Reisebericht Norwegen

  • Christl Borst-Friebe
 • Publiziert vor 8 Jahren

Wenn das die Auskunft eines Locals über die Bedingungen an dem Spot, den du gerade gesurft hast, sind, dann brauchst du nicht nach mehr zu suchen. Klaas Voget und Fotograf Henning Nockel haben auf ihrem Kurztrip nach Süd-Norwegen gefunden, wonach sie gesucht haben.

"Lista? ...Heavy!" Henning und ich waren auf der Suche nach harten Bedingungen. Warum zum Teufel hatten wir uns zwei Autostunden von Lista entfernt, um uns von einem norwegischen Wellenreitlocal anzuhören, dass es genau da heavy ist, wo wir gerade herkamen. Wir wollten große Wellen und am besten auch ordentlich Power in der Lippe. Gefahren? Egal. Hauptsache, es rumst. Für Stavanger waren fast fünf Meter hohe Wellen mit elf Sekunden Abstand angesagt, für Dänemark immer noch 3,8 Meter. Der Wind sollte dabei in Hanstholm etwas zu sehr aus Nordwesten kommen, was dort eher schräg auflandig als richtig sideshore ist. Ich wusste, dass man in Norwegen bei Nordwest richtig gute Bedingungen erwischen kann, doch es muss alles passen.

Von Land aus waren die wahren Ausmaße der Brecher nicht zu erkennen. Erst als Klaas mittendrin steckte wurde klar, was für Monster über die Bucht von Lista herfielen.

Schon vier oder fünf Mal hatte es mich in dieses schöne Land verschlagen, das so nah an Dänemark liegt, wo es aber doch so komplett anders aussieht. Man nimmt eine Fähre von Hirtshals nach Kristiansand und schon befindet man sich in malerischer Fjord- und Seenlandschaft. Dänemark ist eine einzige Düne, Norwegen ist komplett felsig. Genau da liegt aber auch der Grund, warum man hier immer wieder Windsurf-Bedingungen der härteren Sorte vorfinden kann und in Dänemark eher seltener. Für Henning und mich lag Lista auf dem Weg und war von der Fähre aus am schnellsten zu erreichen. Über Nacht waren noch ein paar Locals aus der etwa sechs Autostunden entfernten Hauptstadt Oslo angereist und so standen wir nicht allein auf dem Parkplatz, als wir um etwa 6:15 Uhr den Kopf aus dem Bus steckten. Die Wellen rollten geordnet am Point entlang. Der Wind war zwar etwas schräg auflandig, jedoch stark genug für mein 4,2er-Segel. Einer der Locals war auch schon aus seinem Fahrzeug geschlüpft. Als er sah, wie ich mein Material nahm und losstapfte, meinte er, dass er auch gleich mit rauskommen würde. Was ohne Windsurfer aussah wie zwei bis drei Meter hohe Wellen, entpuppte sich als gut über masthoch. 

Klaas und Henning hatten sich harte Bedingungen gewünscht - und wurden nicht enttäuscht.

Zwischen zwei Sets sprang ich vom felsigen Einstieg ins Wasser und surfte raus. Kurze Zeit später fühlte ich mich plötzlich etwas allein da draußen zwischen den Wellenbergen. Es war sechs Uhr noch was, ich hatte keine Ahnung, wo ich die Welle nehmen sollte und vor allem welche. Die Vorstellung, wie ein Stück Treibgut in die Felsen der Hafenmole geschmissen zu werden, war nicht grade einladend. Der Local, den ich mir als meinen Actionpartner erhofft hatte, schnappte sich anstelle seines Windsurfzeugs eine Kamera und kletterte zu Henning in die Felsen, bevor ich dann wenig später sein Auto verschwinden sah. Nach knapp einer Stunde surfte ich zurück an die Stelle, an der ich ins Wasser gesprungen war. Zwei Locals vor einem Supermarkt erzählten uns von einem Secret Spot, den sie erst kürzlich entdeckt hätten und luden uns ein, ihnen zu folgen. Es waren bereits fünf Windsurfer und ein Kite im Wasser und weitere drei bauten auf. Die Welle brach hinter einem Hügel versteckt vor ein paar Felsen, die auch hier und da zwischen den Wellen aus dem Wasser ragten. Es war etwas kleiner, etwas weniger druckvoll und es sah nach Spaß aus.  

Text: Klaas Voget / Fotos: Henning Nockel  

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Themen: NowegenSüd-Norwegen

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