Einzeltest 2017: S2 Maui Dualist

01.08.2017 Manuel Vogel - In Zeiten in denen andere Marken ihr Drei-Latten-Segel wieder aus dem Sortiment streichen, muss man sich seiner Sache sehr sicher sein, wenn man den ersten Zwei-Latter auf den Markt bringt. Oder verrückt?

© Oliver Maier
Einzeltest 2017: S2 Maui Dualist
Einzeltest 2017: S2 Maui Dualist

Warum bringt man ein Zwei-Latten-Wavesegel auf den Markt, wenn selbst Drei-Latter auch nach einigen Jahren immer noch um ihre Existenzberechtigung kämpfen? Das haben wir uns auch gefragt, als wir das Dualist von S2 Maui aus dem Bag gezogen haben. Wir wollten wissen, ob mehr dahintersteckt als Marketing und haben das Segel dorthin geschickt, wo es sich vermeintlich am wenigsten wohlfühlt: Auf die stürmische Ostsee.

An Land: Das eingerollte Segel wiegt kaum mehr als zwei Tetrapaks – 2,52 Kilo sind erstmal atemberaubend leicht. Die Designer Barry Spanier und Art Szpunar erreichen dieses Federgewicht allerdings nicht nur durch das Weglassen von Latten, sondern auch durch die Verwendung eines leichten und geschmeidigen Gitterlaminats. Die Hauptlatte startet unterhalb der Gabelaussparung und endet über dem Schothorn. Diese "Crossbatten" genannte Konstruktion kennt man bereits von Drei-Latten-Konzepten, sie soll Spannung ins Rigg bringen. Die spitze Outline am Topp erinnert etwas an die 80er-Jahre – ein ausgestelltes Topp ist konstruktionsbedingt nicht möglich. Achter- und sogar das Unterliek werden von kleineren Minibattens zusätzlich stabilisiert. Beim Aufriggen muss man sich auf die Trimmangaben verlassen, Loose Leech kennt das Segel nicht und man sollte auch gar nicht versuchen, dieses ins Segel reinzuziehen.

© Oliver Maier Photography
Im Vorliek soll eine Dacronbahn dem Dualist Shape verleihen. Aufgefiert stehen die Latten für neutrales Handling kerzengerade. 
Im Vorliek soll eine Dacronbahn dem Dualist Shape verleihen. Aufgefiert stehen die Latten für neutrales Handling kerzengerade. 

Auf dem Wasser: Um ehrlich zu sein: Auch als zur Objektivität und Neugier verpflichteter surf-Tester hat man seine Vorurteile und Erwartungshaltungen. Zu diesen gehörte es auch, dass ein Zwei-Latten-Segel bei stürmischen Ostseebedingungen mit >25 Knoten sideonshore und 1,5 Meter Welle möglicherweise keine gute Figur abgeben könnte. Umso schöner ist es, wenn man überrascht wird. Flachgezogen und angepowert lädt sich das Dualist ordentlich auf und – große Überraschung – bleibt tatsächlich druckpunktstabil! Während andere Surfer der gleichen Gewichtsklasse an diesem Tag auch mit dem 4,2er Spaß hatten, ließ sich das 4,6er S2 Maui im flachen Trimm noch ordentlich kontrollieren – wenngleich es flachgezogen nicht sonderlich fahrstabil in der Hand liegt und der richtige Anstellwinkel immer wieder gefunden werden muss. Die nächste Überraschung: Auch für 90-Kilo-Surfer war das Dualist keinesfalls zu weich oder schwammig, nix flattert, zappelt und auch in der Luft liegt das Segel ruhig und ohne Eigenleben in der Hand. Und so kann man tatsächlich auch auf der Ostsee die Vorzüge dieses Konzepts genießen: Ultraleichtes Ablegen im Bottom Turn, kompaktes Handling bei Loops und grenzenloses Off auf der Welle.
Ein weiterer Testtag mit weniger Wind offenbarte dann aber auch eine von manchen Drei-Lattern nicht unbekannte Schwäche: Die kleine Windrange in einem Trimm. Das Dualist ist insgesamt ziemlich flach designt und lädt sich dadurch bei Angleitbedingungen nicht so richtig auf, die Gleitleistung ist mäßig – zumindest wenn man einen Trimm wählt, der auch in stärkeren Böen noch genügend Kontrolle bietet.

© Oliver Maier Photography
Minibattens im Achter- und sogar im Unterliek verhindern ein Flattern auch bei Hack erfolgreich.	 
Minibattens im Achter- und sogar im Unterliek verhindern ein Flattern auch bei Hack erfolgreich.
 

surf-Fazit: Das Dualist wird kein Segel für Jedermann. Ändert sich der Wind, muss man spürbar früher umtrimmen als z.B. beim ebenfalls extrem leichten Markenbruder Dragon. Auch dass das Dualist recht technisch zu fahren ist, um den richtigen Anstellwinkel zu finden, kommt Gelgenheitswavern nicht entgegen, Cracks können das mit Technik ausgleichen. Adjustiert man das Dualist jedoch passend, kann man es überraschend lange fahren und wird dann mit rekordverdächtigem Handling belohnt – egal ob man gerade Ostseewellen shreddet oder in cleanen Ozeanklopfern unterwegs ist. In jedem Fall macht das Dualist im richtigen Windbereich Spaß und lässt erahnen, was in Zukunft noch möglich sein könnte.


S2 Maui Dualist

© Oliver Maier Photography
Die diagonale Anordnung der Hauptlatte (Crossbatten) bringt Spannung ins Segel. 
Die diagonale Anordnung der Hauptlatte (Crossbatten) bringt Spannung ins Segel. 

Größen: 4,2/4,6/5,1 qm
Vorliek: 377/389/412 cm
Gabel: 155/164/171 cm
Preise: 598/625/657 Euro
Infos: www.s2maui.com


© Fish Bowl Diaries
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