Ägypten: Soma Bay

  • Andreas Erbe
 • Publiziert vor 6 Jahren

Es ist alternativlos – das Rote Meer. Wer im Winterhalbjahr ein komfortables Freeriderevier mit angenehmen Wasser- und Lufttemperaturen und konstant gutem Wind sucht und obendrein nicht länger als fünf Stunden fliegen möchte, der kommt an den ägyptischen Spots nicht vorbei. Wir haben einen der eher unbekannten Spots in der Soma Bay einen Besuch abgestattet.

Glatt wie ein Babypopo – die Speedpiste in der Soma Bay bietet Windsurfen unter Laborbedingungen.

"Hast du denn keine Angst?" fragte mich meine Mutter vor dem Abflug nach Hurghada. Nun ist es ja so, dass Mütter immer Angst um ihren Sohn (oder ihre Tochter) haben, egal wie alt der Sohn ist, doch man bekommt diese Frage dieser Tage auch von weniger ängstlichen Zeitgenossen gestellt, wenn man nach Ägypten reist. Meine Antwort ist so eindeutig wie überzeugt: "Nein, habe ich nicht."

Seit Ende der 80er-Jahre haben sich viele ägyptische Stempel in meinen Reisepässen angesammelt. Angst hatte ich nie in dem Land. Klar, an viele Dinge muss man sich erst einmal gewöhnen, aber das ist doch auch ein Teil des Reizes, wenn man fremde Länder besucht. Und mit ein wenig Gelassenheit übersteht man auch das Chaos am Flughafen in Hurghada.

Blick vom Club aufs Revier 

Diesmal bin ich wieder einmal unterwegs in die Soma Bay. Gut 50 Kilometer südlich vom lebhaften Hurghada ragt die Halbinsel Abu Soma ins Rote Meer und formt eine langgestreckte Bucht. Die ganze Halbinsel wurde Ende der 90er-Jahre als abgeschlossenes Urlaubsressort mit mehreren Hotels, eigener Strom- und Wasserversorgung inklusive Golfplatz – wer auch immer den nutzt, ich nicht – erschlossen. Im weiteren Verlauf der Bucht entstanden in den letzten Jahren einige zusätzliche Hotels. Das bekannteste unter Windsurfern ist wohl das Palm Royal Soma Bay auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Hier hat der Deutsche Peter Müller seit etwa zehn Jahren die Surf- und Kitemotion-Station etabliert. Vorreiter in Sachen Windsurfen in der Soma Bay war aber der Robinson Club. In den frühen Jahren der Erschließung der Halbinsel startete man dort direkt vor der Hotelanlage mit freier Düse halbwinds in die Bucht hinein und erreichte mühelos den superflachen Speedstrip in Luv. Auch das surf Magzin nutzte die traumhaften Freeride-Bedingungen schon für ausgiebige Tests.

Neben der Schulung gibt es bei der Surf Week ein äußerst komplettes Beiprogramm – inklusive atemberaubender Sundowner-Tour per Boot.

Doch durch einen weiteren Hotelbau direkt in der Windschneise verschlechterten sich die Verhältnisse zeitweise dramatisch. Aber man wusste sich zu helfen: Kurzerhand wurde die Wassersportstation an den Rand der Hotelanlage versetzt und hat nun seinen Platz wieder im fast freien Wind hinter einer kleinen Marina. Den kurzen Fußmarsch über die Strandpromenade vom Hotel dorthin ist der neue Platz allemal wert. Der All-Inclusive-Philosphie bei Robinson folgend sind alle Sportangebote für die Gäste des Clubs frei, so auch das Windsurfen. Das Material der Station ist vielleicht nicht so üppig und neu wie in manchen großen Verleihcentern, doch die Naish-Boards und -Segel reichen allemal für entspannten Freeride-Spaß. Viele "Intensivtäter", egal ob in Sachen Windsurfen oder Cluburlaub, lagern ihr eigenes Material in der Station ein. Dafür steht extra ein Raum zur Verfügung.

Auf dieses Spezies treffe ich bei meiner aktuellen Reise. Ich bin zu Gast bei der Robinson Surf Week. Die hat bereits eine lange Tradition und viele Fans. Früher war Robby Naish zu Gast, und seit einigen Jahren gibt sich nun Bernd Flessner die Ehre. Zusammen mit den Trainern Hanspeter Lange, bis vor kurzem der Schulungsobmann des VDWS und ehemalige Bundestrainer, und Dieter Scholz, vielen als Stationsleiter auf Fehmarn bekannt, steht die Woche unter dem Motto: Jeder kann, keiner muss. Wer will, bekommt fahrtechnischen Input inklusive Analysevideo bis zum Abwinken. Wer nicht will, genießt das Surfen und holt sich gelegentlich mal einen Tipp bei den Trainern.

Ägypten: Soma Bay - Spaß auf glattem Wasser

Die Revierbedingungen sind sowohl zum Genießen als auch Lernen wirklich erste Sahne. Vor der Station liegt ein stehtiefer Bereich mit einer kleinen Windabdeckung, der perfekt für die Einsteigerschulung geeignet ist. Am Übergang zum tiefen Bereich setzt dann auch der Wind richtig ein. Halbwinds rauscht man über die kleinen Kabbelwellen. Doch hier hält es die wenigsten Surfer lange. Mit zwei bis vier Schlägen (je nach Fahrkönnen und Wind) ziehen die meisten hoch an die so genannte Speedpiste (3). Hier ballert der Wind ungebremst übers Land und man kann nur einen Meter vom Sandstrand entfernt raumschots übers spiegelglatte Wasser knattern – ein Traum übrigens auch für jeden Freestyler. Für ein kleines Päuschen stehen hier Sonnenschirme, und der Stationsleiter bringt kühles Wasser vorbei. Wen dann der kleine Hunger überkommt, der rauscht raumschots zurück – im Club gibt es ja eigentlich zu jeder Zeit etwas Leckeres zur Stärkung.

Egal, ob zur Surf Week (Infos: www.robinson.de ) oder auch sonst, kann man dieses etwas in Vergessenheit geratene Revier wirklich empfehlen. Die einzige Angst, die mich auf der Rückreise dann doch beschlich, war, ob ich im richtigen Flieger saß, denn der Flughafen von Hurghada ist und bleibt ein chaotischer Molloch.

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Themen: ÄgyptenSoma Bay


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