Surf-Skatepark in Leucate

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 11 Jahren

Skateboarder haben sie, Snowboarder auch, Wakeboarder und sogar Kiter nutzen sie – Obstacle Parks. Hindernisse zum Draufspringen, Drüberspringen, Sliden, auf die Schnauze legen. Jetzt haben wir Windsurfer auch unseren ersten Freestyle-Park. Drei französische Pros haben ihn in Leucate eröffnet.

Wenn man einen bekannten oder wohl schon fast berüchtigten Windsurfer als “bunten Hund” bezeichnen kann, dann ist es sicherlich der Franzose Julien Taboulet. Auf dem Wasser trägt Julien, genannt WeshWesh, gerne T-Shirts in XL, seine durchtätowierte Haut ist mit jeder Menge gepierctem Silber verziert und am Strand sieht man ihn nicht selten in Begleitung seiner nicht minder extravaganten Mopshündin. Seit zwei Jahren ist der 30-Jährige von der Bühne der PWA-Tour fast vollständig abgetaucht, obwohl er mit seinem kraftvollen, radikalen Style in der Welle nicht selten ein Top-5-Kandidat war.

Untätig ist der fleißige Julien seither aber nicht gewesen. Gemeinsam mit seinen französischen Tour-Buddies Thomas Traversa und Anthony Ruenes wurde ein ehrgeiziger Plan in die Tat umgesetzt: der erste Obstacle Park für Windsurfer! Zwar besteht dieser momentan erst aus zwei Hindernissen. Aber Idee und Konstruktion lassen da auf deutlich mehr hoffen!

In seinem Windsurfcenter in Leucate, das Wesh seit zwei Jahren mit seiner Freundin Caroline Boronat (ebenfalls Ex-Worldcupperin) betreibt, wurde dann über Jahre immer mal wieder an dem Projekt getüftelt. “Neben einem gepimpten Kicker wollten wir unbedingt auch ein Rail bauen”, erklärt Julien, “ich kenne ja das Gefühl beim Sliden vom Wakeboarden. Das ist einfach richtig geil!” Den Kicker entwickelten die drei aus einem ausgedienten Wakeboard Obstacle  Im Gegensatz zu herkömmlichen Windsurfschanzen fehlt bei der französischen Parkversion ein Finnenslot. Stattdessen ist er mit einer bürstenähnlichen Plastikmatte überzogen, so dass die Finnen auf dem Kicker genug Halt haben und man dennoch nicht auf blankes Holz rast. “Schanzen mit Finnenslot sind einfach zu gefährlich. Wenn du hängen bleibst, wirst du von 100 auf null gebremst. Da kann man sich komplett zerlegen. Außerdem ist es gar nicht leicht, den kleinen Slot immer zu treffen. Das Problem gibt’s bei unserem Kicker nicht mehr. Man kann mit voller Power  draufzufahren und wesentlich krasser abgehen”, freut sich Thomas, “es sind eigentlich fast alle Sprünge möglich. Für Rückwärtsrotationen müssen wir ihn noch etwas steiler bauen.

Auch in puncto Material mussten sich Julien, Thomas und Anthonyso ihre Gedanken machen. Mit herkömmlichen Finnen kann man einen Ausflug über die Schanze kaum riskieren. So tief reicht der Bürstenteppich dann doch nicht. “Wir haben viel an den Finnen herumgefeilt. Mittlerweile sind sie nur noch sieben Zentimeter lang”, lacht Julien, “aber das reicht absolut, um beim Anlauf in der Spur zu bleiben und auf den Obstacles hat man noch genug Grip. Wir fahren den Park mit Twinser- oder Thrusterboards.” Klingt im Grunde also alles recht einfach. Aber natürlich hat nicht jedermann wie ein Profi einen VW-Bus voller Boards in der Hinterhand, von denen er das  eine oder andere gute Stück auch mal für ein paar Sessions im Park opfern möchte.

Ein noch namenloser "Move" von Thomas Traversa

Doch auch hier wissen die Franzosen zu beruhigen: “Wir haben den Park jetzt schon bei verschiedensten Windstärken ausgetestet. Außer ein paar Kratzern an den Brettern, ist unser Material bisher immer verschont geblieben. Wenn wir eine Woche in guten Wellen surfen, geht da sicherlich um einiges mehr in die Brüche!” Hört sich also nach einer rundum guten Sache an, dieses “Obstacle-Windsurfen” oder wie auch immer man diese neue Variante unseres Sports nennen mag.

Wer es selbst ausprobieren möchte, hat dazu in Leucate im Weshweshcenter jederzeit Gelegenheit. Seit April ist der Park wieder im Wasser und da wird er auch bis November bleiben. “Klar ist die Sache noch in den Kinderschuhen”, gibt Julien zu, “aber ich denke da können sich für unseren Sport tolle Möglichkeiten ergeben. “Vielleicht dauert es noch ein bis zwei Jahre”, schwärmt Thomas, “aber warum sollen dann nicht auch Wettbewerbe in Parks stattfinden. Man kann sie in Publikumsnähe aufbauen und gut belüftetes Flachwasser gibt’s doch fast an jeder Ecke. Das wäre auf jeden Fall fette Action!” Wer weiß, vielleicht wird ja schon bald auch der Tourkalender der PWA um eine Freestyle-Disziplin reicher. Soviel Potenzial wie ein Race über schwimmende Plastikwürste hat so ein Park doch allemal, oder?

Auch bei der Finnenbearbeitung darf man kein "Weichei" sein.

Für alle, die den Park testen wollen:

Das WeshWeshCenter

Ort: Etang du Leucate

Spot: Stehrevier auf dem Etang. Wavebedingungen am Mittelmeer in unmittelbarer Nähe

Wind: 300 Tage im Jahr mit 20-40 Knoten

Saison: 1. April – Mitte November

Angebot: Kurse für alle Könnensstufen/Verleih

Info: www.weshcentercrew.com   weshcentercrew@hotmail.fr

Video: Surf-Skatepark Leucate

Den gesamten Bericht über den Surf-Skatepark erhaltet ihr als PDF-Download

 

Themen: DownloadFrankreichFreestyleparkSurf-SkateparkSurfspotsWavespots

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    Surf-Skatecenter in Leucate, Südfrankreich

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