Redaktion

Flitzebogen

  • Manuel Vogel
10.10.2018

GunSails bringt mit dem Cambersegel Bow ein Konzept auf den Markt, das an einen gespannten Flitzebogen erinnert. Das Versprechen: Geringe Trimmkräfte, kein Loose Leech und eine wesentlich größere Windrange. Entwickler Pieter Bijl erklärt im surf-Interview die Hintergründe.

Das GunSails Bow mit ausgeprägter Mastkurve

Pieter, lange habt ihr ein Geheimnis um das neue Bow-Konzept gemacht, jetzt soll es in Serie kommen. Was verbirgt sich dahinter?

Ganz allgemein ist ein Segel immer ein Kräftedreieck zwischen Masttopp, dem Gabelbaumende und dem Segelhals. Früherbaute man daher Dreieckssegel, weil sie leichten Wind bestmöglich in Power umsetzten. Vor einigen Jahren habt ihr von surf mal einen Aufruf an die Segeldesigner gemacht, ein Gleitsegel mit maximaler Leichtwindleistung zu designen. Alle Designer haben damals das Achterliek gestrafft und den Segeldruckpunkt nach hinten geholt. Das Problem war, dass Konzepte wie die alten Dreieckssegel oder die erwähnten Frühgleiter bei mehr Wind oder bei Böen keinen Druck ablassen konnten und unkontrolliert wurden. Deshalb haben alle modernen, sportlichen Segel aktuell ein gewisses Maß an Loose Leech. Das „lockere Achterliek“ kann in Böen twisten und Druck ablassen, die Kontrolle verbessert sich. Das Problem ist jetzt das Umgekehrte: Bei Leichtwind verschenkt ein lose gespanntes Achterliek einen Teil der Windenergie, erst bei mehr Segeldruck beginnen die Vorteile zu greifen. Konventionelle Segel sind daher nicht so effizient wie wir es gerne hätten. Das Bow-Konzept geht da einen neuen Weg.

Maximale Leichtwindpower und maximale Kontrolle bei Starkwind zu kombinieren, das ist nicht weniger als der „Heilige Gral“ des Segeldesigns. Warum glaubt ihr, diesen gefunden zu haben?

Wir bringen beim Bow die Mastspitze extrem weit nach hinten, indem wir den Mast sehr stark biegen. Das Topp ist somit direkt über dem Gabelbaumende. Trotzdem ist das Achterliek, also die hintere Seite des Segels, gespannt und nutzt bei Leichtwind und beim Angleiten jeden Windhauch. In stärkeren Böen reicht die Segelfläche im Topp aus, um den Mast nach Lee wegdrehen zu lassen. Auf diese Weise vereint das Konzept also beide Aspekte: Leichtwindpower sowie Kontrolle und Speed bei Starkwind, es adjustiert sich selbst, es passt sich an den Wind an.

Die Biegekurve erfordert einen speziellen Mast

Letztlich reden wir auch beim Bow über Segeltwist. Wo genau ist der Unterschied?

Bei einem konventionellen Riggdesign dreht sich das lockere Achterliek auf, um Dampf abzulassen. Beim Bow biegt sich das gesamte Masttopp nach Lee weg, der Mast dreht sich dabei. Dazu haben wir eine spezielle Mastmanschette für den Gabelbaum entwickelt, mit der der Mast nach Lee rotieren kann, der Gabelbaum aber in der Höhe nicht verrutscht.

Reden wir hier über einen konventionellen Mast oder ein komplett neues Design?

Das Konzept unterscheidet sich grundsätzlich von allem Dagewesenen. Deshalb haben wir einen eigenen Mast für das Bow entwickelt. Dieser hat einen Carbongehalt von 70 Prozent. Im Toppbereich kann er sich durch eine spezielle Ausrichtung der Carbonfasern und der Verwendung von weichen Glasfasern extrem biegen und in die gewünschte Richtung rotieren, ohne dass wir ein Bruchproblem bekommen. Ein Standardmast funktioniert in diesem Konzept also ausdrücklich nicht, er würde sich niemals so weit biegen lassen, ohne zu brechen.

Müssen die Trimmkräfte nicht unglaublich hoch sein, um eine derart starke Biegung ins Segel zu trimmen?

Nein, im Gegenteil. Weil der Mast im Topp so weich ist, biegt er sich dort schon bei wenig Spannung sehr stark. Die Trimmkräfte sind daher geringer als beispielsweise bei unserem 3-Cam-Freeracesegel Vector.

Für welchen Typ Windsurfer/-in soll das Bow sein?

Das Bow hat vier Camber, es wird in drei Größen angeboten – 6,9, 7,8 und 8,7 qm. Es richtet sich also zunächst an sportliche Windsurfer, die Cambersegel nutzen. Wir benötigen die Camber im Bow aktuell eher, um die angestrebte Form zu erreichen, weniger aus Gründen der Fahrleistung.

Momentan ist Foilen ein großes Thema und manche Marken bringen dafür sogar eigene Segellinien. Wäre ein Segel wie das Bow deiner Meinung nach ein guter Alleskönner zum Windsurfen und Foilen, mit dem man den Spezialisierungswahn umgehen könnte?

So sehe ich das! Das Bow geht sehr früh los. Wenn es windig wird, klappt das Topp oben weg, wodurch der Druckpunkt sogar nach vorne geschoben wird. Das sorgt dafür, dass man zum Beispiel auf Raumwindkurs immer schön Druck auf dem Mastfuß halten kann und das Foil in Böen nicht ungewollt steigt.

Wäre es möglich, dass Bow-Konzept auch auf camberlose Freeridesegel zu übertragen?

Das wird der nächste Schritt sein und wir werden ihn gehen.

Was kostet das Segel-Mast-Paket?

Der Mast passt in der gleichen Länge für alle drei Größen und wird 399 Euro kostet, die Segel je nach Größe zwischen 669 und 699 Euro.

Einen ersten Test des GunSails Bow haben wir bereits gemacht. Die spannenden Ergebnisse lest ihr in surf 11-12 2018

GunSails Entwickler Pieter Bijl

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