Deutschland: Spot Guide Bayern

27.05.2016 Sebastian Schöffel - A Special füa olle vo übam Weißwuaschtequator, Zuagroasdn, Preissn und de, de vo no weida weg kemma! Oder in Hochdeutsch: Der große Spot Guide von 13 bayrischen Seen mit vielen Insider-Tipps und grandiosen Fotos.

© Sebastian Schöffel
Wer sich nicht auskennt, schaut allenfalls mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Mit den Tipps vom Local kommen auch Neu-Bayern in den Genuss von Wind und perfekten Kulissen – wie hier am Kochelsee.
Wer sich nicht auskennt, schaut allenfalls mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Mit den Tipps vom Local kommen auch Neu-Bayern in den Genuss von Wind und perfekten Kulissen – wie hier am Kochelsee.

Bayern hat ja viel - viel Panorama, Kultur, Gastfreundlichkeit, sehr viele Biersorten, die Alpen, viel Wald, noch mehr Seen, im Winter viel Schnee und dank der geografischen Lage ein recht abwechslungsreiches Wetter- und Windsystem. Föhn, Ostwind, Tiefdrucklagen und Thermik – wer soll sich da noch auskennen! Richtig, die Locals! Denn ohne die richtigen Hintergrundinfos wird man viele "Schneiderfahrten" haben und ein paar Jahre brauchen, um halbwegs den Durchblick zu bekommen. Selbst wir, die hier aufgewachsen sind, stehen manchmal am See und wundern uns, warum trotz perfekter Vorhersage kein Lüftchen weht.

Ein Freund lebte über zwei Jahre in München und war vielleicht fünf Mal auf dem Wasser: "Hier hat’s ja nie Wind". Jetzt wohnt er wieder in Hamburg. Selber schuld! Vor ein paar Tagen lernte ich einen Typ namens Isac am Eisbach kennen, der schon seit zehn Monaten in München wohnt und noch kein einziges Mal Windsurfen war, weil er einfach nicht wusste, wann und wohin er losziehen sollte. Und noch heute treffe ich immer wieder Leute, die behaupten schon zehn Mal am Walchensee gewesen zu sein, aber kein einziges Mal auf dem Wasser waren und jetzt lieber zum Klettern gehen. Sie alle sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.

In unserem großen Spot Guide Bayern erfahrt ihr alles über diese Seen (PDF-Download siehe unten):

• Ammersee (6 Spots)
• Pilsensee
• Altmühlsee
• Brombachsee (3 Spots)
• Bodensee (2 Spots)
• Chiemsee (3 Spots)
• Forggensee
• Hopfensee
• Kochelsee (3 Spots)
• Mandicho See (2 Spots)
• Starnberger See (3 Spots)
• Tegernsee (3 Spots)
• Walchensee (4 Spots)
• Wörthsee

Fakt ist, dass man mit etwas Hintergrundwissen, den richtigen Websites und ein paar Kilometern auf dem Tacho­ sicher alle paar Tage aufs Wasser kommt, je nach Wetterlage auch mal fünf Tage am Stück. Es gibt vier Wettersysteme,­ die hier relevant sind, die ich euch mit  freundlicher Unterstützung der Windinfo.eu gerne vorstellen will.

INFOS

Windsyteme

Westwind: Dieser entsteht nur vor heranziehenden Tiefdruckgebieten und den damit verbundenen Fronten. Diese ziehen im Normalfall von West nach Ost. Dabei wirken sich Kaltfronten meist stärker aus als Warmfronten. Die kalten Luftmassen schieben sich unter die noch vorhandene Warmluft, das gibt einen zusätzlichen Schub in der Nähe der Frontlinie. Kommt dann der Regen, ist der Wind zu Ende, außer bei mächtigen Sturmtiefs. Die Winde wehen meist aus Südwest und drehen mit der Front auf West oder Nordwest. Westwinde lassen sich mit den gängigen Vorhersagen relativ leicht deuten.

