Die Argentinierin Maria Peck lebt auf den Falklandinseln

 • Publiziert vor 13 Jahren

Interview mit Maria Peck während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

Maria Peck

Wie bist du auf die Falklandinseln gekommen? Ich bin Malerin und kam hierher zum Malen. Hier lernte ich meinen Mann kennen, der ebenfalls malt. Dann zogen wir eine Zeit lang nach Buenos Aires. Jetzt leben wir hier in Stanley mit den Kindern.

Warum möchte man die Falklandinseln malen? Es hat hier sehr viel Ähnlichkeit mit Patagonien. Es ist eine mystische Landschaft, wechselndes Licht. Meine Idee war die Inseln zu malen und das würde die Aufmerksamkeit auf Falkland ziehen, sich gut in Argentinien verkaufen.

Hattest du in Argentinien damit Erfolg? Ja, wir hatten einige Ausstellungen in Buenos Aires.

In Argentinien wird einem in der Schule schon gesagt: Falkland gehört zu Argentinien. Wie hast darüber vor dem Krieg gedacht? Wie jetzt?

Meine Meinung hat sich drastisch verändert. Vorher wusste ich nicht viel und ging, wie alle Argentinier davon aus: Falkland gehört zu Argentinien. Niemand weiß etwas über Falkland. Die wissen nicht, dass hier englisch gesprochen wird, sie wissen nicht, aus wie vielen Inseln Falkland besteht.

Gehört in deinen Augen Falkland zu Argentinien? In gewisser Weise ja, aber ich wollte herausfinden, was stimmt.

Hast du mehr Argentinier erwartet? Nein. Ich wusste, das wir nicht hierher kommen durften, bis Juli 1999. Ich kam gleich nach diesem Abkommen.

Wie fühlst dich als Argentinierin in Falkland? Ich fühle anders als zuvor. Es ist eigentlich egal, was in der Vergangenheit passiert ist. Die Menschen die hier leben, leben hier seit Generationen. Es ist ihre Heimat und sie müssen in Ruhe gelassen werden. Das ist die Realität.

Wie geht’s es dir mit dieser Meinung in Argentinien? Ich argumentiere nicht mehr mit den Leuten darüber. Ich bin sogar von Zeitungen gefragt worden und ich sagte, mir ist es egal wem die Inseln gehören.

Du hast einen Falkländer geheiratet und hast zwei Kinder mit ihm, wie hat man in Argentinien reagiert?

Das war ein Spektakel. Es waren die ersten Kinder zwischen einer Argentinierin und einem Falkländer nach dem Konflikt. Ich war bei Talkshows eingeladen, in Zeitungen, überall in der Presse und ich sagte genau das: Mir ist es egal wem die Inseln gehören!

Wie war die Reaktion?

Meine Meinung wurde akzeptiert, zumindest in meiner Gegenwart.

Wie haben dich die Falkländer behandelt? Am Anfang war es sehr schwierig. Sie wollten nicht, dass ich die Kinder in Stanley zur Welt bringe, also mussten wir nach Buenos Aires fliegen.

Wieso diese Behandlung? Wir waren nicht verheiratet, das war die Ausrede. Dann gaben sie mir keine Erlaubnis zu arbeiten, weil es nicht Teil der politischen Vereinbarung war. Das hat sich heute geändert.

Haben die Falkländer immer noch Angst vor den Argentiniern?

Ich denke einige haben diese Angst.

Es ist eine kleine Gemeinde, man kennt dich? Sie glauben, sie kennen mich.

Schätzen die Falkländer die Tatsache, dass du hier wohnen möchtest?

Manche.

Gibt es viele Vorurteile gegen Argentinier?

Ja, es gibt viel Ignoranz - wie in Argentinien. Die Argentinier wissen nichts über die Falkländer und die Falkländer nichts über die Argentinier.

Wie geht es deinem Mann dabei?

Der denkt genauso. Wir wollen beide hier nicht für immer leben. Diese kleinen Gesellschaften sind nicht gut für die Gesundheit, nicht gut für Teenagers, für anders denkende Paare. Das Wetter ist schrecklich.

Warum lebst du hier?

Aus finanziellen Gründen. Aber wir haben nicht immer hier gelebt. Wir haben in Sydney, in Porta Malge, in Buenos Aires gelebt.

Könnte dein Mann in Argentinien leben?

Es gibt viele Dinge, die er dort auch nicht mag. Es ist schwierig für einen Falkländer. Er wird ok behandelt, aber er wird gesondert behandelt.

Wie viele Argentinier leben auf der Insel?

Vielleicht zehn. Es sind nicht viele. Meine Schwiegermutter war vor dem Krieg mit einem Argentinier zusammen und nach dem Krieg musste er die Insel verlassen. Die haben sich nie wieder gesehen. Manche Argentinier kamen mit einem Brasilianischen Pass.

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    Fotostory: Falkland-Trip

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