Redaktion

Afrika: Windsurf-Reisereport Madagaskar

  • Bastien Ramery
09.06.2020

„Dies wäre ein Mekka des Windsurfens – wie Maui oder Tarifa“, darüber ist sich unsere kleine französische Reisegruppe einig. „Wenn es nur etwas einfacher zu erreichen wäre!“ Aber vielleicht ist das ein Segen für Babaomby im Norden von Madagaskar. Wer den langen Weg auf sich nimmt, den erwarten eine perfekte Windsurf-Infrastruktur, freundliche Menschen und Bedingungen, die jeden Freerider, Freestyler und sogar Wavecracks mit der Zunge schnalzen lassen.

Zwei Windsurfbags statt einem als Freigepäck, bevorzugtes Boarding, das uns 30 Minuten Warterei erspart, ein kostenloser Parkplatz – seit unserer Ankunft am Pariser Flughafen Charles de Gaulle haben wir das Gefühl, dass die Sterne uns bei unserem gesamten Trip nach Madagaskar wohlgesonnen sein würden.

Nach zehn Stunden Flug nach Antananarivo und einem weiteren zweistündigen Inlandsflug, auf dem wir Tausende rotglühende Berge von oben bestaunden durften, nimmt uns am Flughafen von Diego Suarez Nicolas Martin in Empfang. Er ist der Boss der Babaomby Island Lodge und hat den Trip organisiert. Zusammen mit Baptiste Gossein veranstaltete er vor 14 Jahren in Babaomby die legendäre „Windsurf Challenge“. Er war schockverliebt in den Ort und verrückt genug, die Herausforderung anzunehmen, im Mer d’ Emeraude ein Windsurf Center aufzubauen.

Nun steht uns noch der mit Abstand aufregendste und faszinierendste Teil unserer Anreise nach Babaomby bevor. Der kleine Hafen von Diego Suarez liegt direkt neben einem Open-Air-Schlachthaus für Zebu-Rinder. Zebus sind für Madagaskar nationale Symbole wie die Baobab-Bäume oder Lemuren. Aber eines ist sicher: Als Zebu möchtest du lieber in Indien leben.

Die Überfahrt bei über 30 Knoten Wind in einem traditionellen, acht Meter langen Segelboot ist nass und rutschig und wir merken, dass wir uns Meter um Meter im Mer d’ Emeraude von der modernen Welt verabschieden. Als erstes gibt Jules’ Smartphone im Salzwassernebel den Geist auf. Am Schluss enden wir alle wie Jules in einer nahezu Wi-Fi-freien Welt. Ein bis zwei WhatsApp-Nachrichten am Tag – das war’s. Ein Leben ohne Social Media ist einfach lebendiger, stellen wir unisono nach der Woche in Babaomby fest.

Wir verlassen die Hafenbucht und segeln in die schier endlose Lagune. Unsere europäischen Augen sind von unseren heimischen Spots meist bräunliches, trübes Wasser gewöhnt, so dass wir vom leuchtenden Türkis der Lagune vollends geblendet sind. Schließlich kommen wir an dem Platz an, den wir nach wenigen Tagen nur noch „Paradies“ nennen. Ein Spot, der ohne Zweifel das Zeug zum Windsurf-Mekka wie Maui oder Tarifa hätte – wäre er nur etwas einfacher zu erreichen.


Den kompletten Reisereport zu Madagaskar findet ihr als PDF unten im Download-Bereich.


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-2/2020 können Sie in der SURF App ( iTunes  und  Google Play ) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier .

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