Redaktion

Test 2015: Freestylesegel 5,2

22.10.2014

Vor einigen Jahren musste keine Marke ein spezielles Freestylesegel im Sortiment haben. Wer tricksen wollte, konnte dies mit Wavetüchern meist genauso gut. Heute gehören Segel für Trickser bei fast allen Marken zum Sortiment. Warum? Weil sich die Disziplin extrem weiterentwickelt hat und heute vor allem die Eignung bei geduckten Manövern zählt. Welche Modelle mit dem rasanten Wandel am besten Schritt halten (und welche nicht) lest ihr im Test.

Marius Gugg, surf-Tester (78 Kilo), bei der Arbeit.

Bob – Kono – Culo? Air-Kabikuchi sagt dir auch nix? Keine Panik, vermutlich bist du nur einer von 95 Prozent aller Surfer, die mit diesen Begriffen nichts anfangen können. Genauso speziell wie die Namen der angesagten Manöver hat sich die ganze Disziplin in den letzten Jahren entwickelt. Und mit ihr das Material! Konnte man noch vor fünf oder sechs Jahren mit Spock, Flaka und ein paar Switch-Manövern im Worldcup mitmischen, ist das Level seitdem explodiert. Angesagt sind vor allem die Power-Moves, viele davon – beispielsweise Bob, Kono, Culo oder viele andere – beginnen in der Anfahrt mit einem "Duck" also dem Durchtauchen unter dem Segel in die Back-Position. Ein modernes Freestylesegel muss also nicht nur gut gleiten und beschleunigen, sondern sich auch auf Knopfdruck neutral stellen und eine Sekunde später maximale Power für den Absprung liefern. Dass dieses Anforderungsprofil auch spezielle Designs erfordert, scheint auf der Hand zu liegen. Viele Marken haben mit speziellen Modellen darauf reagiert, andere – beispielsweise Vandal (Riot), Sailloft (Quad) und Naish (Boxer) – empfehlen Tricksern Segel, die auch für den Waveeinsatz konzipiert wurden.

In diesem Test haben sich unsere Tester Gereon Gollan, Malte Hecht, Marius Gugg und Manuel Vogel mit acht Segeln einen Drehwurm auf der Ostsee geholt, um herauszufinden, ob die Spezialisten wirklich die entscheidenden Vorteile bieten und was klassische Wave-Freestyle-Konzepte vielleicht sogar besser können. Gerne hätten wir euch auch das Naish Boxer und das RRD Style Pro präsentiert, leider konnten diese Segel nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden.

An Land

Die Segel-Shapes: Vor einigen Jahren waren Flaka, geslidete Switch-Manöver und Spinloops das Maß der Dinge, das ging mit jedem Segel gut, das leicht und agil in der Hand lag. Wer ein leichtes Wavesegel zum Tricksen nutzte, konnte damit nichts falsch machen. Wer schon mal die heute angesagten Power-Moves wie den Kono probiert hat, weiß, dass der schwierigste Teil bereits vor dem Absprung wartet: Bei Vollspeed unter dem Segel durchzutauchen – oft endet dies damit, dass der Mast wie ein Stein ins Wasser rauscht oder einem das Segel um die Ohren fliegt – zumindest, wenn man ein Segel verwendet, das zu bauchig ist und bei dem das Achterliek infolge des üblichen Loose Leech schlabbert. Die Design-Unterschiede kann man anhand der reinen Freestylesegel von North, NeilPryde, Gun Sails, MauiSails, Gaastra und Severne und deren Unterschieden zu den Wave-FreestyleKonzepten Sailloft Quad und Vandal Riot gut erkennen.

Mastlängen und Maße

Fast alle Segel der Gruppe wurden auf einen 400er-RDM-Mast designt, die Gabellängen liegen zwischen 165 und 170 Zentimetern. Besonders kompakt erscheint das Gun, mit auffallend kurzer Gabel und Mastlänge (163/413 cm), dafür weiter ausgestelltem Achterliek. Einzig im North steckt ein 430er-Mast. Ein kleiner Nachteil kann das sein, wenn man – wie bei vielen Tricksern üblich – das 5,3er als größtes Segel nutzen will, man braucht dann einen Mast mehr.