Föhn: Der entsteht als ein schöner Nebeneffekt bei südlich der Alpen vorbeiziehenden Tiefdruckgebieten. Davon profitieren aber nur die Seen in und direkt an den Alpen, wie das südliche Bodenseeufer, der Kochelsee oder auch der Tegernsee. An ein paar wirklich guten Tagen reicht der Wind auch bis Starnberger- oder Ammersee. Die optimale Kombination ist dabei ein starkes, abziehendes Hoch im Osten und ein Tief über Norditalien. Die beiden Systeme greifen wie Zahnräder ineinander und schaufeln warme Luftmassen aus dem Süden über die Alpen. Starker Südwind, schönes Wetter und sommerliche Temperaturen, auch im Winter, sind das Ergebnis. Wir waren schon an Neujahrsmorgen am Kochelsee bei 26 Grad, 8 Bft. und Schnee am Ufer. Da der Föhn eine echte Zicke ist und man nie weiß, wann und wo er durchbricht, bleibt die Windjagd ab und zu auch unbelohnt.

Auf Wetteralarm.at findet man eine Föhnprognose für die nächsten Tage. Steigt die Kurve über 4 hPa, ist die Chance groß, am Kochel- oder Tegernsee guten Föhn zu erwischen. Dann heißt es früh aufstehen, in die Webcam klicken und wenn es sich kräuselt, ab ins Auto, denn der Föhn weht meist nur bis etwa 9:00 Uhr.

Ostwind: Ein Gast, der die letzten Jahre fast nur im April/Mai und September/Oktober anzutreffen war, aber dann gerne länger und kräftig! Auch hierfür ist ein stabiles Hoch notwendig. Weil Ostwind meist schönes Wetter mit sich bringt, haben wir dann auch gute Chancen auf die normale oder sogar stärkere Thermik am Walchensee!
Thermik: Die Thermik funktioniert eigentlich das ganze Jahr über, kann im Frühjahr und Herbst, bei starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht mit 5-6 Windstärken richtig stark werden und weht immer aus NO-N. Im Hochsommer, wenn auch die Nächte warm sind, ist sie meist etwas schwächer mit nur 3-4 Bft.

Beste Voraussetzungen finden wir bei Hochdrucklagen. Möglichst große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht (April/Mai), ein hoher Sonnenstand (längere Sonneneinstrahlung für die Südhänge) und ein leichter Grundwind aus NW bis NO machen die Thermik perfekt. Reiner West- oder Ostwind schadet nicht wirklich, verändert aber die Ausbreitung der Thermik am Walchensee. Föhn killt die Thermik, da er entgegengesetzt aus Süd weht.

Wetterinfos: Forecasts bekommt ihr bei Windfinder, Windguru und Muchoviento. Wetterinfos, einen WetterChat und sogar tagesaktuelle Windprognosen für den besten Spot findet ihr auf www.windinfo.eu. Webcams gibt’s ebenfalls bei der windinfo oder Addicted-Sports.

Webcams: Mit Hilfe der Archiv-Funktion kann man die Wetterlagen der letzten Tage und deren Entwicklung im Tagesverlauf gut vergleichen (sofern diese ähnliche Vorhersagen hatten). Ein Beispiel: Heute ist Samstag, 10:00 Uhr und ihr hofft auf Schönwetter-Thermik am Walchensee. Ein aktuelles Bild der Webcam zeigt, trotz blauen Himmels noch leichten Südwind statt der erhofften Thermik aus Nord. Jetzt scrollt ihr einfach zurück im Datum und vergleicht die Situation mit den letzten Tagen. Der Donnerstag davor hatte Nachmittags eine super Thermik und zeigte um 10:00 Uhr ein sehr ähnliches Bild, um 10:10 Uhr Windstille und um 10:30 Uhr setzte leichter Nordwind ein. Somit wartet ihr auch jetzt einfach bis 10:30 Uhr und vergleicht die Bilder, denn das Wetter sollte sich ähnlich entwickeln. Seht ihr um 10:30 Uhr immer noch Südwind, kann man sich die Anfahrt heute wohl sparen. Entwickelt sich das Kamerabild wie am windigen Donnerstag, springt ins Auto und ab an den "Walchi". 

© Sebastian Schöffel
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