Redaktion

Südamerika: Peru

  • Florian Jung
22.10.2013

„Schon wieder so ein Spot am Ende der Welt, da komm’ ich doch eh nie hin!“ mag manch Leser jetzt denken. Stimmt – aber warum eigentlich nicht? Der Flug nach Peru ist nicht teurer als nach Kapstadt und vor Ort lebt man äußerst günstig. Dafür erwartet einen ein Wave-Abenteuer der Extraklasse. Man muss sich nur trauen.

Rider: Camille Jouban in Peru

Es ist 5 Uhr morgens, als ich abrupt  geweckt werde. Vor mir steht ein Mann, der mich etwas genervt darauf hinweist aufzustehen. "Hey Gringo, el autobus terminar aqui" (der Bus endet hier). Ich brauche einen Moment bis ich realisiere, wo ich gerade bin. Seit 31 Stunden bin ich jetzt nonstop unterwegs. Das Zeitempfinden habe ich längst verloren. Meine Reise führte mich bisher von Deutschland über Holland nach Peru, wo ich in der Hauptstadt Lima aus dem Flugzeug in einen Reisebus gestiegen bin. Seit zirka zwölf Stunden vegetiere ich hier halb wach, halb im Schlaf auf meinem aufrechten Sitz vor mich hin. Als der Busfahrer mir abermals versucht zu erklären, dass hier Endstation sei und ich sofort aussteigen solle, folge ich seiner Aufforderung. Draußen nehme ich meine beiden Doppelboardbags im Empfang, die den Stauraum des Busses mehr als ausgefüllt haben.

Kurz darauf umringt mich eine Schar von Taxifahrern, die mir aufdringlich ihre Dienste anbieten. Wahllos entscheide ich mich für einen alten Mann mit vertrauenswürdigem Lächeln und so sitze ich kurz darauf auf einem sogenannten Motortaxi (Tuc Tuc). Einer Art Motorrad mit Passagierkabine. Meine Boardbags und Reisetasche werden provisorisch mit einem Gurt auf das dünne Gestänge über mir gepackt.

Boujmaa ritt in Pacasmayo und Lobitos die längsten Wellen seines Lebens – bis die Oberschenkel brannten.

Die nächsten 30 Minuten geht es  in der Morgendämmerung über eine holprige Schotterstraße inmitten einer kargen Wüstenlandschaft zu dem Zielort Lobitos. Das Fischerdorf im Norden von Peru hat eigentlich nicht viel zu bieten. Das Stadtbild wird durch verlassene Häuserkomplexe, riesige Ölpumpen und ein paar alte Blechhütten geprägt und gleicht irgendwie einer Geisterstadt im Wilden Westen. Mich stört das nicht sonderlich. Der Grund meiner Reise ist ein anderer. Genau hier bricht eine der wohl besten und längsten Wellen der Welt. Ganzjährig trifft man hier auf schier endlose Wasserberge, die zusätzlich von Mai bis September mit konstanten Südost-Passatwinden versorgt werden.

Ein perfekter Windsurfspot, um den letzten Teil unseres Surf-Films "Don’t Let Go" in den Kasten zu bekommen. Mit von der Partie sind auch Camille Juban, Boujmaa Guilloul und Robby Swift, die sich auch auf die lange Reise gemacht haben, um dieses Wellenwunder aus nächster Nähe zu sehen. Sie treffen kurz nach mir in unserem kleinem Strandhotel ein, das direkt am Spot liegt. Wenig später sitzen wir gemeinsam mit unseren Surfboards im Line-up und genießen die ersten Wellen des Trips. Sie sind zwar nicht sonderlich hoch, aber dafür bis zu 500 Meter lang.

Gegen Mittag setzt langsam ein beständiger Thermikwind ein und wir bereiten unser Material für die anschließende Session vor. Auf dem Wasser ist schnell klar, welches Potenzial dieser Spot hat. Auch wenn die Wellen nicht größer als zwei Meter sind, kann man ohne Probleme acht bis neun Turns fahren, bis die Beine vor Ermüdung brennen. Meist weht der Wind fürs 4,7er und die Wellen haben eine perfekte Größe, um Tricks über das Weißwasser zu zirkeln.

Alles den Peru-Trip von Florian Jung und Fotograf Maxime Houyvet findet Ihr unten als PDF-Download:

SPOTS: Lobitos, Baterias, Negritos, Pacasmayo

Ölplattformen prägen die Küste vor Pacasmayo. Beim Wellenabreiten stören sie zum Glück nicht.

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