Gleiteigenschaften

Ohne Gleitpower – keine Moves. Bei unseren Test-Sessions behält jeder Tester sein Board, getauscht werden nur die Segel reihum. Auf diese Weise kann man die Unterschiede unter den Segeln ohne große Zeitverzögerungen erspüren. Dabei probieren wir natürlich auch verschiedene Trimmvarianten aus, versuchen aber in der Regel einen Medium-Trimm zu finden, in dem man das Segel auch tatsächlich fahren würde und der nicht nur Gleitleistung, sondern auch ein Mindestmaß an Kontrolle bietet. Wir checken, wie die Segel passiv (ohne Pumpen) auf Touren kommen und auch wie gut diese aktive Pumpzüge in Vortrieb umsetzen. 

Neutralität für Duck-Moves

Ob Bob, Kono, Culo, Burner, Skopu – viele "big moves" haben eines gemeinsam: Sie beginnen mit einem "Duck". Dass sich ein Segel bei Vollgas von einer Sekunde auf die andere von "Power" auf "Neutral" stellen kann, ist eine der größten Herausforderungen an die Segeldesigner und der Hauptgrund, warum reine Freestylesegel anders geshaped sind als beispielsweise Wavesegel, die ja auch gerne zum Tricksen hergenommen werden. Allen Freestylesegeln ist gemeinsam, dass diese mit deutlich weniger Loose Leech auskommen als man dies von Wave- oder Freemovesegeln kennt. Ein straffes Achterliek (ohne Loose Leech) entwickelt beim Ducken einfach weniger störendes Eigenleben. 

Manöverhandling

Bei diesem Kriterium ist weniger die Neutralität ausschlaggebend, sondern die Leichtigkeit, mit der sich das Segel in Manövern wie Spocks rotieren, schiften und durch Halsen und Duck Jibes dirigieren lässt. Eines gleich vorweg: Das Level innerhalb dieser Gruppe ist dabei sehr hoch, praktisch alle Segel eignen sich für Manöver ohne größere Einschränkungen. Wer den direkten Vergleich hat, kann trotzdem Unterschiede feststellen.

Kontrolle bei Starkwind

Eines gleich vorweg: Im Vergleich zu gleich großen Wave- oder Freemovesegeln haben viele Freestylesegel eine etwas kleinere Windrange, das heißt, sie lassen sich bei Hack nicht ganz so lange kontrollieren. Der Grund dafür ist das bereits erwähnte straffe Achterliek (ohne Loose Leech), was bei viel Wind verhindert, dass das Achterliek frei zur Seite twisten kann und so den Dampf ablässt.

Die Testergebnisse dieser Freestylesegel findet Ihr unten als PDF-Download:

• Gaastra Pure 5,2 • Gun Sails Beat 5,3 • Mauisails Loco Pro 5,2 • Neilpryde Wizard 5,1 • North Sails Idol Ltd. 5,2 • Sailloft Hamburg Quad 5,2 • Severne Freek 5,2 • Vandal Riot 5,3

surf-Fazit

Wer darüber nachdenkt, sich ein Segel zum Freestylen zu kaufen, steht erstmal vor der generellen Frage: Reines Freestylesegel oder Wavetuch?  Ein Wavesegel wie zum Beispiel das Sailloft Quad oder das Vandal Riot eignet sich für Surfer besser, die • ihr 5,3er auch regelmäßig in der Brandung einsetzen wollen, • nur gelegentlich tricksen und deren Move-Spektrum bei Air Jibes, Spocks und Flakas endet, • ein Segel mit maximaler Windrange zum Umherheizen bei Starkwind suchen. Der Griff zum Spezialisten-Segel bringt nur einen Vorteil, wenn • du ambitioniert trickst und an Manövern wie Kono, Funnel, Culo oder Burner übst (oder üben willst).

PDF-Downloads

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    Freestylesegel 5,2

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