Redaktion

Brasilien – Paradise lost?

  • Julian Robinet
07.04.2014

Brasilien-Berichte drehen sich meist nur um Sonne, Wind und Heldentaten. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten – eine etwas andere Reisereportage...

Brasilien ist ein Land der Gegensätze: Die Sonnenseite ist klischeehaft schön und unberührt. Doch die Schattenseite zeigt sich arm und dreckig.

Scheinbar braucht es einen Nicht-Windsurfer, um einen ehrlichen Blick hinter die klischeehaft schön anmutende brasilianische Windsurf-Tapete zu werfen. Martin Wickenhäuser hat genau das getan und fand dort korrupte Polizisten, Terrormücken, rauchende Toyotas und viel Gequatsche.

Julian erzählt mir noch irgendwas von Profi-Windsurfern in Brasilien, die wir fotografieren und filmen könnten. Ja klar, wa­rum nicht? Top-Projekt, da bin ich am Start! Flug gebucht, in den Kalender eingetragen und absolut nichts weiter vorbereitet.

Windsurfer sind an den City-Spots Fortalezas die absolute Ausnahme.

Die Gefährten

Nach einem Flug nach Fortaleza und einer abenteuerlichen Busfahrt über diverse Strände und durch Wüste gelangen wir  nach Jeri. Zunächst finden wir uns im Paradies wieder: Straßen aus Sand, strahlender Himmel, grüne Palmen, lachende Menschen und alles recht günstig. Doch schnell bemerken wir, dass es ein kleines, vor allem aber super touristisches Dörfchen ist. Vor Jahren war es sicher mal jenes Paradies – fern von Konsum und System wofür wir es hielten. Jetzt geht es um Caipi, Buggy-Touren und was man den Touristen sonst noch so alles verkaufen kann. Last minute kommen wir hier endlich mit Adrian Beholz in Telefon-Kontakt. Wir sind schon längst in Jeri, als ihm einfällt, dass wir unbedingt noch einen Mietwagen brauchen. Eigentlich genau das worauf ich Bock habe: Mit einem Pick-up durch die Wüste fahren und spannende Motive abfotografieren. Also Reisebudgets gecheckt und einen 4x4 Pick-up rausgesucht. Einen Führerschein scheint Adrian zwar zu haben, jedoch keine Kreditkarte. Somit kann er den Wagen nicht in Fortaleza entgegennehmen und uns auch nicht damit in Jeri abholen. Also steigen wir wieder in den Wüstenbus, um uns auf dem Weg nach Fortaleza sechs Stunden lang durchschütteln zu lassen. 

Brasilien: Schatten im Paradies

Julian und ich haben verdammt Hunger, da wir den ganzen Tag nicht wirklich was zwischen die Zähne bekommen haben. Adrian hat ein Restaurant auf dem Weg erwähnt. Angeblich unübersehbar. Das Gequatsche über Winde, Orte, wer was gesprungen hat und wer gerade voll am Abgehen ist, geht weiter. Mein Magen knurrt. Die Jungs sind total vertieft in ihre Flips und Tricks und ich denke nur an meinen Magen. Natürlich verpassen wir das groß angekündigte Restaurant und es ist mittlerweile schon Mitternacht und weit und breit nichts zu sehen. Nach vielen Kilometern steuern wir einen hell beleuchteten LKW-Parkplatz an. Da muss es doch was zu Essen geben! Doch wir bekommen nur ein paar Kekse und Gesellschaft von drei abgerockten Prostituierten, die nach Cachassa stinken. Leider können wir diese nur mit rabiaten Methoden davon abhalten, bei uns einzusteigen. Auf unserer weiteren Suche nach Essbarem geht es nun durch ein kleines Dorf, in dem noch einige Straßenstände offen sind. Da wir unser Kamera-Equipment nicht zu leichtsinnig aufs Spiel setzen wollen, parken wir unseren Hilux in Sichtweite. Das uns angebotene Essen können wir nicht so recht deuten.

Freunde und Helfer...

Ist vielleicht auch besser so, zumal es so vorkommt, als wäre dies am Straßenrand schon von so Einigen verschmäht worden. Aus dem Nichts kommt plötzlich ein schwarzer Pick-up mit komplett getönten Scheiben. Er hält genau parallel zu unserem Hilux, so dass wir diesen nicht mehr sehen können. Die Türen gehen auf. Alle, die uns eben noch lauthals heiße Spieße angeboten haben, verstummen, senken die Köpfe und verschwinden um die nächste Ecke. Die Situation ist angespannt und wir haben das erste Mal Schiss. Geschlossen stehen wir auf und begeben uns in Richtung unseres Autos. Daraufhin fährt der schwarze Pick-up weiter. Puhh. Was sollte das denn

Nach etwa 30 Kilometern der nächste Stopp, diesmal gewollt und zwar von der brasilianischen Polizei. Es wird bemängelt, dass unser Surfgepäck hinten über der Laderampe raussteht, dass mein Führerschein kein portugiesischer ist und dass Julian hinten angeblich nicht angeschnallt war. OK, uns ist gleich klar, das dies ein Aufruf zur Bestechung ist. 

Alles über den etwas anderen Brasilien-Tripp mit Julian Robinet, Martin Wickenhäuser und Adi Beholz lest Ihr im PDF-Download.

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