Redaktion

England: Wales

  • Christl Borst-Friebe
15.12.2011

Llanfairpwllgwyngyllgogeryc... – das ist kein Schreibfehler, sondern ein Ortsname in Wales. Ehrlich! Ein Landstrich, dessen Bewohner ihren Orten solche Namen geben, macht neugierig. Vor allem, wenn ihm neben vielen Vorurteilen auch eine Menge Gerüchte über viel Wind und gute Wellen vorauseilen.

Wenn man in England wohnt, bekommt man viele Klischees über Wales zu hören: Das Land bestehe nur aus Schafen, es sei ständig am regnen und überhaupt seien die Menschen dort nicht nur sehr merkwürdig, sondern würden auch unverständlich sprechen.

Auch auf dem Windsurf-Atlas gehört Wales nicht unbedingt zu den ersten Destinationen, die ins Auge stechen. Raues Klima und kaltes Wasser könnte man denken, und wenn überhaupt windsurfen auf der Insel, dann doch wohl in Cornwall oder Schottland. So war es auch eher Zufall, dass wir uns Mitte Mai auf einen Vier-Tages-Trip in das kleine Drei-Millionen-Einwohner-Land im Südwesten Großbritanniens aufmachten. Über dem Atlantik tobte sich ein gewaltiges Orkantief aus, dessen Ausläufer in den kommenden Tagen die Westküste des Königreichs erreichen sollten.

Ich studierte zu der Zeit in Birmingham und hatte mit Flo Jung schon seit längerer Zeit über einen Windsurf-Trip an die britische Küste nachgedacht. Ein Anruf und ein Blick auf den Forecast genügten und am nächsten Tag holte ich Flo am Flughafen in Birmingham ab. Da die Bedingungen in Wales sehr vielversprechend aussahen und keiner von uns jemals in Wales gewesen war, machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg, die besten Windsurf-Spots der 1380 Kilometer langen walisischen Küste zu erkunden.

Unser erstes Ziel war der Südwesten von Wales. Als wir die imaginäre englisch-walisische Grenze überquerten, kamen wir zum ersten Mal in Kontakt mit der walisischen Kultur in Form von unaussprechlichen gälischen Ortsnamen und Straßenschildern. Nach vierstündiger Fahrt vorbei am Bristol Channel und der industriellen Hauptstadt Cardiff erreichten wir Newgale, einen der angeblich besten Wavespots in Wales, der vor allem bei den dort vorherrschenden Süd- und Südwestwinden funktioniert. Dort angekommen fanden wir zu unserer Enttäuschung jedoch weder viel Wind noch Wellen, dafür bestätigte sich ein walisisches Klischee in beeindruckender Art und Weise: Es regnete wie aus Eimern.

Etwas frustriert fingen wir an unsere Segel aufzuriggen, denn wir waren ja schließlich zum Windsurfen da und wollten uns vom Regen nicht die Laune verderben lassen. Eingepackt in fünf Millimeter Neo, Haube und Schuhe machten wir uns aufs Wasser und wurden erst einmal positiv überrascht: Das Wasser hatte gut 13 bis 14 Grad, und wir konnten Schuhe und Haube nach dem ersten Schlag direkt am Strand zurücklassen. Als zweite positive Überraschung hörte auf einmal der Regen auf und der Wind nahm zu. So kamen wir trotz anfänglicher Schwierigkeiten doch noch zu einer schönen Nachmittags-Session mit Sideonshore-Wind fürs 4,5er-Segel und zwar kleinen, aber sauberen Wellen.

Für den nächsten Tag war Wind aus westlicher Richtung angesagt. Auf den Rat von sehr netten Locals machten wir uns frühmorgens bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zur so genannten ‚Gower Peninsula‘ (oder auf Gälisch ‚Penrhyn Gwyr‘), einer kleinen Halbinsel westlich von Swansea in Süd-Wales. Die Halbinsel bietet neben malerischer Landschaft eine ganze Reihe guter Wavespots für unterschiedliche Windrichtungen und Könnensstufen. Nachdem wir über die winzigen Landstraßen, die meistens gerade mal breit genug für ein Auto sind, einige Spots abgeklappert hatten, gingen wir in Horton aufs Wasser. Der nach Süden ausgerichtete Strand bot ideale Sideshore-Bedingungen. In die große geschützte Bucht liefen saubere 1,5 Meter hohe Wellen, die den Spot zu einer perfekten Spielwiese für mich als Wellenaufsteiger machten, während Flo einen Aerial nach dem anderen in die Wellen zimmerte.

Den gesamten Spotguide mit diesen Surf-Spots findet ihr als PDF-Download:

Mit 13 Metern Tidenhub hält der Bristol Channel den Europarekord. Das bedeutet Strömung satt und bei Ebbe lange Fußmärsche.

Spielwiese mit atemberaubender Kulisse.

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