Redaktion

Südafrika: Alternativspots Kapstadt

  • Adam Sims
27.02.2014

Statt auf Wind zu warten oder sich an Kapstadts Cityspots mit 100 anderen um ein paar Böen zu prügeln, zogen Adam Sims und Balz Müller los ins Inland. Sie fanden kitschig schöne Kulissen, apokalyptische Szenerien und jede Menge Abenteuer. Südafrika, mal anders.

In einer Welt, in der alles geplant und katalogisiert ist, in der Autos, Flugzeuge und Satelliten um uns herumschwirren wie Insekten um ihren Bau, ist es nahezu unmöglich, noch neue Dinge zu entdecken, unverbrauchte und authentische Flecken zu finden und an Spots zu windsurfen, an denen noch nie jemand zuvor gesurft ist. Trotzdem gibt es sichere Wege, die Jungfräulichkeit deiner Windsurfziele zu gewährleisten: 1. Ein höheres Risiko einzugehen, sich auch mal vergeblich auf die Suche zu machen und 2. Mit Gefahr toleranter umzugehen. Gefahr. Es ist nicht das, wonach wir suchen, nicht die Nummer eins auf unserer Hitliste. Trotzdem wurde sie bei unserem letzten Besuch in Kapstadt ein stiller Begleiter, mehr, als wir dies vorher antizipiert hätten. Kapstadt – ich war schon zwei Mal dort gewesen, insgesamt zehn Wochen und natürlich hatten wir auch in dieser Zeit die Flautenphasen mit einer Menge Fahrerei überbrückt. Deshalb erwartete ich von meinem dritten Besuch eher neue Moves als neue Spots. Wie sehr ich mich irrte.

Balz Müller: Für mich war es das erste Mal in Kapstadt, ich war aufgeregt Neues zu entdecken, zu windsurfen und mein Level auf Flachwasser und in der Welle zu verbessern. Den Winter davor hatte ich in Westaustralien bei Karin Jaggi und Patrik Diethelm verbracht, ich wusste also wie es ist, acht Stunden zum "Local Spot" um die Ecke zu fahren. Die Distanzen dort sind von einem ganz anderen Stern. Südafrika war für mich also pure Entspannung, Surfen konnte man hier wirklichvor der Haustür. Dass wir dennoch auf Tourgingen, lag einfach am unzuverlässigen Wind. Adam erzählte mir an einem Flautentag erstmals vom Brandvlei, einem See, der zwei Stunden entfernt, im Umland gelegen ist, an dem es mit 40 Knoten ballerte und wo die Sonne schien, auch wenn das Kap in Regen und Flaute festhing. Dass man dann angeblich auch noch in Shorts würde windsurfen können und es Rampen, groß genug für Backloops geben sollte, brachte meine Tagträume endgültig in Gang.

Ich freute mich darauf, Balz den im Inland gelegenen See zu zeigen. Ich wusste aus Videos, dass er es mögen würde, schließlich ähneln die Bedingungen dort denen seiner Heimat, dem Urnersee in der Schweiz: Viel Wind und ein ansehnlicher Chop, über den man verrückte Sachen machen konnte. 

Als wir losfuhren, beschlichen mich allerdings größere Zweifel, ob das wirklich sinnvoll sein konnte: Bei null Wind und Dauerregen packten wir unsere 4,0er- und 4,4er-Segel ein und fuhren los gen Osten, vorbei am Tafelberg und dem an seinen Flanken gelegenen Nobelviertel Rondebosch, hinüber in die Ebene um Mitchel’s Plain und seinem berüchtigten Township Khayelitsha. Dort, so sagt man, leben im drittgrößten Elendsviertel Südafrikas 400000 Menschen. Die genaue Zahl kennt niemand, seit das Township 1950 infolge des Group Areas Act – der Schwarzen verbot in den Städten zu leben – gegründet wurde, wuchs dieses weitgehend unkontrolliert und unorganisiert. 

Es regnete weiterhin in Strömen, als wir die Autobahn entlangfuhren. Wir starrten in den dicken Seenebel, der von der Seite des Indischen Ozeans herüberwaberte und die Umgebung noch mysteriöser und skurriler erscheinen ließ. Immer wieder liefen Menschen aus den Slums über die Straße und man musste höllisch aufpassen. Dies war kein Zeitpunkt und kein Ort für eine Autopanne und wir waren froh, als wir Kapstadt hinter uns ließen und in die schroffen Hottentots-Holland-Berge weiterfuhren. Als wir am Ende aus einem Tunnel kamen,m blendete uns das grelle Licht der Sonne und ich verriss fast das Steuer wegen des plötzlich herrschenden Seitenwindes.

Diese Spots beschreiben wir unten im PDF-Download:

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    Alternativspots Kapstadt/Südafrika

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