Redaktion

Griechenland: Naxos - Rail und Surf

  • Tobias Schwarz
03.11.2010

Eigentlich wollten Tobias, Daniel und Robin ganz relaxed im Bus nach Naxos rollen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Und so wurde dieser Trip zur Transport-Odyssee. Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Oder ein Zug, ein Bus, ein Taxi...

Die Sommerferien bieten sich immer wunderbar an, um fünf Wochen einfach nur Surfen zu gehen. Letztes Jahr verbrachte ich diese Zeit als Surflehrer auf Fuerte und lernte Daniel aus Stuttgart kennen. Unser Plan für dieses Jahr: “Wir müssen hier weg. Aber die Flüge zu den Kanarischen und Griechischen Inseln, in die Karibik, nach Ägypten – alles zu teuer. Ich hatte gerade meinen Führerschein in der Tasche und einen Bus wollte ich mir sowieso schon immer kaufen. So beschlossen wir dem Wind mit dem Auto hinterher zu reisen. Ein Roadtrip bietet sicher einen unersetzlichen Erfahrungswert. Wir sollten Recht behalten. Naxos war unser Ziel.

Traum und Wirklichkeit. Statt Freestyle-Tricks auf Naxos – Auto finito in Italien.

Hohe Windwahrscheinlichkeit und über zwei Fährverbindungen gut zu erreichen. Kurz entschlossen holten wir Robin Zadrazil ins Boot. Jetzt fehlte nur noch das passende Gefährt. Ein Hyundai H1 mit stimmigem Preis-Leistungs-Verhältnis erhielt den Zuschlag. Das Auto wurde überholt, bekam neue Reifen. Ein kleines Bett, eine spartanische Verkleidung und eine Soundanlage sollten als Ausbau reichen. Am 19. Juli machten wir uns auf den Weg. Super Stimmung, Freiheit, positive Energie, satte Bässe aus dem Subwoofer. Nach einigen Stunden auf der E45 fing es an vorne im Auto zu rattern. Ein sehr leises Geräusch. Vielleicht eine Radkappe? Doch das Rattern wurde lauter. Als ich die Kupplung trat, war das Geräusch weg. Das war keine Radkappe! Ich fuhr sofort rechts ran, doch genau in diesem Moment gab es einen Ruck, der Motor ging aus und weißer Qualm stieg auf. Es ist interessant, wie sich ein Reiseverlauf schlagartig ändern kann. Gott sei Dank waren wir über meinen Vater “ADAC Gold” versichert, mit Dolmetscherservice und allem Drum und Dran. Das brauchten wir auch. Die Pannenhilfe fuhr uns genau entgegensetzt, zur Werkstatt nach Mantua zurück. Dort meinte Chef Giovanni, es wäre ein massiveres Problem. “Man kann ihn sofort verschrotten.”

Mit minutiös geplanter Zugfahrt schafften wir es tatsächlich noch zur Fähre in Ancona.

Jetzt war die Phase der Ungewissheit beendet und eine neue begann: Die Suche. Die Suche nach einem Mietwagen. Die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit. Die Suche nach einem Taxi. Die Suche nach einem Flug. Die Suche nach einer Unterkunft. Die Suche nach einer Lösung. Außerdem wollten wir diesen Trip verdammt noch mal durchziehen. Die Fähren waren gebucht und ließen sich nicht mehr stornieren, lediglich umbuchen.

Auf dem Oberdeck war erst mal eine Pause angesagt und dann warme Kleidung für die Nacht.

Glücklicherweise hatten wir für drei Euro am Tag einen Internet-Zugang. Irgendwie mussten wir zur Fähre in Ancona kommen. Aber wie? Norditalien schien wie ein Land ohne Mietwagen. Nur sündteuere, winzige Fiat Pandas gab es, Dachgepäckträger unbekannt. Lediglich ein Taxifahrer hätte uns mit seinem Ducato für 500 Euro nach Ancona gefahren. 500 Euro! Wir telefonierten noch zwei weitere Tage mit ADAC und allen möglichen Leuten. Mit dem ADAC handelte ich aus, dass wir den Flug von Naxos nach Hamburg bezahlt bekommen. Bingo. Nachdem ich am nächsten Morgen in der Werkstatt einige Dokumente unterzeichnet hatte und wir mit dem Ausräumen des Busses sowie dem Schnüren von Equipment-Paketen fertig waren, kam das Taxi zum Bahnhof – ein kleiner PKW, der uns in drei Fuhren dorthin karrte. Da standen wir nun auf Gleis 2 mit jeweils 70 Kilo Gepäck in Form von Reisetaschen, Surfgepäck sowie Kühltaschen, gefüllt mit Tomatensauce und Pasta. Die super freundlichen Bahnangestellten halfen uns die Surftaschen im Behinderten-Abteil zu verstauen. Auch der Preis fürs Bahnfahren stimmt hier in Italien. Wir zahlten pro Person nur 20 Euro. Wir hatten gehofft, direkt am Hafen anzukommen, doch leider war der Port etwa zwei Kilometer entfernt. Mit nur noch knapp 45 Minuten bis zum Auslaufen der Fähre sprangen wir in zwei Taxis und standen rechtzeitig vor dem Schalter der Minoan Lines, wo wir unsere Online-Tickets gegen Bordkarten tauschten.

