Dr. Line Kyhn über Delfine auf den Falklandinseln

 • Publiziert vor 13 Jahren

Interview mit Dr. Line Kyhn während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

Dr. Lynn Kyhn

Meeresbiologin Dr. Line Kyhn aus Kopenhagen schrieb ihre Doktorarbeit über die Commerson- und Peals-Delfine auf Falkland.

Was ist so faszinierend an den Falklandinseln?

Das Faszinierende an den Inseln ist die Nähe zu den Tieren und der Wildnis: Seelöwen, Albatrosse, zwei Delfinarten, vier Pinguinarten. Die Tiere haben keine Feinde an Land. Sie haben wenig Angst und man kann sich ihnen leicht nähern. Das gibt es kaum ein zweites mal auf dieser Welt.

Ist das für dich auch eine Premiere?

Ja.

Warum ist das Tierleben hier auf den Inseln so zahlreich? Weil wir hier so nah an der Antarktis sind. Es gibt viel tiefes Wasser und mit den starken Südwinden und Strömung  wird an den Falklandinseln viel nährstoffreiches Wasser mit viel Leben nach oben befördert. Das ist die Basis der Essenskette. Es gibt viel Energie und somit viel Fisch, Kalamari und Kryll. Das gilt für alle Inseln in der Nähe der Antarktis.

In Südafrika gibt es auch viel Wildleben im Wasser, aber auch viele Weiße Haie, warum nicht auf den Falklandinseln? Ich würde denken, dass das Wasser zu kalt für sie ist.

Wir haben  die Commerson- und Pealsdelfine surfen gesehen, warum surfen Delfine?

Delfine sind so sehr an ihre Umwelt adaptiert, dass sie Extra-Energie haben, um Spaß zu haben. Sie müssen nicht die ganze Zeit jagen. Es sind so gute Jäger, dass sie mit ihrer Überschussenergie surfen gehen.

Ist ein Tier intelligent, wird es die Energie aufbringen können, Spaß zu haben?

Ja, bei Affen, Papageien und Delfinen ist es Spaß, es gibt für mich keine andere Erklärung.

Ist es für Delfine gefährlich, surfen zu gehen?

In Australien habe ich sie in riesigen Wellen beobachtet. Sie riskieren dort sogar ihre Gesundheit. Sie könnten auch ans Riff geschleudert werden. Ich habe einen Farmer  hier auf den Falklandinseln kennen gelernt. Phillip von der Cape Dolphin Ranch beobachtete eines Tages, wie Delfine die Brandung abritten. Eine ganze Gruppe war auf einer Welle. Als die Welle zusammenbrach, schaffte es einer der Delfine nicht aus der brechenden Zone und wurde an Land gespült. Er und seine Frau halfen dem Delfin wieder durch das flache Wasser und durch das Weißwasser. Der gerettete Delfin schwamm schnell weg. So auch die anderen Delfine des Schwarms. Philip stand im hüfttiefem Wasser und schaute den Delfinen nach, als der gestrandete Delfin kehrt machte, zu Philip zurück schwamm und nur für einige Sekunden vor ihm inne hielt, um dann endgültig davon zu schwimmen.

Wie würdest du das interpretieren? Können Delfine Dankbarkeit zeigen?

Ich würde es nicht als solches interpretieren. Dafür gibt es nicht genügend Beweise. In diesem Fall vermute ich, dass der Delfin aus Dankbarkeit so handelte.

Wir haben viele Delfine in der Welle beim Surfen zugeschaut. Geben Delfine an?

Das glaube ich nicht, nicht für Menschen, aber untereinander schon. Das kann man beobachten, wenn sie neben Booten schwimmen und springen.

Sie sind sich aber der Menschen-Beobachter bewusst?

Da bin ich mir auch nicht sicher. Wir mussten immer zu den Delfinen hin und nicht umgekehrt. Der Mensch ist ihnen nicht so wichtig. Geht man aber ins Wasser mit ihnen, sind sie neugierig. Sie spielen auch gerne mit schwimmenden Möwen, die das wiederum nicht lustig finden.

Sind Delfine die intelligentesten Tiere?

Ich würde sie neben Schimpansen zu den intelligentesten Tieren zählen. Schimpansen können nur menschenvertraute Probleme mit ihren Händen lösen und erwecken den Anschein, dem Menschen in punkto Intelligenz näher zu sein.

Warum surfen Pinguine die Wellen? Weil sie Intelligent sind?

