Redaktion

Windsurfen in Japan: Miyako Island

  • Andrea Cucchi
02.12.2019

Japan ist ein Land mit einer unglaublichen Historie – nicht nur im Kulturellen, sondern auch im Windsurfen. Hierzulande ist darüber sehr wenig bekannt. Nur die legendären Worldcups in Omaezaki mit wilden Bedingungen wie auf Sylt sind vielen Windsurfern in Erinnerung. Aber Japan kann auch ganz anders – eine Mischung aus Maui und Tahiti.

Miyako Island ist anders. Anders, als man sich Japan im Allgemeinen so vorstellt. Die Insel liegt in der südlichsten Provinz Okinawa ganz in der Nähe von Taïwan. Sie ähnelt eher Maui, hat aber die exotische Kultur und Sprache von Nippon. Der geheime Garten der japanischen Windsurfszene wird im Februar 2019 das erste Defi Wind Japan in seinen klaren blauen Gewässern beherbergen. Natürlich ist das Defi-Wind-Team in den letzten Jahren zu diesem abgelegenen Ort gereist, um herauszufinden, ob der Spot wirklich des berühmtesten Langstreckenrennes würdig ist. Der ehemalige Gewinner des Events in Frankreich und Boss von Point-7, Andrea Cucchi, war bereits mehrmals dort . Er hat sich spontan in Miyako verliebt.

Andreas Erfahrungen

Wie viele von euch haben am Defi Wind teilgenommen? Bestimmt schon einige! Wie wäre es aber, einmal an einem Defi Wind in kristallklaren Gewässern zu surfen, bei warmen Temperaturen, an einem Ort, wo das Essen und die Kultur einzigartig sind und du einen neuen Teil der Welt entdecken kannst? Nun, Miyako Island ist die neue Station für ein Defi Wind vom 28. Februar bis 3. März 2019. Wenn du bereit bist, eine völlig neue Welt zu entdecken und ein fantastisches Abenteuer zu erleben, ohne zu viel Geld auszugeben, dann bist du hier ganz richtig.

Japan ist eines der Länder, das viele Menschen wegen seiner Kultur, seiner Mythen und seiner Hightech-Branchen besuchen. Aber zum Windsurfen? Ich bin viel in meinem Leben gereist, aber ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Japans existiert. Dabei gibt es viele Windsurfer dort und in den 90er- Jahren gab es in Omaezaki, nicht weit von Tokio, einen der prestigeträchtigsten Worldcups, an den sich heute noch viele ältere Windsurfer erinnern.

Doch mit Tokio oder den wilden Bedingungen, die von den Worldcups in Omaezaki in Erinnerung geblieben sind, hat Miyako so gar nichts gemein. Wir entdecken für euch vielmehr die südlichen Inseln Japans, etwas mehr als zwei Stunden Flug südlich von Tokio. Die Inseln sind eigentlich gleichgroß oder nur wenig östlich von Taiwan. Es gibt eine ganze Kette von Korallenriff-Inseln im Pazifik, die alle zu Japan gehören. Die wichtigsten und bekanntesten sind Okinawa und Ishigaki. Sie sind die größten, auf denen die meisten Flugzeuge landen können. Von dort geht es dann mit kleineren Fliegern oder Schnellfähren zu den kleineren Inseln.

Wenn du auf einer dieser Inseln landest, bekommst du beinahe einen Schock – zumindest ich habe es erlebt! Ich hatte nicht erwartet, dass die Inseln mit ihren Riffen und Wasserfarben wie die Malediven oder Tahiti aussehen. Die Vegetation dagegen erinnert mehr an Hawaii. Wellen treffen auf die Riffe, kristallklares Wasser rund um die Inseln und weiße Sandstrände, die ohne Sonnenbrille zu hell blenden.

Ich war vor zwei Jahren schon einmal hier. Ich erinnere mich, dass ich im Januar in Tokio bei fünf Grad gelandet bin und dann auf der Insel Ishigaki bei fast 25 Grad angekommen bin. Zu dieser Zeit ging es mit einer einstündigen Schnellbootfahrt zur Insel Kohama. Dort erwartete mich ein außergewöhnliches Ressort auf einem Golfplatz, der sich oberhalb des Windsurfspots befindet. Beim zweiten Mal wollte ich von dieser Ecke der Welt Fotos machen, da ich sicher bin, dass nicht viele von uns gedacht hätten, ein solches Paradies in Südjapan zu finden. Das ging auch dem Defi-Wind-Team von Philippe Bru so, als sie die Insel entdeckten.

Vor zwei Jahren war ich von meinem japanischen Vertriebspartner eingeladen worden, an der Miyako Classic teilzunehmen. Eine Veranstaltung für alle Windsurfer, vom Anfänger bis zum Experten. Ich war überrascht über die Ähnlichkeiten mit Maui in einigen Gegenden der Insel. Da war es fast schon nicht mehr überraschend, dass Miya­ko-jima mit der Insel Maui, die für viele Windsurfer das Mekka des Windsurfens ist, eine Inselpartnerschaft führt. Die beiden Inseln wurden 1965 zu Verwandten, weil sie sich in Bezug auf Klima, Wetter, Industrie und sogar Bevölkerung ähnelten. Während in vielen Teilen Japans während der Veranstaltung noch etwas Schnee liegen kann, steigt das Thermometer in Miyako-jima bereits auf eine Durchschnittstemperatur von 20 Grad.

