Schon gefahren: Naish Chopper Segel

 • Publiziert vor 9 Jahren

“Na, wie groß fährst du?” “M.” “Wie bitte?” “Keine Ahnung, wie groß ich fahre.” Mit dem Chopper macht Naish den Surfer-üblichen Smalltalk – und die Kaufentscheidung im Shop – nicht gerade leichter, soviel steht schnell fest. Laut Pressetext soll beispielsweise das Chopper M die Power eines 4,7ers mit der Kontrolle eines 4,2ers kombinieren. Realistisch oder Wunschdenken?

(Tester) Manuel Vogel : (Spot) Hanstholm

Wir haben das neue Segelkonzept über die Nordsee gejagt und zeigen euch, was hinter der Marketingstrategie steckt. Das Chopper wurde als extrem kompaktes Vier-Latten-Wavesegel konzipiert, alle Größen – S, M, L und XL – werden auf einem 3,70er-Mast empfohlen. Die Segel kommen mit recht wenig Vorliekspannung aus, die Anpassung an die Windstärke erfolgt eher über die Schothornspannung. Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau, im Toppbereich wurde großfächig leichtes Gitter-laminat verwendet und sämtliche Features wie Mastprotektor und Verstärkungen lassen keine Wünsche offen. Das Gittermaterial im unteren Segelbereich erscheint allerdings recht dünn. Zuerst haben wir versucht, etwas Licht ins Größendunkel zu bringen und sind die Chopper gegen Konkurrenzprodukte verschiedener Größen gefahren. Das Chopper L entspricht im Leistungsvergleich etwa einem 4,8er, das M einem 4,4er, das S einem 4,0er. Das XL konnten wir leider nicht testen, es dürfte aber etwa einem 5,3er entsprechen. Die, bezogen auf die Grö-ße, recht lange Gabellänge und ein weit hinten liegender Druckpunkt vermitteln zunächst viel Power. Das Chopper ist relativ weich und gedämpft, in Böen wandert der Druckpunkt beim L etwas früher nach hinten, was durch Nachtrimmen am Schothorn korrigiert werden kann und muss.

Insgesamt erscheint das L für Schwergewichte (>80 Kilo) etwas weich und dürfte daher vor allem leichteren Fahrern gefallen. Die Grö-ßen M und S wirken insgesamt straffer und auch für schwere Fahrer geeignet, der 370er passt hier sehr gut. In Manövern und auf der Welle ist es dann egal, ob man gerade ein S oder ein L in der Hand hat, das Chopper wirkt hier extrem agil und leicht. Quasi ohne Krafteinsatz lässt es sich blitzschnell im Bottom Turn ablegen und dirigieren, vermittelt dabei aber immer satten Vortrieb (“Drive”) der dafür sorgt, dass man mit genug Speed an der Wellenlippe ankommt. Auch in der Luft, vor allem bei Front- und Backloops, macht sich das kompakte Design und das federleichte Handling sehr positiv bemerkbar.

surf-Empfehlung: Lässt man den Marketingtext mal außen vor, kann man Folgendes festhalten: Das neue Chopper ist, egal in welcher Größe, extrem leicht und in puncto Handling eine absolute Macht. Die Kombination aus Fahrleistung und Leichtigkeit ist in jedem Falle gelungen. Die Kontrolle ist, vor allem beim S und M, tadellos. Das S und M wird unter allen ambitionierten Wavern sicher schnell Freunde finden, das L kommt bei schweren Fahrern (>80 Kilo), vor allem bei kabbeligen und böigen Bedingungen, an seine (Kontroll-)Grenzen. Hier täte ein vier Meter langer Mast sicher gut, allerdings ist das Variotopp zu kurz, um diesen nutzen zu können. Schade. Auch wenn wir die Größe XL nicht testen konnten, würden wir schweren Fahrern auf Basis unserer Testerfahrung eher davon abraten, denn auch bei diesem Segel hat sich Naish die Option, einen Vier- Meter-Mast zu nutzen, verbaut. Ambitionierte Freestyler finden bei Naish neutralere Segel mit besserem „off“ (z.B. Session) für angesagte, geduckte Moves.

Größen: S/M/L/XL

Preise: 619 bis 679 Euro

Infos: www.naishsails.com

Feines Tuch – jetzt in Klamottengrößen. Nach ausgiebigen Tests können wir euch sagen, ob ihr der Medium- oder der XL-Typ seid.

 

Themen: ChopperNaishSegelSegel


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