Man muss nicht intelligent sein, um Wellen abzureiten. Tiere können Spaß haben, wenn sie ein Überschuss an Energie haben. Pinguine haben sich ebenfalls gut angepasst. Aber ich glaube Pinguine haben oft keine andere Wahl, denn sie müssen durch die Wellen, um an Land zu gelangen. Also ist es mehr die Notwendigkeit als reiner Spaß.

Aber Pinguine sind erstaunlich: Sie schwimmen mindestens ebenso gut wie Delfine im Wasser aber sie leben an Land. Gibt es etwas Vergleichbares?

Seelöwen können ähnlich gut im Wasser schwimmen und sie leben an Land. Schlangen fühlen sich ebenfalls in beiden Elementen wohl.

Pinguine erleben beide Welten. Können sie gut sehen?

Ja, Pinguine können in beiden Elementen gut sehen. Oft beobachten sie vom Wasser aus, was am Strand passiert. Man nennt das Spy-hopping. Killerwale machen das ebenfalls, um Seelöwen am Strand zu jagen.

Fühlen sich Pinguine im Wasser wohler? Nein, im Wasser haben sie viele Feinde wie Seelöwen oder Orcas, während für sie an Land die Lage ruhig ist.

  • Falkland

    29.07.2008Charles Darwin hatte 1833 für die windigen Falklandinseln nicht viel übrig. „Die elenden Inseln“ nannte er sie. Falkland – ein Stück Nichts so groß wie Korsika, berühmt durch den ...

  • Orlando Ruffino kämpfte mit 19 im Falklandkrieg

    29.10.2008Interview mit Orlando Ruffino während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

  • Der Engländer John Smith lebt auf den Falklandinseln

    29.07.2008Interview mit John Smith während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

  • Die Argentinierin Maria Peck lebt auf den Falklandinseln

    29.07.2008Interview mit Maria Peck während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

  • Dr. Line Kyhn über Delfine auf den Falklandinseln

    29.07.2008Interview mit Dr. Line Kyhn während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

Themen: DownloadFalklandFalklandinselnSurfspotsWavespots

  • 0,00 €
    Fotostory: Falkland-Trip

Lesen Sie die SURF. Einfach digital in der SURF-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Österreich: Tauernmoossee

    05.07.2007Normal gehen Windsurfer auf Meereshöhe ihrer Leidenschaft nach: Maui, Gran Canaria, Cabarete, dort werden Rekorde gebrochen und neue Manöver erfunden. Der Slowene Tine Slabe, ...

  • Kapverden

    06.04.2005Boa Vista hat traumhafte Surfspots – das wissen wir schon länger. Allerdings: Bis zum letzten Winter gab es keine vernünftige Surfstation, und die Anreise mit eigenem Surfstuff ...

  • Severne Blade 5,3

    01.03.2012surf-Empfehlung: Top-Segel für technisch versiertere Wavesurfer; mit bestem Handling und guter Kontrolle. Agil mit guter Mischung aus Agilität und ausreichend Power. Kein reines ...

  • North Sails Ram 8,5

    15.04.2011surf-Empfehlung: Das neue Ram ist ein sehr sportlich orientiertes Segel mit bester Leistung, es passt hervorragend zu schnellen Freerace- und Slalomboards. Ein Freeracesegel, dem ...

  • Naish Force 5,3

    15.04.2011surf-Empfehlung: Das Force ist im idealen Windbereich sehr leicht und handlich – ein Genuss für Halsenmanöver und beim Wellenabreiten. Wegen der etwas schlechteren ...

  • Deutschland: Usedom

    08.09.2011Fehmarn, Rügen, Usedom – die drei großen deutschen Ostseeinseln. Während die Spots der ersten beiden längst in vielen Surferhirnen eingebrannt sind, wartet Usedom immer noch ...

  • Deutschland: Speicherbecken Geeste (Leserspot)

    14.07.2004„Ich schreib’ nicht gerne, hab’ aber eine eigene Website von meinem See gebastelt, deshalb müsst ihr euch die Infos anderweitig besorgen, aber Bilder sind genügend da“, ließ uns ...

  • F2 Custom 7,0

    25.05.2012surf-Empfehlung: Ein kraftvolles, fahrstabiles Segel für den unteren bis mittleren Windbereich, leider materialmäßig sehr dürftig ausgestattet.

  • JP-Australia X-Cite Ride 134 Pro

    15.05.2011surf-Empfehlung: Ein sehr gelungenes Board, das sportliches, freies Fahrgefühl mit bester Kontrollierbarkeit kombiniert und so einen breiten Bereich abdeckt. Für Aufsteiger ebenso ...