Bei meinem zweiten Besuch gab es einen Direktflug von Tokio nach Miyako und die ganze Reise war vergleichsweise preiswert. Wenn man früh bucht, kann man Tickets für weniger als 700 Euro ergattern. Es ist übrigens auch eine gute Chance, deine Freundin oder Frau mitzunehmen, denn sie wird es lieben. Es ist warm, der Strand ist wunderschön und das Essen fantastisch. Obendrein ist das Leben dort nicht teurer als das, was wir in Europa gewohnt sind und damit ein durchaus erschwinglicher Urlaub. Belohnt wirst du mit einer Mischung aus einer völlig neuen Welt, der Begegnung mit der japanischen Freundlichkeit und Kultur und dem Windsurfen an wirklich außergewöhnlichen Orten.

Neben dem Windsurfen gibt es auf Miya­ko, das durch große Brücken mit verschiedenen kleinen Inseln verbunden ist, viele Sportmöglichkeiten: Schnorchel- und SUP-Exkursionen, Wellenreiten, Golfen, Radfahren und vieles mehr. Und jeden Abend kannst du in verschiedenen Restaurants essen und die japanische Küche erforschen – Sushi ist nur der Einstieg.

Miyakos Spots

Miyako Island ist ideal für Freeride-, Slalom- oder Foil-Windsurfen in klarem, blauem Flachwasser und bei mittleren Passatwinden, die im Winter an acht von zehn Tagen wehen. Die Windsurfspots befinden sich auf der Westseite der Hauptinsel.

Maehama

Miyako-jimas feinster Strand ist auch als der schönste Strand Ostasiens bekannt. Gleich nebenan befindet sich das Tokyo Hotel & Resort. Dieser Spot zeichnet sich durch klares, blaues Wasser aus und ist ideal, wenn der Wind aus Südosten weht.

Nishihama

Nur drei bis vier Kilometer nördlich von Maehama liegt das versteckte Juwel von Miyako-jima, der Strand von Nishihama. Er fällt sehr langsam ins Wasser ab und der feine Sand schmeichelt den Fußsohlen. Hier fühlen sich auch Anfänger und Aufsteiger sehr sicher. Vorsicht ist mit langen Finnen geboten, denn das Wasser ist teilweise, vor allem bei Ebbe, sehr flach. Auch wenn der Strand bislang noch eher ein Geheimspot ist, wird gerade eine große Parkanlage gebaut – mit Überfüllung ist aber trotzdem nicht so bald zu rechnen. Besonders der Nordostwind bläst bis ans Ufer.

Sanitu

Im südwestlichen Teil der Bucht von Yonaha liegt der Strand von Sanitsuhama. Diese Bucht bietet bei Flut flaches Wasser in einer fast geschlossenen Lagune. Südost- oder Nordostwind funktionieren hier.

INFO

Genau genommen heißt die Insel mit ihrer einzigen Stadt (ca. 52.000 Einwohner) Miyako-jima, wird aber eigentlich nur Miyako genannt. Die Inselgruppe liegt in der südlichsten japanischen Präfektur Okinawa und ist rund zweieinhalb Flugstunden von Tokio entfernt und etwa 350 östlich der Nordspitze von Taiwan. Miyako hat eine Fläche von etwa 160 Quadratkilometern und ist etwa 30 Kilometer lang und zehn Kilometer breit. Der höchste Punkt erreicht eine Höhe von 113 Metern.

Die Insel liegt in etwa auf dem selben Breitengrad wie Hawaii und ähnelt der Inselgruppe auch von der Vegetation und vom subtropischen Klima. Wohl auch deshalb gibt es eine Inselpartnerschaft zwischen Maui und Miyako. Die beste Windzeit ist zwischen Oktober und März. Dann erreicht der vorherrschende Nordostwind (eine Art Passat) an 80 Prozent der Tage eine Stärke über vier Beaufort. Echten Starkwind gibt es aber eher selten. Die durchschnittlichen Lufttemperaturen liegen im Winter bei etwa 20 Grad im Winter und 30 Grad im Sommer. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 19 und 25 Grad.

Die Anreise erfolgt über Tokio oder Osaka. Die Flüge dorthin von Europa dauern etwa zwölf Stunden, der Zeitunterschied beträgt neun Stunden. Flüge gibt es zum Beisoiel von KLM bereits ab 700 Euro. Das Leben vor Ort liegt auf ähnlichem Preisniveau wie bei uns. Mietwagen (internationaler Führerschein erforderlich) gibt es ab 30 Euro am Tag.

Unterkünfte findet man in den unterschiedlichsten Preiskategorien. Ein Standard-Einzelzimmer im Lokus Hotel kostet zirka 75 Euro die Nacht inklusive Frühstück. Im gehobenen Tokyo Hotel kostet ein Superior Einzelzimmer ab 160 Euro und im Luxus Resort Imgya Coral Village muss man dann aber auch schon 390 Euro pro Nacht auf den Tresen blättern.


Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-2/2019 können Sie in der SURF App ( iTunes  und  Google Play ) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier .

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