Deutschland: Usedom

  • Florian Behringer
 • Publiziert vor 9 Jahren

Fehmarn, Rügen, Usedom – die drei großen deutschen Ostseeinseln. Während die Spots der ersten beiden längst in vielen Surferhirnen eingebrannt sind, wartet Usedom immer noch darauf, dass ein Surfprinz sie aus dem Dornröschenschlaf wachküsst. Florian Behringer hat sich die Krone aufgesetzt und ist bereit, der Insel den entscheidenden Kuss zu verpassen.

Meine erste Begegnung mit der Insel Usedom hatte ich, als ich mich – gerade frisch in Berlin angelangt – auf die Suche nach geeigneten Surfspots an der Ostseeküste begab. Zu jener Zeit stand ich ganz unter dem Einfluss der sich gerade entfaltenden Freestyle- Bewegung, die einige Jahre zuvor mit dem legendären King of the Lake-Format am Gardasee ihren Siegeszug in die weite Welt des Windsurfens begonnen hatte.

Während sich im Süden bereits eine relativ große Freestyleszene entwickelte, hoffte ich nun auch im Nordosten des Landes Gleichgesinnte zu finden. Als Landratte waren mir damals die Spots an der Küste Rügens noch zu wild – der Flaka war einfach wichtiger als der Backloop. Doch sicherlich spielte auch die Bequemlichkeit eine Rolle, Usedom den Vorzug zu geben: Der Blick auf die Landkarte verriet mir, dass Usedom mit nur etwa 200 Kilometer Entfernung von Berlin zu den nächstgelegensten Urlaubzielen an der Ostsee gehört und damit nicht ohne Grund auch die charmante Bezeichnung “Badewanne Berlins” trägt.

Kurz nachdem ich die Hubbrücke bei Zecherin passierte, welche den südlichen Zugang auf die Insel Usedom ermöglicht, kamen mir erste Zweifel: Sollte ich in dieser abgeschieden wirkenden Gegend tatsächlich freestyle-verrückte Windsurfer antreffen? Ohne zuvor große Erkundungen angestellt zu haben, startete ich meinen Rundtrip, bis ich schließlich an der schmalsten Stelle der Insel, im kleinen Badeort Zempin, mein Glück versuchte. Entlang der Dorfstraße bahnte ich mir meinen Weg durch die einstige Fischersiedlung bis hin zu den mit Schilf gedeckten Häusern am Achterwasser.

Der erste Eindruck war überaus vielversprechend: Direkt hinter der Terrasse eines Cafés erstreckte sich eine kleine, schilfumwachsene Bucht mit flachem Wasser. Weiter draußen auf dem Achterwasser erblickte ich kleine Rampen und jede Menge Schaumkronen – es war windig! Lediglich ein Aspekt irritierte: Trotz bestem Wetter keine Spur von bunten Segeln. Auch wenn man als Windsurfer auf dem Wasser zumeist auf sich selbst angewiesen ist, macht gerade Freestyle im Kreise von Freunden doch ungleich mehr Spaß. So kehrte ich Usedom trotz aller positiven Eindrücke erst einmal den Rücken und richtete mein Augenmerk auf die Küste zwischen Rostock und Stralsund.

40 Kilometer Küstenlinie zur freien Ostsee mit feinem Sandstrand – was will man mehr. Vielleicht ein paar Mitstreiter in der Welle.

Während Usedom in historischer Hinsicht weitestgehend erschlossen ist, ist beim Thema Windsurfen durchaus Pionierarbeit gefragt. Abgesehen vom bekanntesten Spot an der Windsport-Station in Ückeritz, die mit sehr guter Infrastruktur inklusive chilliger Surfbar lockt, orientierten wir uns vor allem an dem Verlauf der Küste, um neue Spots zu finden. Die Usedomer Außenküste verläuft geographisch recht geradlinig von Nordwesten nach Südosten, was naturgemäß die Spots an der offenen See in dem Windfenster von Nordwest über Nord und Ost bis Südost surfbar macht. Die Bandbreite der optimal funktionierenden Wavespots für die jeweilige Windrichtung schränkt sich jedoch gegenüber einer zerklüfteten Küste zwangsläufig etwas ein. Mit ausreichend Wellen ist aus diesen Richtungen aber stets zu rechnen, da der Blick gen Nordosten übe  die zentrale Ostsee erst wieder an der litauischen Küste auf Land stößt.

Die Gebiete um das Achterwasser und den Krumminer Wiek mit ihren zahlreichen Buchten warten nur darauf, von Windsurfern aller Couleur entdeckt zu werden. Den passenden Spot vor Augen muss oft erst eine passende Zufahrt gefunden werden. Hier sind Ausdauer und Kreativität gefragt. Einen ersten Versuch starten wir im Nordteil der Insel auf der Halbinsel Gnitz, auf der sich vor etwa 600 Jahren die ersten slawischen Siedler niederließen. Das Achterwasser stets im Blick, bahnen wir uns den Weg zum äußersten Landzipfel, wo sich auf einem Naturcampingplatz in vollkommener Ruhe die kleine Wassersportstation von Andreas befindet. Schnell stellen wir allerdings fest, dass wir nahezu die einzigen Besucher dieses abgelegenen Örtchens sind und, was noch gravierender ist, der Ostwind sich wegen der zwar wildromantischen, aber hohen Steilküste nicht entfalten kann.

Den gesamte Spotguide Usedom mit nachfolgenden Spots lest ihr als PDF-Download:

 

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