Redaktion

Test 2018: Wavesegel 4,5 qm

  • Surf Testteam
28.06.2018

4-Latten-Wavesegel werden alltagstauglicher. Der Test zeigt, welche Segel fast überall funktionieren und welche nur bei speziellen Bedingungen gut aufge­hoben sind. Zwei 3-Latter und ein 5-Latten-Segel mischen in der Gruppe ordentlich mit.

Test 2018: Wavesegel 4,5 qm

Hut ab vor den Segelmachern. Denn die Ansprüche an die radikalsten Wavesegel sind längst nicht so eindimensional, wie man glauben könnte. Parallel zur Entwicklung der Waveboards, die immer vielseitiger – und bei gleicher Radikalität einfacher zu surfen sind – haben sich auch die Segel entwickelt. Nie waren Segel so handlich, aber auch einfach zu surfen zugleich. Die Zeiten, als man sich für Handling oder Gleitleistung entscheiden musste sind vorbei und auch scheinbare Gegensätz wie "Off" und "Drive" lassen sich offensichtlich miteinander in einem Segel vereinen. Und wer als Segelmacher diesen Pfad der ausgewogenen Mitte verlassen hat, tat das sicher mit gutem Grund. Denn neben den zahlreichen Allroundern in der Gruppe haben auch die radikalsten Spezialisten – auf der einen oder anderen Seite der Skala – absolute Berechtigung, indem sie in einzelnen Eigenschaften nochmals hervorstechen. Wir wissen schon jetzt: die Wahl wird nicht leicht fallen, denn auch unter den fünf Testern dieser Gruppe hatte am Ende jeder mindestens drei oder vier Favoriten, zwischen denen er hin und her gerissen war. Die Auswahl ist also erfreulich groß und ein echter "Fehlkauf" sollte nach Lektüre des Tests eigentlich ausgeschlossen sein.

Den gesamten Test mit allen Testergebnissen finden Sie unten im Download-Bereich:

Ein Tuch für jede Welle: 4-Latten-Wavesegel werden zunehmend alltagstauglicher – aber nicht alle. Der Test zeigt, welche Segel nahezu überall funktionieren und welche Tücher nur bei speziellen Bedingungen gut aufge­hoben sind. Zwei 3-Latter und ein 5-Latten-Segel mischen in der Gruppe ordentlich mit.

AN LAND

Profile und Trimmbesonderheiten: Um in dieser Segelgruppe bestehen zu können, haben sich alle Hersteller für mindestens ein 4-Latten-Segel aus ihrem "Stall" entschieden. Im Test der reinrassigen Wavesegel geht’s um Handling, Leichtigkeit und Kontrolle. 

Materialien und Verstärkungen: Auffallend sind beim S-1 Pro und Avanti Fenix die engmaschig komplett durch das Segel verlaufenden Verstärkungsfäden. Zwischen zwei besonders dünnen Folien sind, jeweils vom Topp, Schothorn, neben den Lattentaschen und Trimmblock, entlang der Zugkräfte, hochwertige nahezu reißfeste Technora-Fasern und Dyneema X-Ply bei Severne, Aramid-Fasern und Kevlar im X-Ply bei Avanti, einlaminiert. Dies soll die gesamte Spannung im Segel kontrollieren. Diese Segel werden in der Produktion in einem Stück vorlaminiert und dann nur zur Profilierung unter den Lattentaschen geteilt und dann wieder zusammengenäht. Außer unter den Segelllatten und an der Vorlieksbahn sind daher keine weiteren Nähte im Segel vorhanden.  Dadurch soll ein besseres Handling und Kontrolle erreicht werden, durch optimale Spannungskontrolle und maximale Gewichtseinsparung. Dieses Material ist meist reißfest, allerdings wegen der dünnen Folie zwischen den Fäden empfindlich gegen punktuelles "Durchstechen". Reparaturen sind aufwändiger, der Preis höher. Die Segelgewichte sind rekordverdächtig.

Arbeitsbeginn für die SURF Testcrew

AUF DEM WASSER

Gleiteigenschaften: Auch wenn die Gleiteigenschaften bei der Entwicklung der Wavespezialisten nicht ganz oben auf der To-do-Liste stehen dürfte, glänzen einige Segel mit sehenswerter Fahrleistung, die zeigt, wie klein der Schritt zwischen den getesteten radikalsten Tüchern und den Power-Wavesegeln mit überwiegend fünf Latten (Test folgt in surf 4/2018) nur noch ist. Die Angst davor, bei Onshorewind einzuparken, ist beim Großteil der Segel unbegründet.

Fahrstabilität: Das neue Notenkriterium im Test. Die "Fahrstabilität" beschreibt, wie eigenstabil ein Segel beim Dümpeln und in Gleitfahrt in den Händen liegt, wie es in einfallenden Böen reagiert. Viele Surfer empfinden bei guter Stabilität das Raussurfen entspannter, sehr feinfühlige Wavesurfer verzichten da­rauf unter Umständen zu Gunsten maximaler Agilität.

Kontrolle im oberen Windbereich:  Alle getesteten Segel funktionieren auch bei Starkwind gut, mit den Windspitzen bei stark böigem Sideoffshorewind kommen einige Segel aber nochmals spürbar besser klar als andere. In weniger ruppigen Revieren wird diese Note dagegen entsprechend weniger wichtig.

Fahrgefühl: Soft oder straff – eine Frage des Geschmacks. Fällt eine Böe ein, oder pumpst du zweimal schnell am Segel, wirken manche Segel elastisch, du spürst, wie sich Profil und Materialien etwas dehnen und die Spannungsspitzen dämpfen. Andere Segel lassen dich jeden zehntel Knoten Windänderung spüren, beim Pumpen gibt es keinen Gummiband-Effekt, jedes Zupfen an der Gabel kommt direkt und mit einer Millisekunde Verzögerung im Segel an.

Handling auf der Welle: Unabhängig von der maximalen Neutralität auf der Welle und bei starkem Wind beurteilen wir das Handling im idealen Windbereich: Wie leicht liegt das Segel in der Hand? Wie schnell lässt es sich ablegen und wieder aufrichten? Wie agil reagiert es um die Längsachse?

"Off" auf der Welle: Es gibt Bedingungen, da ist jeder Zug, jedes Eigenleben des Segel unerwünscht: Auf großen Wellen mit viel Speed und bei schräg ablandigem, starkem Wind. Wer den Winterurlaub in Kapstadt verbringt, sollte hier genauer hinschauen. Wer überwiegend an Nord- und Ostsee unterwegs ist, benötigt eher zusätzlichen Speed im Turn und schaut statt aufs "Off" auf den "Drive".

Drive im Turn: Das ist der Power-Schalter, wenn der Wellenschub fehlt, oder wenn du für einen aggressiven Bottom Turn noch Extra-Schub benötigst. Idealerweise zieht dich das Segel beim Ablegen regelrecht in die Kurve. Der beste Drive ist dabei nicht einfach nur unbändige Power in den Händen, sondern dosierbar einsetzbare, zusätzliche Energie.

Sail Guide Wavesegel

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe SURF 1-2/2018 können Sie in der SURF App (iTunes und Google Play) lesen – die Print-Ausgabe erhalten Sie hier.

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