Australien: Work & Travel

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 10 Jahren

Australien ist nicht nur der Traum vieler Surfer, sondern auch Ziel ganzer Herden von Rucksack-Touristen. Da trifft es sich gut, dass man dort mit dem Working-Holiday-Visum Reisen und Arbeiten verbinden kann. Leon Jamear hat das volle Australien-Programm durchgezogen.

Bestückt mit einem Rucksack, einer kleinen Tasche und meinem Boardbag steige ich in den InterCity nach Frankfurt. Der Schaffner ist freundlich und wirft mich nicht an der nächsten Haltestelle wieder raus und somit schaffe ich es pünktlich zum Flieger, der mich an die Ostküste Australiens bringt. Mein Gepäck ist überschaubar gewählt, denn es darf 30 Kilogramm nicht überschreiten. Mit ein paar Klamotten, einer Kamera, einem Notebook, zwei Segeln, zwei Masten, einer Gabel und etwas Kleinkram komme ich nach einem langen Flug in Brisbane/Queensland an. Ich bin heil angekommen, habe ein Working-Holiday-Visum, welches mir erlaubt bis zu einem Jahr in Australien zu leben und zu arbeiten, und zudem etwas Cash in der Tasche. Bis hierhin war alles mehr oder weniger geplant. Doch von jetzt an bin ich komplett auf mich allein gestellt. Mit schwerem Kopf sinke ich in den Schlaf. Doch schon am nächsten Morgen lerne ich die wichtigste Lektion über das Leben in Australien: Plane so wenig wie möglich und mach dir absolut keine Sorgen über irgendetwas. “No worries, mate!”, wie der Australier sagen würde.

Eigentlich hatte ich gedacht, mir so schnell wie möglich ein Auto zu besorgen, um unabhängig und mobil zu sein. Auf dem Weg zum schwarzen Brett des Hostels, komme ich jedoch mit dem Belgier Dieter ins Gespräch. Seinerseits Windsurfer und Profi-Backpacker. In knapp zwölf Monaten hat er jetzt fast komplett Australien umrundet, zuvor war er in Kanada unterwegs und er erzählt, wenn sein Visum für Australien in wenigen Wochen ausläuft, geht’s für ihn in Neuseeland auf zu neuen Abenteuern. Doch zuvor muss er noch die etwa 1000 Kilometer nach Sydney zurücklegen, um die Kontinentumrundung vollständig zu machen. Auch für mich soll die nächste Station Sydney sein, denn dort kann ich mein Windsurfbrett vom australischen Importeur meines Sponsors abholen. Also zögere ich nicht lange, und wir machen uns zusammen von Brisbane auf den Weg Richtung Goldcoast. Vorbei an den Wolkenkratzern von Surfers Paradise geht es in einen kleinen Ort namens Coolangatta.

Legenden wie Michael Petterson und Peter Drouin wuchsen hier auf und machten ihre Homespots Kirra, D’Bah und Snapper Rocks weltberühmt. Bis heute kommen aus diesem kleinen Ort wohl mehr Surf-Weltmeister als aus jedem anderen der Welt. Einschließlich des Champs von 2009, Mick Fanning. Mittlerweile sind sie Helden, denn Surfen ist in Australien Volkssport! Kein Wunder. In einem Land, das mehr als 20-mal so groß ist wie Deutschland, leben gerade mal 22 Millionen Menschen. Ein Großteil davon an der Küste.

Schon bald ziehen wir weiter Richtung Süden. Nach etwa zwei Wochen soll es für mich weitergehen und ich kaufe mir für umgerechnet etwa 2000 Euro einen Mitsubishi Express Van – Schlafplatz und Transportmittel in einem. Ab jetzt sollen sich meine Kosten möglichst auf Versorgung und Sprit beschränken. Da ich schon einige gute Windsurftage verpasst und noch immer kein Brett habe, fahre ich voller Euphorie weiter nach Sydney. Alles klappt problemlos und mein Material ist endlich komplett. Der Wind lässt noch auf sich warten, und somit steht erstmal das Standardprogramm auf dem Zettel. Opernhaus fotografieren, am Bondi Beach Strandschönheiten betrachten.

Über den Wolkenkratzern von Sydney verdunkelt sich der Himmel, der erste Sturm zieht auf! Ich fahre noch nachts an einen Strand einige Kilomerter südlich von Sydney, an dem laut meiner Karte der Wind etwa sideshore wehen müsste. Nachts schickt der Sturm die ersten Vorboten. Bei einigen Böen denke ich, der Bus kippt gleich um. Am Morgen hat der Sturm dann seine volle Stärke erreicht. Noch bevor ich Zeit habe zu frühstücken, zurre ich mein 4,0er-Segel so flach wie möglich und renne runter zum Strand. Erst jetzt merke ich, wie aufgewühlt die See ist. Dass ich so gut wie gar keine Erfahrung mit Wind von rechts habe und nun schon fast zwei Monate nicht mehr windsurfen war, geben mir nicht grade ein gutes Gefühl im Magen. Die ersten sechs oder sieben Versuche rauszukommen scheitern, bis ich endlich eine kleine Lücke zwischen den dicht aufeinander folgenden Brechern finde. Nach einer Stunde hartem Kampf baue ich ab und mach mich auf die Suche nach einem Spot, wo die Wellen geordneter reinkommen. Weiter südlich entdecke ich einen Point, an dem nur ein paar Wellenreiter im Wasser sitzen. Der Einstieg liegt in der Windabdeckung. Nach einer 30-minütigen Schwimmeinlage kann ich endlich wasserstarten und nehme meine erste Welle. Leider endet diese mit einem gebrochenen Mast, einigen Löchern im Brett und einer Fleischwunde im Fuß.

Leicht frustiert geht meine Reise weiter. Nächste Station ist Melbourne. Um Sprit zu sparen und für die bessere Gesellschaft hab’ ich noch einen Engländer im Gepäck, der schon am nächsten Abend einen Gig in einem Lokal in Melbourne hat. Bis spät in die Nacht hinein schaukel ich den guten Mitsubishi, der mir bisher treue Dienste erwiesen hat, die kurvigen Straßen hinunter.

Den gesamten Reisebericht lest ihr unten als PDF-Download.

Entspannung pur in der Naturwasserrutsche von Stone Age Fun.

In Lennox bleibt keine Wellenreiter-Seele ungerührt. Wie am Lineal gezogen läuft der Swell in die Bucht.

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