Redaktion

USA: Maui – Jaws

21.03.2008

Ein Tag in Jaws – Wenn der Winter hereinbricht über Maui, dann wächst bei den Big Wave Ridern die Hoffnung, dass möglichst viele Stürme im Nordpazifik für einen kontinuierlichen Nachschub an dicken Dingern sorgen. Für surf haben Jason Polakow und Robby Swift ihre erste Jaws Session des Winters beschrieben – mit durchaus unterschiedlicher Betrachtungsweise.

JASON ÜBER GUTE ZEITEN IN JAWS

Eine Menge Leute wollten an diesem Tag an die Westküste, an einen Spot namens S-Turns mit schönen cleanen 5-Fuß-Wellen. Ich sah allerdings eine kleine Chance, dass ich in Jaws ein paar Wellen erwischen könnte – und das reichte mir. Ich kam mit Robby Swift so um viertel vor zwei am Break an. Uns war klar, dass es heute nicht besonders hoch werden würde. Aber aus der Wellenvorhersage konnten wir schließen, dass etwa alle 15 bis 20 Minuten ein schönes Set durchlaufen würde. Der Wind war extrem schwach. Doch das macht mir eigentlich nichts, denn ich platziere mich eh gerne sehr nahe der brechenden Zone. Außerdem halten solche Bedingungen die meisten Leute davon ab, raus zu gehen, und wenn sie kommen, dann bekommen sie ohnehin keine Welle. Das nächste Problem ist bei so unkonstanten Verhältnissen, wo man seinen Jetski ankert. Kevin Pritchard hat vor nicht allzu langer Zeit seinen Ski hier eingebüßt, weil der Anker sich losgerissen hatte.

Nachdem ich hinten auf meinem Jetski aufgeriggt hatte, dümpelte ich in Richtung Line-up. Der Wind war so schwach, dass ich mich nicht einmal auf der Stelle halten konnte. Ich trieb mit meinem 76-Liter-Board einfach an der Impact Zone vorbei. Also bat ich einen der Jetski-Fahrer, mich nach Luv von der Brecherzone zu ziehen und mit mir dort auf ein Set zu warten. Als dann die nächsten Wellen kamen, startete ich vom Heck des Skis und ließt mich zum North Peak treiben.

Besonders gut erinnere ich mich an eine spezielle Welle. Sie war ziemlich groß und ich wollte sie unbedingt erwischen. Eigentlich war ich zu tief, also zu nah am brechenden Teil, aber ich pumpte wie verrückt, um von ihr mitgenommen zu werden. Ich war noch nicht einmal in den Schlaufen, als ich spürte, dass der Aufzug abwärts ging. Diesmal würde es schief gehen, da war ich mir ziemlich sicher. Doch im letzten Moment bekam ich die Füße in die Schlaufen. Allerdings hatte ich nun so viel Spray in die Augen bekommen, dass ich kaum sah, wo ich hin- fuhr. Als ich nach unten schaute, bemerkte ich, dass ich nie um den brechenden Teil einen Turn fahren konnte, wenn ich geradeaus ins Wellental surfen würde. Also musste ich auf der Wellenfront vor dem Monster in Richtung Channel flüchten. Das war richtig knapp.

Aber ich bekam an diesem Tag schnell einen guten Rhythmus. Ryan, ein Freund mit einem Jetski, half mir, nach jedem Ritt wieder raus in den Line-up zu kommen. Ich glaube, ich hab’ an dem Tag zehnmal mehr Wellen erwischt als jeder andere, weil ich das Privileg eines Jetski-Assistenten hatte. Ich liebe Jaws an solchen Tagen, die Wellen sind absolut glasig und weich, so dass man extrem gute Turns carven kann. Und es ist toll zu sehen, wie deine Freunde gute Wellen bekommen (mal abgesehen von Swifty an diesem Tag).

Das Spezielle an Jaws ist, dass die Wellen je nach Swellrichtung an zwei verschiedenen Peaks brechen, dem North und dem West Peak. An diesem Tag brachen sie teilweise an beiden Seiten. Die Wellen vom West Peak laufen gefährlich nahe an meinem Startpunkt am North Peak vorbei. Man musste also immer die Wellen im Westen im Auge behalten, um nicht in große Gefahr zu geraten. Nach dem Einstieg in eine Welle sah ich, dass mir aus dem Westen praktisch auch eine Wasserwand entgegenkam. Eigentlich ein guter Grund, so schnell wie möglich aus der Welle wieder auszusteigen. Aber über mir war ein Heli und ich wollte nicht aussehen wie ein Feigling. Also setzte ich alles auf eine Karte, machte so viel Speed wie möglich, um unten um den brechenden Teil der West Peak-Welle herum zu kommen. Ich konnte nur hoffen, genügend Druck im Segel zu haben. Doch das Weißwasser holte mich trotzdem ein und war im Begriff mich zu fressen, doch mit ein bisschen Hilfe von dem Herrn ganz oben kam ich ungeschoren davon.

