Redaktion

USA: Hawaii

  • Michael Offermann
24.12.2010

Am 18. Januar 1778 entdeckte der britische Seefahrer James Cook das Paradies. Er wusste es nur nicht. Mehr als zweihundert Jahre später landet auf Maui ein ganz anderer Seefahrer. Endlich ist der Windsurfer Michael Offermann am Ort seiner Träume angekommen. Danke, James.

„Einmal Maui“, so spukt es in wohl jedem Surferkopf herum. Michael Offermann hat sich nach vielen Jahren diesen Traum erfüllt. Ob der Trip ins gelobte Land wirklich traumhaft war?

Maui – das Mekka des Windsurfens. Hookipa – der Circus Maximus des Wavesailing, dort wurden Legenden geboren und Windsurfgeschichte geschrieben. So liefen schon Monate vor dem Abflug die großen Videos der letzten Jahre mit Hawaii-Footage im DVD-Player heiß. Klassiker wie “RIP”, “Surface Tension” und “Resonance” wurden aus der hintersten Kellerecke, wo meine Freundin sie klammheimlich zur schrittweisen Entsorgung versteckt hatte, hervorgeholt, der alte VHS-Videorecorder entstaubt und legendäre Szenen flimmerten erneut über den Bildschirm. Je näher der Jahresurlaub rückte, desto größer wurden jedoch auch die Bedenken: Was, wenn ich nach den Dutzenden von Maui-Videos vor Ort völlig desillusioniert wäre? Sind die Bedingungen wirklich immer so gut, oder ist das nur ein Klischee? Ob tatsächlich alles so wahnsinnig teuer ist, wie man immer hört? Egal, als Windsurfer muss man auf jeden Fall dagewesen sein.

Paia ist Dreh- und Angelpunkt der Windsurfszene am North Shore von Maui. In der Kleinstadt mit den alten Holzfassaden, die wie eine alte Westernstadt wirkt, findet man eine bunte Mischung aus Hippies, Surfern, Windsurfern und Touristen. Kleine Shops, Boutiquen, Bars, Cafés und Galerien bestimmen das Stadtbild. Vor allem die im Hinterland von Paia lebenden Hippies haben den kleinen Ort geprägt. So kann es schon mal passieren, dass neben dir auf dem Bürgersteig jemand unvermittelt seinen Namen tanzt. Beim Einkauf im örtlichen Bio-Supermarkt Mana Foods kommt man sich schon fast fehl am Platze vor, wenn man weder Dreadlocks und Nasenring, noch Batik-Gewand und Jute-Beutel trägt. Aber was soll’s, das Essen ist superlecker.

Als ich am nächsten Tag zum ersten Mal in Hookipa rausgehe, sehe ich, dass sich Jason Polakow höchstpersönlich gerade an mir vorbei mit dem Shorebreak an Land schieben lässt. Draußen begegnen mir Kauli Seadi, Ricardo Campello und Robby Swift, die sich gerade mitten im NeilPryde-Fotoshooting befinden, und ich komme mir vor wie in einem meiner Videos. Etwas verkrampft reite ich die ersten Wellen ab, versuche, beim noch sehr wackligen Bottom Turn keinen Spinout zu bekommen. Währendessen zerlegen die Pros vor den Linsen der Wasserfotografen die Wellen in ihre Einzelteile. Nach ungefähr einer halben Stunde hat der Wind dann so weit abgenommen, dass ich mich entscheide, wieder an Land zu gehen, bevor als nächstmöglicher Ausstieg nur noch das in Lee gelegene Lanes bleibt.

In den nächsten zwei Wochen zeigt sich Hookipa von seiner besten Seite. Auf dem Wasser ist die Hölle los, alle großen internationalen Teams haben sich versammelt, um das 2011er-Material zu fotografieren. Das heißt also, dass ungefähr fünfzig Worldcupper, die alle heiß auf den besten Shot sind, sich mit den Maui-Locals um die Wellen schlagen. Da kann es schon mal eng auf der Welle werden und man steigt vorsichtshalber aus, wenn sich downwind Kauli Seadi und upwind Mark Angulo auf einer Welle positionieren. Dabei macht das Zuschauen von der Klippe nach dem Surfen fast genausoviel Spaß wie selbst auf dem Wasser zu sein, denn das, was die PWA-Fahrer und Locals in den Wellen zeigen, ist wirklich unglaublich. Vor allem der dreifache Wave-Weltmeister Kauli Seadi sticht dabei heraus, wenn er mit unglaublicher Geschwindigkeit das Face herunterjagt, nach einem engen Bottom Turn einen perfekten Goiter zirkelt und trocken vor der Welle landet. Boujmaa Guilloul zeigt seine völlig vertweakten Aerials, während Mark Angulo sich bei jeder Gelegenheit in seine neueste Manöverkreation schmeißt. Der Erfinder des Wave 360 und des Goiter hat sich eine Mischung der beiden Manöver ausgedacht, die er Mutant nennt und inzwischen schon mit Schothorn voraus nach meterhoher Flugphase vor der Welle landet. Abgefahren. Mark Angulo ist auf jeden Fall einer der Fahrer, die mich am meisten beeindrucken. Und eine Legende. Weitere Legenden, die mir in Hookipa begegnen, sind Cisco Goya, Jason Prior und Sean Ordonez, die sich ebenfalls die guten Bedingungen nicht entgehen lassen und auf dem Wasser Vollgas geben. Die Jungs, deren Poster mit verdrehten Aerials früher die Wände meines Kinderzimmers säumten, verstehen auf jeden Fall immer noch ihr Handwerk. Die nächste Generation mit Morgan Noireaux, Philipp Köster, Connor Baxter und Kai Lenny riskiert ebenfalls alles über dem Riff. Young Guns und alte Haudegen rippen hier gleichermaßen ohne Rücksicht auf Verluste.

Wenn es mir zu voll auf dem Wasser wird oder mir die Bedingungen doch etwas zu heftig sind, weiche ich nach Spreckelsville aus, wo ich perfekte Bedingungen zum Springen und eine entspannte Welle zum Abreiten vorfinde. Zusammen mit dem palmengesäumten Sandstrand und dem Haleakala im Hintergrund bietet dieser Spot eine der schönsten Kulissen, die ich je beim Windsurfen gesehen habe.

Die West Maui Mountains als Kulisse für den startenden Jet.

Was einem bei solchen Ausflügen auffällt: wenn man auf Maui lebt, dann braucht man einen Pick-up-Geländewagen. Auf die Ladefläche kann man vom Surfstuff über Jetskis, seine Kumpels und Bierkästen alles packen, was man so mitnehmen will. Wenn man über den Hana Highway fährt, hat man das Gefühl, dass hier fast jeder in einem solchen Pick-up unterwegs ist. Viele sind dabei bis in Monster-Truck-Dimensionen aufgemotzt, denn schließlich braucht man zum Beispiel auf der Fahrt nach Spreckelsville einen ordentlichen Federweg, um durch die Schlammlöcher zu brettern. Und aus dem ersten Stock hat man auch eine viel bessere Übersicht über die kurvige Straße.

Hookipa - mal ganz entspannt.

Den gesamten Reisebericht mit diesen Spots findet ihr unten als PDF-Download:

Hookipa Beach Park - das perfekte Revier für meinen One-Handed-Jump.

 

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