Test 2016: Wavesegel 4,5

31.03.2016 Surf Testteam - Erst belächelt, jetzt höchst begehrt. Dank kontinuierlicher Evolution funktionieren diese Konzepte heute so gut, dass sie unter Wavesurfern unbestritten erste Wahl sind. Wir haben die wichtigsten Kandidaten getestet.

© Stephan Gölnitz
Vandal Riot 4,5 - Tester Christian Winderlich - Spot Platboom
Vandal Riot 4,5 - Tester Christian Winderlich - Spot Platboom

Unter echten Wavesurfern kommen Segel mit mehr als vier Latten kaum noch in die Tüte. 3-Latter bleiben weiterhin radikale Spezialisten, toll in selektiven Bedingungen, aber mit insgesamt meist spürbar eingeschränktem Einsatzbereich. Und die 5-Latter wirken vor allem leichteren Wavern häufig zu straff oder nicht agil genug. Dazwischen haben sich die 4-Latter – vor wenigen Jahren noch die kritisch beäugten Neuheiten – permanent weiterentwickelt und bieten für "echte" Wavebedingungen mittlerweile einfach das Maß an Handling, das man sich wünscht – bei ausreichender, oder sogar sehr guter Kontrollierbarkeit. Aus dem Testteam würde keiner einen anderen Segeltyp wählen, egal ob für Kapstadt oder Klitmøller, für die wenigen Sahnetage müssen die Drei-Latter-Träume der Realität eines langen Surfjahres mit vielen "normalen" Wavetagen weichen. Deshalb freuen wir uns, euch hier die beliebteste Gruppe aus dem Wavetest 2016 vorzustellen.

Die Testergebnisse dieser 4,5er Wavesegel finden Sie unten als PDF-Download:

• Ezzy Elite 4,5
• Gaastra IQ 4,5
• Goya Guru 4,5 
• Gun Sails Blow 4,5
• Hot Sails Maui Qu4d 4,5
• Naish Sails Force Four 4,5
• Neilpryde Combat 4,5
• North Sails Hero Hybrid 4,5
• Point-7 Salt Campello Ltd. 4,5
• RRD Vogue Pro MK7 4,5
• Sailloft Hamburg Quad 4,4
• Severne S-1 4,4
• Simmer Style Blacktip 4,5
• Vandal Riot 4,5

Zu den Tests erreichen uns recht ähnliche Leserfragen, das sind die häufigsten drei:

1. Warum testet surf mit 100-Prozent-Masten und nicht mit günstigeren Modellen?
Generell versuchen wir für unsere Segeltests angemessene Masten zu verwenden, möglichst so, wie es auch im Shop überwiegend zu den Segeln gekauft wird. Das bedeutet bei Freemove- oder Freemovesegeln beispielsweise ein Limit von maximal 80 Prozent. RDM-Masten für Wavesegel bieten einige Hersteller leider nicht unter 90 oder teils auch nicht unter 100 Prozent an. Damit die Segel mit Original-Masten gesurft werden können, bleibt in dieser Gruppe keine andere Wahl für einen fairen, wirklich vergleichbaren Test. Unsere Erfahrung hat aber gezeigt, dass gerade Wavesegel mit einem 80- oder 65-Prozent-Mast der gleichen Art (Marke, Biegecharakteristik) kaum anders fahren als mit dem 100er.

2. Warum testet ihr die Größe 4,5 und nicht das häufigere 4,7?
Die Testergebnisse sind nach unserer langen Erfahrung mit sehr wenigen Ausnahmen auf andere Größen übertragbar. Für 4,5 sprechen zwei Gründe: Erstens werden (außer North) ausnahmslos 3,70er-Masten verwendet, was die Segel besser vergleichbar macht, als wenn einzelne – wie in 4,7 – bereits auf einem 400er geriggt werden. außerdem passen die etwas kleineren 4,5er zusammen mit den 5-Latten-Wavesegeln in 5,0 (Test in surf 1-2/2016) noch besser zu unserem Testrevier und Testergewichten, so dass wir die Testzeit maximieren können.

