Redaktion

Karibik: Bonaire

  • Markus Seidel
19.01.2012

Ja, es stimmt wirklich, dieses Paradies in der Karibik ist offiziell ein Stück Europa. Leider bringt uns diese Tatsache Bonaire auch nicht so nahe, dass wir mit dem Auto hinfahren können. Trotzdem lohnt sich vor allem für Aufsteiger, Genuss-Surfer und Freestyler ein Trip auf die ehemalige niederländische Antilleninsel.

Es tut sich was auf Bonaire. Die kleine Karibikinsel ist seit letztem Oktober ein Teil Europas. Die rund 14000 Einwohner haben sich anders als ihre Nachbarn auf Aruba und Curaçao dazu entschlossen, aus dem Kreis der Niederländischen Antillen auszuscheren und eine “holländische Stadt mit Sonderrechten” zu werden. De facto ist Bonaire jetzt EU-Inland, was das Reisen deutlich vereinfacht – oder zumindest vereinfachen sollte. Denn so genau nehmen es die immer gut gelaunten Insulaner nicht mit der Europäischen Union: Dollar statt Euro und am rosafarbenen Flamingo Airport gibt’s nur für Holländer eine bevorzugte Abfertigung. Der strohblonde Zöllner lächelt und meint mit einem Augenzwinkern: “Wir gehören doch eher zum Königreich der Niederlande und nur ein bisschen zur EU.”

Und den Flamingo-Visumsstempel im Reisepass solle man als Souvenir betrachten. Grund für die Zurückhaltung ist offenbar die Furcht vor zu vielen europäischen Einwanderern. Die Grundstückspreise haben bereits angezogen. Der holländische Einfluss auf Bonaire ist enorm und hat mitteleuropäische Standards (und Preise) auf der Insel etabliert, die man keineswegs auf jeder Karibikinsel antrifft – eine Trinkwasserversorgung etwa, die ihren Namen zu Recht trägt, und ein waches Bewusstsein für den Schutz der Natur. Auch die Hygiene in der Gastronomie stimmt. Vor allem aber haben die Holländer eines auf die Insel gebracht: Jede Menge gute Laune und eine unglaubliche Freundlichkeit. Den Insulanern scheint die Sonne ins Gemüt und der stete Nordost-Passat weht die schlechte Laune einfach weg.

Gut gelaunt dürfen die Einheimischen auch sein, denn der Tourismus hat ihnen einen sehr angenehmen Lebensstandard beschert. Besonders bei Tauchern steht Bonaire hoch im Kurs. Mehr als 60 ausgewiesene Tauchspots gibt’s vor allem am Westufer der Insel. Dort liegt auch die größere der beiden Inselstädtchen, Kralendijk (Korallendeich). Entlang der Uferpromenade reihen sich zahlreiche kleine Resorts, Hotels und Unterkünfte.

Die Windsurfer dagegen haben die von einem Korallenriff fast vollständig abgeschirmte Bucht “Lac Bay” im Südosten der Insel für sich alleine – zumindest fast. Denn Kiten ist dort nicht erlaubt. Doch es gibt ein anderes, leicht abgedrehtes Phänomen am Sorobon Beach, dem einzigen weitläufigen Sandstrand der Insel: Kreuzfahrt- Touristen. Etwa dreimal pro Woche laufen sie rund zwei Stunden lang vergnügt im stehtiefen Wasser zwischen Surfstationen und Riff hin und her. Ein skurriles Schauspiel, das man sich besser von der Strandbar aus ansieht. Windsurfen wird dann zum mörderischen Bojenslalom.

Der Nordost-Passat erreicht Lac Bay ungehindert. Meistens bringt er rund zwei Meter hohe, lange Wellen mit, denen das vorgelagerte Korallenriff bis auf eine Öffnung im äußersten Nordosten der Bucht den völligen Garaus macht. Dort in der weiten Meeresöffnung und dahinter auf dem offenen Meer kommen Wellen-Freaks auf ihre Kosten, sind aber auch völlig auf sich gestellt. Materialbruch ist außerhalb des Riffs lebensgefährlich.

Völlig glattgebügelt ist das Wasser dagegen im größten Teil der Bucht. Hier herrschen Laborbedingungen: sehr konstanter Wind mit vier, manchmal auch fünf Windstärken zwischen Februar und Juli, dazu fast 30 Grad warmes Salzwasser und ein riesiger stehtiefer Bereich, der sich kilometerweit über die halbe Bucht ausdehnt. Barfußsurfer dürfen sich hier freuen.

Den gesamten Bericht über Bonaire lest ihr als PDF-Download.

Auf der Insel wimmelt es nur von Talenten, wie zum Beispiel Youp Schmit.

 

Vom Bett aufs Brett: Am Sorobon Beach Hotel ist das jetzt möglich. Bequemer geht’s kaum noch.

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