NeilPryde RS:Racing Evo II NeilPryde RS:Racing Evo II NeilPryde RS:Racing Evo II

NeilPryde RS:Racing Evo II

 • Publiziert vor 12 Jahren

Mancher fragt sicher ungläubig, ob Racesegel überhaupt noch verbessert werden können. Wir kennen die Antwort, denn wir hatten sehr früh die exklusive Gelegenheit, ein 2009er NeilPryde RS:Racing Evo II 7,8 gegen das „alte“ 2008er Modell zu fahren. Und wir waren nicht nur über den unerwarteten Leistungsschub überrascht, sondern auch darüber, welche Szenen sich am Rande unseres Tests abspielten.

Egal wer heute mit dem Segel auf dem Wasser war – jeder war damit einfach richtig schnell, das konnte man sehen“, staunte der südafrikanische Speed- rekordhalter Hennie Bredenkamp (42,99 Knoten). Das war Anfang November 2008, es ist Rush Hour in Langebaan, Südafrika: Zum surf-Herstellermeeting bringt NeilPryde-Designer Robert Stroj den letzten Prototypen des RS:Racing Evo II 7,8 mit. Ganz in weiß, das Segel erkennt man auf dem Wasser sofort. Nicht nur Teamfahrer Micah Buzianis dreht damit seine Testrunden, auch die Fahrer anderer Marken sind daran interessiert, mit dem auffällig geschnittenen Tuch mal einen Run auf den Slalomstrip zu legen. NeilPryde-Rider Andrea Rosati will darauf hin auf jeden Fall noch zur Slalom-WM Anfang Januar das neue Modell haben. Und ein Worldcup-Teamrider einer anderen Segelmarke, der seinen Testrun spontan kommentierte: „feels f___ing good, very stable“, taucht ein paar Tage später mit gezückter Handy-Kamera und Zollstock in unserem Testcamp auf. Das alles macht neugierig.

Am Ende der Woche überzeugen wir Neil-Pryde-Designer Stroj, uns das Segel zum Test zu überlassen und auch noch das Seriensegel zu schicken. Von Andrea Rosati (RRD) bekommen wir ein 2008er-Seriensegel zum Vergleich – wir waren auf diesen Vergleichstest eigentlich nicht vorbereitet. Dann durfte endlich das Testteam ran.

Beim Aufbau gibt’s keine großen Veränderungen zu verzeichnen, es fällt aber gleich das geringe Segelgewicht auf. Reduzierte Verstärkungen im Achterliek und dünner Monofi lm wirken eben doch – fragt sich nur, wie lange das hält. Das Profil wirkt fast wie überzeichnet dargestellt, verläuft von sehr bauchig unterhalb der Gabel mit einem markanten Übergang in die fl ache Toppsektion ab der zweiten Latte über der Gabel bis zum sehr weit auswehenden Topp.

Auf dem Wasser twistet das Achterliek erstaunlicherweise zwar weit auf, flattert aber dann praktisch kaum, federt stattdessen in Böen und auf Kabbelwasser harmonisch seitlich weg. Erstaunlich war aber eigentlich, was direkt nach dem Dichtholen passiert: Das Segel bietet eine Beschleunigung, wie wir sie bisher noch nicht erlebt haben. Direkt nach dem Start hat das alte Segel keine Chance, auf den ersten 100 Metern liegt das “Evo II” gleich zwei, drei Boardlängen vorne – und das Gleiche spielt sich nach jeder Halse ab. Was zwischen den Bojen passiert, ist allerdings mindestens ebenso bemerkenswert: Im Grundspeed im mittleren Windbereich ist der Vorteil gering, jedoch gibt es kein Revier mit labormäßig konstantem Wind. Und gerade die kleinsten Windschwankungen nutzt das neue Segel, um sich Stück für Stück abzusetzen – und das scheinbar mühelos.

Denn während der Tester mit dem 2008er-Segel in starken Böen mit zunehmendem Zug auf der hinteren Hand mit sämtlichen unangenehmen Begleiterscheinungen zu kämpfen hat (mehr Druck auf dem hinteren Bein, vorderer Fuß wird eher aus der Schlaufe gezogen als hinein gepresst, Brett neigt zum Rollen und Steigen), setzt beim Evo II die Profilautomatik ein wie ein elektronisches Stabilisierungssystem im Auto. Das Segel bleibt selbst im Grenzbereich leicht, mit gleichmäßigem Zug auf beiden Händen, man meint vielleicht zu spüren, wie der Druckpunkt wenige Zentimeter hin- und herwandert, aber nie nach hinten ausbricht. Und es ist einfach nur ein Riesenspaß, in der Hammerböe noch abzufallen – besonders wenn man weiß, wie der Testpartner hinter einem gerade kämpfen muss. Ganz neu ist die Idee dahinter allerdings nicht.

Lefebvre Power Leech und ART Twister

Bereits 1999 tauchte schon einmal ein ähnliches Robert Stroj-Produkt im Test auf. Damals als ART Twister. Das ganze funktionierte bei viel Wind ebenfalls sehr gut, scheiterte aber an Problemen mit der Gabel – Verstellung, Montage und Haltbarkeit waren nicht vom allerbesten. André Lefebvre hatte mit dem Power Leech ein ähnliches Konzept bereits seit 1987 im Programm. Im 2009er-NeilPryde-Racesegel zeigt das Konzept aber erst wirklich, was damit möglich ist.

Die Größen bis 9,5 sind dabei als Speedund Slalomgrößen gedacht, das 10,7er und 12,0er für die Formula-Fahrer und das 10,0er ist Jugend-Formula-Segel für die Youngster, die auf zehn Quadratmeter limitiert sind.

Fazit: Das ist das Segel mit dem Nachbrenner – in jeder Böe, nach jeder Halse. Der Einsatzbereich wurde nach oben deutlich erweitert und ermöglicht größere Abstufungen in der Palette. Gegen das alte RS:Racing kann sich das Evo II auf allen Kursen in jedem Windbereich spürbar absetzen. Wir sind schon gespannt, wie die Konkurrenz dagegen hält.

Den Bericht mit dem getesteten RS:Racing Evo II 7,8 lest ihr im PDF.

Die Schothornöse ist bei allen Größen zwischen 25 und 30 Zentimeter nach innen versetzt. So wird der „Überhang“ – proportional im Verhältnis zur Gabellänge betrachtet – bei den kleineren Segeln immer länger. Die Folge: Kleine Segel sind mehr auf Topspeed/Kontrolle ausgelegt, die Großen mehr auf Leistung auch auf Amwindkurs.

Segelgewicht: 6,05 Kilo, Verwendeter Mast: NeilPryde X9 460 cm, IMCS 29, 1,85 Kilo, 100 % Carbon, 949 Euro

ART Twister

Themen: DownloadNeilPryde

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