Redaktion

England: Reisereportage Cornwall mit Steffi Wahl

  • Steffi Wahl
13.07.2018

Einsamer Wolf oder Rudeltier – auch unter Surfern findet man beide Spezies. Steffi Wahl gehört eher zur ersten Kategorie und stand einer Gruppenreise nach England eher skeptisch gegenüber. Doch ihre Mitreisenden überzeugten sie von den Vorzügen einer gemeinsamen Tour.

England: Cornwall

Was als entspannter Wellenreiturlaub vorhergesagt war, ging mit beinahe 100-prozentiger Windausbeute und als Reise mit mehreren Bussen in die Geschichte ein. Weil es im Jahr zuvor so schön war, planten wir auch dieses Jahr wieder einen Ausflug nach England. Uns faszinierten die Bedingungen, die Menschen, das Essen und die Tatsache, dass trotz Hochsaison alle super entspannt waren. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Gruppenreisen mit vielen Leuten und wir touren gerne ganz individuell in unserem eigenen Rhythmus zu Zweit. Warum eigentlich? Ich glaube, ich habe einfach Angst, dass man zu viel Zeit mit Koordination statt Surfen verplempert und man keinen Konsens in der Spotwahl findet. Vielleicht stelle ich mir auch vor, dass die Stimmung bei so vielen verschiedenen Menschen in der Gruppe nicht passt und dass es dann nur nervig wird. Vielleicht bin ich auch einfach schon zu eingefahren und muss mich mal wieder auf etwas Neues einlassen.

Gemeinsam weniger einsam

Unser Freund Micha hatte schon länger überlegt mitzukommen, um sich neben den tollen Wellen die Rosamunde-Pilcher-Landschaften mit dem neuen Womo anzuschauen. Er war sich aber bis kurz vor Abreise nicht so sicher, ob es überhaupt Richtung England losgehen würde und hoffte, dass er seine neuen Cornwall-Reiseführer auch gebrauchen konnte. Wir werfen eine Planung auch gerne mal aufgrund der Wettervorhersage über den Haufen und wollen uns ungern festlegen. Deswegen wird auch die Fähre erst spontan gebucht, was nach England bei den vielen Abfahrtszeiten von Calais oder Dünkirchen nach Dover kein Problem ist. Zu Zweit alles easy, aber einem Dritten muss man sich schon erklären. Aber Micha ist glücklicherweise flexibel und würde die Cornwall-Reiseführer zur Not auch gegen Bretagne-Bücher tauschen.

Irgendwie ergab es sich an der lokalen Surfstation bei einem Mittagskaffee nach einigem Rechnen und Geld zählen, dass Frithjof eine Mitfahrgelegenheit im Luxuswomo von Micha angeboten bekam. So waren es statt zwei Personen bereits vier.....

Einsamer Wolf oder Rudeltier – auch unter Surfern findet man beide Spezies. Steffi Wahl gehört eher zur ersten Kategorie und stand einer Gruppenreise nach England eher skeptisch gegenüber. Doch ihre Mitreisenden überzeugten sie von den Vorzügen einer gemeinsamen Tour. 

  • Sunset in Cornwall

  • England: Cornwall

  • Nordwest und großer Swell funktioniert super in Praa Sands vor toller Kulisse.

  • Für alle Windrichtungen gibt es in Cornwall Spots. 

  • Magische Momente in Sennen Cove bei Lands End. Traumhafte Wellenreitbucht mit gemütlichem Pub.

  • Praa Sands avancierte während des Trips zu unserem Lieblingsspot. Wind von rechts schien uns irgendwann nicht mehr zu stören. 

  • In einem Interview mit Adam Lewis lasen wir von seinem Lieblingsspot Harlyn. Lina fand den Spot auch nicht schlecht. 

  • Ausflüge in die Künstlerstadt St. Ives, nach Porthcurno zum Minack Theatre und traditionsgemäß Scones im Apple Tree Café essen runden die Wassersportbedingungen ab.

  • The Castle Inn - gemütliche Pubs gibt es in Cornwall viele...

  • Strände ohne Rush Hour

  • Apple Tree Café

  • Wellenglück pur...

  • England kann auch sonnig.... allen "bad wheather" Prophezeihungen zum Trotz.

  • Steffi verschenkt Streicheleinheiten

  • In Cornwall lebt der Surf-Lifestyle, nicht nur weil sich top Windsurf- und Wellenreit-Spots aneinanderreihen.

