf-Magazine, heute nur noch eines. Windsurfen ist in den USA nicht sehr populär. Ob ich gut genug wäre, bei der Tour mitzumischen, ist kein Thema für mich. Die Frage ist: Rechnet es sich für die US-Sponsoren, mich auf die Tour zu schicken, wenn ich nur Zehnter werde? Tatsache ist, es rechnet sich nicht. Der US-Markt isoliert sich also vom Rest der Welt? Das Wort isolieren finde ich etwas hart. Sie erkennen nur, dass lokale Spots die Käufer mehr interessiert. Wir Amerikaner ticken da anders. Oder der Rest der Welt tickt anders. Findest du dich verkannt?

Nicht wirklich. Letzte Woche hing ich mit Dani Aeberli von F2 zusammen. Er behauptete, dass viele Europäer wissen, wer wir sind, was hier in der Gorge so abgeht, Videos von uns auf Continent Seven anschauen. Aber selbst er kann nicht verstehen, dass ein so großes Land mit so vielen heißen Spots so einen kleinen Marktanteil in der Welt hat. Woran liegt das? Surfen, Skateboarden, Snowboarden wird von den Amerikanern dominiert.

Auch für Amerikaner ist Windsurfen teuer und schwer zugänglich. Es kommt kein Nachwuchs nach. Wer inspirierte dich dann? Als Kind wuchs ich mit meinem Skateboard auf. Ich übte bis zur Vergasung alle Tricks. Beim Windsurfen setzte ich diese Technik um. Street Skating und Freestyle haben viel Ähnlichkeit, deshalb liebe ich es mehr als in der Welle zu surfen. Jeder Crash inspiriert mich, weiter zu üben. Wie bist du vom Skaten zum Surfen gekommen? Ich bin in Berkley, das liegt an der Bucht von San Fransisco, aufgewachsen. Mein Vater war Windsurfer und hat mich immer kreuz und quer durch die Bucht gezogen, während ich mich an den Schlaufen festhielt. Er nannte das immer: „Jetzt gehen wir für den Weißen Hai Schleppangeln.” Ich hab’ überlebt und nahm bei einem Kinder-Windsurf-Camp teil. Mit 13 konnte ich gleiten. Ich hatte Glück an einem der besten Windsurfspots der USA, wo es von April bis Oktober hackt, aufgewachsen zu sein. Bist du ein Wettkampftyp? Würde ich schon behaupten. Aber ich trete immer gegen die besten US-Freestyler an: Rob Warwik, Tyson und Whit Poor, meine besten Freunde und Mitbewohner. Da kommt es immer auf die Tagesform an. Was sind denn so deine Lieblingsmoves? Ich lieb‘ sie alle: Shakas, Flakas, Toads, Burners, Double Spocks, Double Funnels, Double Gozzadas, Konas......... Wovon träumt ein amerikanischer Freestyler? Ich möchte noch eine Weile einer der besten Freestyler in den USA bleiben, reisen, hoffentlich bald auch nach Europa und Freestyle-Camps anbieten. In La Ventana an der Baja California in Mexiko, wo ich im Winter immer trainiere, möchte ich dann eine Windsurfschule aufbauen. STECKBRIEFGeburtsdatum:25.5.1982 Lebt in: Hood River, Gorge, USA. Sponsoren:Fanatic, Windwing Sails, DaKine, Gulftech. Lieblingsmusik: Bay Area Rap: Mac Dre, E-40, Too Short, The Luniz. Größter Erfolg: 1. Platz bei den Gorge Games 2007. Obama:Eine Wucht! Die Wahlnacht war die größte Party seit Jahrzehnten in Berkley, Kalifornien. Meine ersten zwei Chancen zu wählen, gingen durch Bush verloren. Das dritte Mal wurde mit Charme belohnt.  

Selten bevorzugt ein Profi-Freestyler das Flachwasser vor der Welle. Selten begnügt sich ein Profi-Freestyler damit, nur an seinem Homespot zu surfen, während die anderen zu Weltruhm gelangen. Bei Whatt aus den USA tickt die Uhr einfach anders!

Themen: Whatt Miller


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