Die rote Highspeedferry brachte uns endlich nach Naxos.

Nach einer kalten Nacht auf dem Deck und einem ausgiebigen Frühstück war dann endlich Land in Sicht. Das Panorama von Patras zeigte sich von seiner schönsten Seite. Wir bereiteten uns auf eine Riesenschlepperei zum nahe gelegenen Bahnhof vor, denn unsere Reise sollte von hier mit Bus und Bahn weiter nach Piräus (Athen) gehen. Doch wir hatten Glück. Ein Shuttlebus fuhr uns. Das Kombi-Ticket für Bus und Bahn kostete fünf Euro pro Person. Ob die wohl unser Riesengepäck mitnehmen würden? Nicht gerne. Der Busfahrer war nämlich nicht bereit, unsere Boardbags in seinem geräumigen Laderaum unterzubringen. Da kam uns ein Deutsch sprechender Grieche zu Hilfe, redete auf den Busfahrer ein und gab uns mit rauem Akzent zu verstehen: “Ihr müsst einfach nur reinwerfen!”.

Schade, dass wir nur an vier Tagen so richtig am Rohr ziehen konnten.

Der Bus hielt direkt vor dem Bahnhof und wir bestiegen nach circa einer halben Stunde den Zug. Das Verstauen des Surfstuffs stellte für uns jetzt kein nennenswertes Problem mehr da. Wir hatten gelernt: Einfach dreist sein und Platz schaffen. Nach etwa zwei Stunden Zugfahrt, kurz vor der Endstation am Hafen, rollten wir durch die slumartige Vorstadt von Piräus. Diese dunkle und dreckige Kulisse verhieß nichts Gutes für die bevorstehende Nacht, die wir hier verbringen mussten, weil unser Schiff nach Naxos erst am späten Nachmittag des darauf folgenden Tages fuhr.

Trotz Flaute fühlten wir uns in Naxos Camping sehr wohl. Der Platz ist prima geführt.

Am Nachmittag war es dann endlich soweit. Die rote Highspeed-Ferry tauchte am Horizont auf. Wir hatten die sechs Euro teurere Business-Class gebucht, da die Economy ausverkauft war. So genossen wir die dreistündige Fahrt in Flugzeugsesseln – mit Blick auf das Mittelmeer. Von unterwegs telefonierte ich mit Anna, die “Naxos Camping” betreibt. Sie versprach uns, ihr Bus würde am Hafen stehen und uns zum Campingplatz fahren. In der Tat wartete dann ein blau-grüner Mercedes Sprinter am Hafen. Ein Mann mit britischem Akzent fuhr den Shuttle und brachte uns dorthin.

Pool ist cool, aber Windsurfen ist cooler.

Ab diesem Tag verbrachten wir vier Wochen auf dem Campingplatz. Anna und ihr Ehemann schufen dort eine fast familiäre Atmosphäre und waren super hilfsbereit. Acht Euro kostete das pro Person und Tag. Hinzu kamen noch mal drei Euro für das Zelt. Luftmatratzen kauften wir für vier Euro. In den letzten fünf Tagen gönnten wir uns für jeweils fünf Euro mehr Schlafplätze in den neu gebauten Appartements – sehr empfehlenswert.

Der Strand befindet sich unmittelbar vor dem Campingplatz, wobei das tägliche Schleppen des Materials zu einer echten Tortur wurde. Leider ließ uns der Wind etwas im Stich. Von vier Wochen hatten wir gerade mal an vier Tagen guten Gleitwind. Der Spot an sich bietet aber echte Sahnebedingungen. An guten Tagen war er natürlich etwas überfüllt, aber man fand trotzdem immer Ecken, in denen es sich aushalten ließ.

Fazit: Naxos ist eine schöne Insel. Doch bei Flaute ist ihr Potential schnell aufgebraucht. Und übrigens – man kommt auch bequemer hin als wir.

Die gesamte Reiseodyssee nach Naxos lest ihr als PDF-Download.

 

 

   

 

 

 

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