Frithjof kenne ich als sehr entspannten Menschen, der aufgrund seiner Arbeit im sozialpädagogischen Bereich mit Problemfällen und Gruppenarbeit bestens vertraut ist und dachte, das kann auf so einer Reise nicht schaden. Zudem würden wir dann schneller voran kommen, denn Micha hatte nun einen Mitfahrer, was ihn aber trotzdem nicht davon abhielt, sein Wohnmobil alleine hin und zurück zu lenken. Anscheinend hielt sich das Vertrauen in Frithjofs Fahrkünste im Rahmen.

Da es bereits Ende August war, war Lina auch wieder auf dem Rückweg von den Kanaren mit ihrem VW-Bus und eigentlich auf dem Weg nach Kiel in ihre neue Wahlheimat. Als ich ihr von unserem Trip erzählte und der Blick auf die Wetterkarte für Kiel und Umgebung nur Flaute ansagte, dauerte es nicht lange und die ersten Fragen trudelten auf meinem Handy ein: "Was kostet die Fähre?", "Wann fahrt ihr los?", "Was für einen Anzug brauche ich dort?"

Mir war direkt klar, dass Lina sich wieder in ihr Auto setzen und statt Norden gen Westen zur Fähre fahren würde. Das entschied sie spontan zwei Tage vor dem angedachten Abreisetermin und wurde ihrem neuen Ruf als "Trucker-Lina" mehr als gerecht. Immerhin zieht Lina den Altersdurchschnitt um vier Jahre nach unten. Glücklicherweise hatte ich aber beim Reisegruppenküken am wenigsten Bedenken, denn wir haben schon ein paar Trips zusammen erlebt.

Irgendwie konnte sie es anscheinend überhaupt nicht abwarten und hatte im Vorfeld vorgeschlagen, die Fähre um vier Uhr nachts zu nehmen. Dank Gruppendynamik kamen wir total übernächtigt nach einem Arbeitstag bis 14 Uhr um zwei Uhr in der Früh am Hafen an und trafen uns bei Pommes und Reiscurry auf dem Schiffsdeck.

Micha sah irgendwie etwas gerädert aus, obwohl die beiden im Womo schon viel früher aus Kiel losgefahren sind. Ich denke, Micha ahnte zu diesem Zeitpunkt so langsam, was eine Fährfahrt um vier Uhr so alles bedeuten würde. Wir machten aus, dass wir die 650 km ans Ziel im Konvoi fahren würden. Micha war der Linksverkehr suspekt und Trucker-Lina war es egal. Sie fuhr einfach hinterher. Ich behielt den Rückspiegel im Blick. Nach bereits 200 Metern war der Konvoi gesprengt und das Womo nahm die erste falsche Ausfahrt und es war keiner mehr zu sehen. Na super, genauso hatte ich mir das vorgestellt und dachte, dass wir wahrscheinlich gar nicht mehr im Hellen an-, geschweige denn ins Wasser kommen würden. Nach ein paar extra Runden des Womos und einigen Power-Naps konnten wir aber doch tatsächlich um 15 Uhr in Gwithian zusammen ins Wasser springen. Alle waren glücklich und schwelgten abends bereits nach einem halben Tag in Cornwall in Erinnerung an die schönen Wellen und die atemberaubende Landschaft.

Apple Tree Café

Harmonie Pur

Anscheinend ist es wirklich so, dass Freude und Glück Güter sind, die sich verdoppeln wenn man sie teilt. Es sollte die nächsten zehn Tage genauso weitergehen. Wir hatten jeden Tag Surfbedingungen und waren jeden Tag an einem anderen Ort. Meine anfänglichen Bedenken lösten sich schon am ersten Tag in Luft auf. Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen, alle waren über die Wellen und den Wind glücklich und für jeden war etwas dabei.

Auch wenn Micha meist früher aufstehen musste, als es ihm im Urlaub vielleicht lieb ist, um das Womo an den Surfspot zu fahren und sich die Kamera für unsere Bilder zu schnappen. Vielleicht kam auch Rosamunde Pilcher im Detail etwas zu kurz, aber ich bin ja auch der Meinung, dass man die schönsten Orte auf der Welt sowieso nicht im Reiseführer findet, sondern bei der Spotsuche. Reisen, Surfen und fremde Menschen kennenlernen ist nach wie vor das Beste, was man in der heutigen Zeit machen kann.

Man öffnet seinen Horizont und sieht die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel und wenn man sich auf Neues einlässt, stellt man fest, dass es so viel Gutes und so viel Freundlichkeit gibt. Für unsere kleine eingeschworene Gemeinschaft auf Zeit bedeutet diese Reise nach Cornwall einen noch engeren Austausch und auch Nachwirkungen ins Alltagsleben hinein. Wir überlegen schon wo die nächste Rudelreise hingehen kann!

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-2/2018 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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