Redaktion

Einzeltest 2019: Gunsails Bow

  • Manuel Vogel
01.02.2019

GUN hat Den Bogen raus: Wir haben euch bereits die Neuheit von GunSails vorgestellt, das Bow. Während des World Cup Sylt hatten wir die Möglichkeit, das Segel erstmals ausgiebig Probe zu fahren.

Die Idee: GunSails-Entwickler Pieter Bijl erklärt das Konzept so: „Beim konventionellen Segeldesign geht es darum, gute Leichtwindpower mit dem anderen Ende der Fahnenstange, Kontrolle bei Starkwind, zu vereinen. Für maximale Power braucht man ein straff gespanntes Achterliek, das nicht twistet und keine Energie verschenkt. Für Top-Kontrolle muss sich das Achterliek aber wegdrehen und Dampf ablassen, deshalb brauchten wir bei Racesegeln bisher das lockere Achterliek, Loose Leech genannt. Letztlich drehte man sich also als Designer im Kreis, es ging immer nur darum, die unterschiedlichen Anforderungen – Power und Kontrolle – in eine vernünftige Balance zu bringen und Kompromisse zu machen. Mit dem Bow wollen wir die Zwänge des konventionellen Segeldesigns über Bord werfen. Das Achterliek soll gespannt sein, um keine Energie zu verschenken. Durch den oben sehr weichen Mast, soll das Topp bei viel Wind nach Lee wegkippen und verhindern, dass das Segel toplastig wird. In einem Trimm kann das Bow auf diese Weise eine viel größere Windrange abdecken als konventionelle Konzepte.“ So viel zur Theorie.

Hier sind unsere Eindrücke:

An Land:

Der Mast ist eines der Kernelemente des neuen Konzepts. Alle drei Größen des Bow funktionieren auf der gleichen 490er-Mastlänge – beim 6,9er verlängert man nur wenige Zentimeter, beim großen 8,7er knapp 25 Zentimeter. Rein äußerlich sieht der Bow-Mast aus wie jeder normale SDM-Mast. Wenn man den Spargel aber mal mit dem Topp in den Sand drückt, fällt sofort auf, wie weich und biegsam dieser im oberen Bereich ist. Zum Aufriggen schiebt man den Mast, wie bei den meisten Cambersegeln üblich, oberhalb der Camber in die breite Masttasche. Den Mast bis zum Ende durchzuschieben, gelingt aufgrund der starken Vorbiegung der Masttasche im Ziehharmonika-Stil am besten. Bereits ohne Vorliekspannung hat das Bow jetzt schon fast so viel Mastbiegung wie normale Freeracesegel in voll getrimmtem Zustand.

Markantes Design – das Achterliek ist stark konkav, die Masttasche breit wie bei Racesegeln üblich.

Auch das Anklappen der vier Camber funktioniert recht simpel, wenn man den entscheidenden Kniff kennt: Vorliek etwa halb durchsetzen und die Spangen direkt von der Vorderseite der Masttasche andrücken – beginnen sollte man mit dem über der Gabel befindlichen Camber. Erst dann wird das Vorliek durchgesetzt. Angesichts der geringen Trimmkräfte fragt man sich ernsthaft, ob man gerade wirklich ein 4-Cam-Segel riggt. Mit kleiner Trimmhilfe, etwa dem Trapezhaken, zieht man als halbwegs kräftiger Surfer das Bow locker durch, auf die sonst bei Racesegeln notwendigen Trimmkurbeln kann man komplett verzichten. Dabei muss man sich erst mal daran gewöhnen, dass das Bow ohne Loose Leech konzipiert ist, abgesehen von kleinen Fältchen im Topbereich bleibt das Achterliek also immer straff gespannt. Bevor die Gabel am Mast fixiert wird, muss noch eine dünne Mastmanschette aus Hartplastik aufgesteckt werden, diese soll es dem Mast erlauben, sich im Gabelbaum-Kopfstück zu drehen. Auch an der Gabel wird im Prinzip nur locker eingehängt, so wie man dies von Freerace- oder Racesegeln kennt.

Mit Preisen zwischen 669 und 699 Euro liegt das Bow im unteren Preissegment für Freerace- beziehungsweise Racesegel – der Direktvertrieb macht’s möglich. Weitere Infos unter www.gunsails.com

Die Gabel wird auf eine Kunststoffmanschette montiert (rechts), die dem Mast die Freiheit geben soll, zu rotieren ohne, dass die Gabel nach unten rutscht.

Auf dem Wasser:

Das Bow liegt mit tiefem Profil satt und recht fahrstabil in der Hand. Im unteren Windbereich entwickelt das Segel bereits viel Grundzug, wer anpumpt, merkt in der Tat, dass sich im Toppbereich des Segels nichts tut: Kein Flattern, kein Rascheln, das Bow lädt sich bei Leichtwind gut auf. Im Vollgleiten liegt das Gun ausgewogen in der Hand und bleibt auch mit wenig Spannung auf der Trimmschot lange fahrbar. Ob sich der Mast tatsächlich, wie vom Designer angestrebt, innerhalb der Mastmanschette dreht, ist während der Fahrt nicht zu kontrollieren – und letztlich auch egal. Fest steht, dass wir keine Probleme mit rutschendem Gabelbaum hatten, dieser sitzt genauso fest am Mast wie sonst auch.

Positiv überrascht hat uns vor allem die Camberrotation: Bei Segeln mit sehr tiefem Profil mitunter der Knackpunkt, wechselt das Profil beim Bow problemlos die Seite, alle vier Camber rotieren komplett durch. Bezüglich des Gewichts liegt das Bow unserer Ansicht nach im für diese Segelkategorie normalen Bereich.

Während unseres Tests auf Sylt wechselten die Windbedingungen stark – von Angleitbedingungen bis hin zu Vollspeed-Runs war alles dabei.

surf-Fazit:

Das Bow hat in der Tat das Zeug zur Revolution. Allein die Tatsache, dass man ein 4-Cam-Segel fast ohne Trimmhilfe durchziehen kann, ist bemerkenswert. Das Ziel der Entwickler, ein Konzept zu entwickeln, welches in einem Trimm eine große Windrange abdeckt, ist unserer Auffassung nach gelungen. Trotz der Benutzerfreundlichkeit bleibt das Bow natürlich ein Segel, welches sich in erster Linie für sportliche Windsurfer empfiehlt, die einen leistungsstarken Motor für Freerace- und Slalomboards suchen und die keine Probleme mit weit außen liegenden Schlaufen-Set-ups und dem Wasserstart mehr haben. Kleines Manko: Um den speziellen Mast (399 Euro) kommt man unter keinen Umständen herum.


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