Orlando Ruffino kämpfte mit 19 im Falklandkrieg

 • Publiziert vor 13 Jahren

Interview mit Orlando Ruffino während der Falklandreise von SURF-Redakteur Steve Chismar im Juli 2008.

Orlando Ruffino

Warum kommst du nach all den Jahren wieder auf die Falklandinseln? Ich komme aus Buenos Aires und für mich war es wichtig, das Problem zu verarbeiten. Ich feiere hier meinen 44. Geburtstag, um meine Leben zu vervollständigen und ein schweres Kapitel abzuschließen.

Mit welchen Erwartungen bist du zurückgekommen? Ich hatte vor Antritt der Reise etwas Angst, war sehr emotional. Als ich hier ankam fiel mir alles leicht, ich hatte keine falschen Erwartungen. Ich wollte meinen verstorbenen Kameraden die letzte Ehre erweisen. Fünf von meiner Kompanie, bestehend aus 30 Mann, sind gestorben.

Was war dein erstes Gefühl hier? Erleichterung. Die Falkländer haben mich sehr nett empfangen. In der Bar traf ich einen britischen Offizier, der in Argentinien studiert hat und dann gegen Argentinien kämpfen musste. Als wir uns beide trafen, musste er weinen.

Wo hast du gekämpft? In Darwin. Ich war 19 Jahre alt. Hab meinen eigenen Graben wieder gefunden. Ich hatte drei Schusswunden in Arm und Rücken und wurde zum Kriegsgefangenen. Ein sehr netter britischer Arzt operierte mich. Wie ist es zu diesem Einsatz 1982 gekommen? Ich war gerade frisch rekrutiert und unterwegs auf einem Schiff. Alles war eine Geheimmission. Keiner der Soldaten wusste etwas von den Malvinas. Zwei Tage vor Ankunft klärte man uns auf.

Wie habt ihr darauf reagiert? Wir waren sehr enthusiastisch. Als Kind wird man bei uns schon so geschult, dass die Malvinas zu Argentinien gehören. Wir wollten die Inseln friedlich zurück erobern. Uns wurde auch gesagt, dass die Falkländer Argentinier sind und auch so behandelt werden müssen, ohne Blutvergießen. Wir glaubten nie, dass die Engländer kommen würden.

Und dann doch der Krieg! Ja, beim ersten Angriff war ich wie verrückt. Es war wie im Film. Ich hatte keine Angst. Dann kam die Kälte, der Wind, der Hunger, die Toten.

Gehört in deinen Augen heute, Falkland zu Argentinien? Ja, geographisch und historisch. Wir waren damals alle gegen die Diktatur aber für den Krieg.

Wie verarbeitet man so eine Niederlage? Schwer! Wir durften nach dem Krieg in Argentinien nicht über den Krieg sprechen. Wir wurden von der Bevölkerung als Verlierer behandelt. Es gab um die 350  Selbstmorde.

Wie geht es dir mit den Engländern heute? Ich habe keine Probleme mit den Engländern, nur mit ihrer Politik.

Gab es etwas Positives an der Zeit als Soldat auf den Malvinas? Ja, ich liebe die Landschaft, die Natur und ich habe die schönsten Sonnenaufgänge meines Lebens hier erlebt.

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    Fotostory: Falkland-Trip

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