Jaws - der legendärste Windsurfspot der Welt

  • Jason Polakow
 • Publiziert vor 5 Jahren

Wo einst die Windsurfer für die spektakulärste Action sorgten, haben zwischenzeitlich Heerscharen von Big Wave Surfern das Regiment übernommen. Zu selten spielten die Bedingungen in den letzen zwei Jahren den Windsurfern in die Hände. Doch im Januar kehrten die tapferen Ritter Jason Polakow, Morgan Noireaux und Robby Swift zurück und eroberten sich den Respekt am legendärsten Windsurfspot der Welt zurück.

Jaws - das Erwachen der Macht

Die letzten zwei Saisons haben wir vergeblich darauf gewartet, dass endlich einmal wieder Wind und Wellen in Jaws zusammenpassen. Mittlerweile hatte sich bei mir Frustration breitgemacht. Zu sehen, dass der Spot jeden Winter von Paddlesurfern dominiert war, von denen die meisten keine Ahnung hatten, dass es einmal die Windsurfer waren, die diesen magischen Spot unter ihrer Kontrolle hatten. Ich hatte mich schon daran gewöhnt, dass in den Windguru-Vorhersagen nur weiße Felder zu sehen waren, wenn ein Swell anrauschte. Doch diesmal war es anders, bläuliche und sogar grüne Schatten füllten die Vorhersage-Boxen – Wind! Sollte tatsächlich der Tag kommen, an dem wir zurückbekommen, was 20 Jahre unser war?

Robby Swift und ich fuhren am Tag X mit dem Jetski raus und in unserem Schlepptau sollte uns ein Boot mit Fotografen und zusätzlichem Equipment folgen. Draußen angekommen sah ich im Channel Boote liegen, die vollgestopft waren mit Big Wave Guns. Bei manchen brauchte man fast eine Leiter, um an die obersten heranzukommen.

"Ich war nie zuvor in Jaws gesurft. Ich habe immer nur am Kliff gestanden und zugeschaut. Aber ich hatte so viele Bilder und Videos gesehen und eine Menge Stories gehört, dass es sich so anfühlte als wäre ich schon zigmal dort gewesen, als ich nun draußen ankam. Ich fühlte mich richtig heimisch. Nach meiner ersten Welle verflog die Nervosität. Klar hatte ich Schiss, dass mich ein großes Set erwischen könnte, doch nach einiger Zeit kam es mir vor wie eine normale Session. Ich hatte sechs oder sieben Wellen, von denen sich einige ziemlich groß anfühlten. Es war ein atemberaubender Tag und machte mir Lust auf mehr.”  Morgan Noireaux

Eigentlich lief für uns alles super, bis ich feststellte, dass ich auf dem Weg raus zum Spot irgendwo meinen Mast verloren hatte. Robby rief unseren Bootskapitän an, der ihm dann beichtete, dass er Motorprobleme hat und erst zwei Stunden später kommen kann. Wir mussten also tatenlos zusehen, wie sich Morgan Noireaux, Kevin Pritchard, Levi Siver, Robby Naish und Brawzinho eine Welle nach der anderen nahmen. Das war die Definition von Folter für mich.  Nach einer gefühlten Ewigkeit kam unser Boot und Robby und ich konnten endlich loslegen. Nachdem wir uns eine halbe Stunde lang augetobt hatten, merkte ich, dass der Wind deutlich schwächer wurde und drehte. Das sahen die Paddlesurfer als Zeichen  für ihren Einsatz und innerhalb weniger Minuten belagerten 30 Surfer den Line-up. Ich wusste, jetzt wird es hart überhaupt noch Wellen zu bekommen.

Jason Polakows erster Tag in Jaws nach zwei Jahren Abstinenz war einer mit Hindernissen. Erst verlor er seinen Mast auf dem Weg zum Spot, dann verabschiedete sich die Gabel – stören ließ sich der Meister davon nicht.

Als das erste dicke Set anrauschte, waren nur noch Robby Naish, Robby Swift und ich von den Windsurfern übrig geblieben. Ich wollte unbedingt eine der Wellen erwischen. Ich pumpte wie blöd, doch der Wind reichte nicht. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass auch Swifty versuchte auf die Welle zu kommen. Aber ich konnte nicht sehen, ob er es schafft. Nach ein paar Sekunden sah ich Robby mit einem breiten Grinsen im Channel auftauchen – er hatte es geschafft. Ich freute mich für ihn, war aber gleichzeitig angepisst, dass ich die Welle nicht erwischt hatte. In der Folge hatten wir alle drei einige gute Ritte, aber die "Epic Monster Bomb" war noch nicht dabei. Manchmal kommt nur ein Monster-Set am ganzen Tag und das wollte ich erwischen. Um fünf Uhr war es dann soweit. Es war kaum noch Wind und ich wollte die Welle unbedingt haben. Doch was passierte? Der Knoten am Gabelbaum-Frontstück löste sich und die Gabel fiel vom Mast. Ich konnte nicht fassen, dass mir so etwas passierte. Mir blieb nichts anderes übrig, als rauszuschwimmen und mich vor der nächsten Welle zu retten. Danach war ich bedient. Das war’s für den Tag.

Am nächsten Morgen rief mich Kevin Pritchard an, um mir zu sagen, dass der Wind um 180 Grad gedreht hatte und Kona Winds in Lanes zur Session riefen. So etwas habe ich in 30 Jahren auf Maui noch nicht erlebt: Ein fetter Swell mit einem Tag Wind von rechts in Jaws und einem mit Wind von links in Lanes – Magic Maui.

"Es war das erste Mal nach drei Jahren, in denen die Bedingungen fürs Windsurfen mal wieder für mich in Jaws passten. Der Wind war so offshore, dass es echt hart war, überhaupt auf die Welle zu kommen. Ich musste mächtig pumpen und den Drop machen, ohne in den Schlaufen zu sein. Ich sah, wie Jason, der nicht so dicht am brechenden Teil war wie ich, über den Wellenkamm nach hinten geblasen wurde und eine ganze Schar von Wellenreitern von dieser Bombe aufgesaugt wurde (siehe nächstes Foto). Wie im freien Fall schoss ich das Face runter. Ich glaube, das war der aufregendste Drop in eine Welle, den ich je gemacht habe.”   Robby Swift  

Die Welle saugt eine Schar von Wellenreitern förmlich auf.

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Themen: HawaiiJason PolakowJaws


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