3. Wie werden die Test-Gruppen zusammen­gesetzt?
Wir versuchen zuerst, die nach Leser-Kauf-Interesse wichtigsten Modelle einzuplanen. Wenn dann noch Platz ist, suchen wir gezielt nach besonders interessanten Produkten. Um der unglaublichen Vielzahl bei Wavesegeln gerecht zu werden, testen wir gleich zwei Gruppen (5-Latter in 5,0 und 4-Latter in 4,5) und ausgewählte Drei-Latten-Tücher werden wir in surf 4/2016 ebenfalls vorstellen.

AN LAND

Ausstattung: Vier-Latten-Wavesegel zählen wohl bei jeder Marke zu den Prestigemodellen. Der Einsatz in harten Bedingungen ist geradezu gefordert, eine angemessene Ausstattung kann man daher erwarten. Und da lassen sich die Hersteller durchweg nicht lumpen. Während in anderen Gruppen auch mal recht "fadenscheinige" Verstärkungen auftauchen, wirkt hier kein einziges Modell unterdimensioniert. Im Gegenteil wirken im Grad der Armierung einige Kandidaten nochmals ordentlich aufgerüstet. 

Mastlängen: Alle Segel in 4,5 werden auf einem 370er-Mast empfohlen.

Geometrie und Gabelaussparung: Für Surfer unter 1,70 Meter und über 1,85 ist das oft wichtiger, als ein Punkt mehr oder weniger beim Angleiten – eine unergonomisch montierte Gabel kann deutlich stärker bremsen. Dabei zeigten die Segel im Test keine ungewöhnlichen Einschränkungen für kleinere Surfer, alle Tester hatten nach unten noch reichlich "Luft" in der Aussparung. 

Profilgestaltung: Erwartungsgemäß findest du in dieser Gruppe überwiegend sehr flache Segel mit wenig oder keinem sichtbarem Shape in den Latten.  

AUF DEM WASSER

Gleiteigenschaften: 4-Latten-Wavesegel sind keine Presslufthämmer zum Beackern kleiner Onshorewellen oder Flachwasserpisten. Die meisten Segel fallen recht flach aus, bei einigen muss die Gleitleistung schon als eher mäßig eingestuft werden. Gleitstärke benötigst du aber, um zwischen dicht an dicht rollenden Ostseewellen rauszuspurten. Bei Sideoffshore und ausreichend Wellenabstand aber pfeifen sehr gute Surfer teils drauf und mogeln sich auch im Stop-and-go nach draußen. 

On-Off: Du willst auch bei viel (Sideoffshore-)Wind und auf hohen Wellen das Segel weiterhin filigran mit zwei Fingern dirigieren? Dann benötigst du "Off", das Segel muss sich bei Bedarf neutral stellen. Wer überwiegend auf Nord-und Ostsee in Sideonshore fährt und keine Probleme damit hat, bei Starkwind im Turn auch mal kraftvoll hinzulangen, für den ist diese Note weniger wichtig. 

Handling auf der Welle: Im Automarkt fahren mittlerweile Geländewagen ohne Allradantrieb he­rum, im Segelmarkt passiert sowas zum Glück nicht. Alle getesteten 4-Latten-Segel meistern die höchsten Wellenberge locker, das Limit setzt nur du selber. Und doch: Einige Segel sind einfach nochmals leichter, flinker und lassen sich schneller und lockerer ablegen und wieder aufrichten. Das gibt die entscheidenden Extra-Punkte.

Kontrollierbarkeit – Flachwasser und Freemove:  Angepowert auf der Kabbelpiste – nur um damit von A nach B zu heizen – ist ein hypernervöses Segel so hilfreich wie ein Einrad für dem Weg ins Büro. Trimm-unsensible Segel mit viel Gleitleistung, die eigenstabil im Wind liegen, eignen sich meist besser und surfen sich entspannter. 

Drive im Turn: Drive im Turn ist der Öko-"Kick-down". Bei Onshorewind und kraftlosen Wellen zieht dich viel "Drive" mit Speed durch den Bottom Turn an die Lippe. Nur auf hohen Wellen mit viel Schub, wie in Kapstadt oder an Sahne-Nordseetagen, wirst du auch ohne Segelzug schnell genug, dann wird "Drive" zur Nebensache.

© Pierre Bouras
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