Ich wünschte, Jaws würde uns öfter solche Tage bescheren. Aber leider passiert es so selten, dass man nicht ein Mal sein Jaws-Material perfekt einfahren kann. Ich habe schon oft Boards für Jaws gebaut und hab’ sie nach einer Saison verkauft – ungefahren. Das ist doch Mist! Also hoffe ich auch diesen Winter wieder, dass es eine gute Jaws-Saison wird. Dieser Tag war zumindest ein guter Auftakt.”

ROBBY SWIFT ÜBER SCHLECHTE ZEITEN

Seit über drei Jahren war ich nicht mehr in Jaws gesurft, entsprechend aufgeregt war ich natürlich, als mich Jason abholte. Dummerweise konnte ich mein altes Jaws-Brett nicht finden. Jason lieh mir spontan eines seiner Boards – super nett, aber ein Fehler, wie sich später herausstellte.

Wir fuhren mit Jasons Jetski raus und riggten so schnell wie möglich auf. Beide waren wir super aufgeregt und wollten unbedingt ein paar Wellen kriegen. Doch mir wurde sofort klar, dass Jasons Board heute für mich deutlich zu klein war. Es hatte gerade mal 72 Liter Volumen und ich versuchte über eineinhalb Stunden vergeblich, eine Welle zu bekommen.

Zu guter Letzt bat ich einen Freund, der mit seinem Jetski draußen war, mich in die Brandungszone zu ziehen. Jetzt konnte ich mich tatsächlich in eine Welle pumpen. Zusammen mit Julien Taboulet erwischte ich ein gutes Ding. Ich war etwas näher am brechenden Teil als Julien und achtete mehr auf ihn als auf die Welle. Meinen Bottom Turn musste ich direkt durch seine Heckwelle machen und ich übersah, dass sich auf der Welle ein paar ekelige, hüfthohe Kabbelwellen gebildet hatten. Dass ich Jasons Board überhaupt nicht kannte, war auch keine große Hilfe, als ich mitten im Turn vom Chop ausgehoben wurde. Alles endete in einem halben Grubby und ich dachte nur, ’super, welch eine brilliante erste Welle in Jaws’, bevor ich hart aufs Wasser schlug. Ich versuchte nur noch so tief wie möglich einzuatmen und möglichst tief unter die Welle zu kommen. Nach dem ersten Waschgang konnten mich die Jungs mit den Jetskis nicht rausholen, weil der nächste Klopfer schon zu nahe war. Also tauchte ich erneut ab, wurde aber trotzdem ordentlich durchgenudelt.

Das Gute an Jaws ist aber, dass immer einige Leute mit Jetskis draußen sind und dich im Auge behalten. Deshalb war auch nach der zweiten Welle gleich jemand bei mir und zog mich aus der Gefahrenzone. Dann machten wir uns auf die Suche nach den Überresten meines Materials. Wenigstens dabei hatte ich Glück und fand alles unversehrt wieder. So blieb mir wenigstens erspart, dass ich Jason beichten musste, sein Lieblings-Jaws-Board auf den Felsen geschrottet zu haben. Ich hoffe, dass dies nicht mein einziger Tag in Jaws in diesem Winter war. Und beim nächsten Swell habe ich garantiert mein eigenes Brett am Start.“

Jason Polakow fühlt sich in Jaws ebenso heimisch wie Boris Becker damals auf dem Centrecourt von Wimbledon.

Wie eine tonnenschwere Abrissbirne greift die Welle nach Jason. Doch der weicht ihr mit dem Selbstbewusstsein aus, wie es nur ein echter Star, der das Drehbuch kennt, kann.

An diesem Tag brach Jaws an zwei unterschiedlichen Peaks. Jason musste höllisch aufpassen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Auch der ehemalige Freestyle-Spezialist Diony Guadagnino hatte einen schönen Tag in Jaws.

An Tagen wie diesem, mit extrem wenig Wind, trauen sich nur die Besten in die Jaws-Monster. Und auch die haben Schiss, lebendig begraben zu werden.

Gute Zeiten – schlechte Zeiten

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