Redaktion

Test Wavesegel 2015 - 4,5 qm

06.03.2015

Jeder redet davon, wir konnten sie bereits testen: die neuesten Drei-Latten-Segel. Nicht jeder braucht eins, viele sollten die Finger davon lassen, aber einige werden nie wieder etwas anderes in die Hände nehmen. Die Alternative mit vier oder fünf Latten liefern wir gleich mit.

Segel Severne S-3 4,7, Tester Frank Lewisch, Spot Scarborough

17 Wavesegel – das ergibt eine Menge Tuch.   Und reichlich Fragen, die dieser Test beantworten soll. So einen großen Batzen wirklich ausgiebig zu testen, dafür reichen drei, vier Tage an der Nordsee nicht aus. Glücklicherweise können wir den Wavesegel-Test in einen großen Mega-Test mit insgesamt über 80 Produkten integrieren und haben dafür fünf Wochen zur Verfügung. An den schwachen Windtagen wird dann die Langebaaner Piste mit großen Freeridern gebügelt, dazwischen finden sich immer wieder mehrere gute Windtage für den Wave-Test. Nur so konnten wir uns von diesen vielen und vor allem vielen neuen Segeln einen fundierten Eindruck verschaffen. Mit den neuen Drei-Lattern am Start ist dieser Test dabei für uns und hoffentlich für euch so aufschlussreich wie nie.

Alle Testergebnisse dieser Wavesegel finden Sie unten auch als PDF-Download:

• Challenger Sails Three-G 4,5  • Gaastra IQ 4,5 • Goya Fringe 4,5 • Gun Sails Aqua 4,6 • Gun Sails Blow 4,6 • Mauisails Mutant 4,6 • Naish Force Three 4,5 • Naish Session 4,5 • Neilpryde Combat 4,5 • Neilpryde The Fly 4,5 • North Sails Hero 4,5 • North Sails Volt 4,5 • Sailloft Hamburg Quad 4,4 • Severne s-3 4,7 • Simmer Style Blacktip 4,5 • Simmer Style Tricera 4,5 • Vandal Riot 4,5

Materialien, Verarbeitung, Profil und Co.

Der Beach-TÜV 2015 bringt vom Unterliek bis zum Topp vor allem Erfreuliches ans Sonnenlicht. Etwas anderes als dicke, gut gepolsterte Protektoren kann sich einfach kein Hersteller mehr erlauben, darunter liegen solide Rollenblöcke. Die anschließende Unterliekspartie unterhalb der Gabel besteht ausschließlich aus soliden Materialien, die gefährdeten Nähte sind durchweg durch Gummileisten oder Überlappung der Bahnen gegen Durchscheuern geschützt. Beim überwiegend im Segel verwendeten Material werden 2015 ausschließlich Laminate (X-Ply) verwendet, Einen Ausreißer nach unten konnten wir bei der "theoretischen" Beurteilung nicht ausmachen und fünf Wochen Test sind leider zu kurz, um Langzeitprognosen abzugeben. Für den einen oder anderen dürfte auch die Mastempfehlung wichtig sein, denn bei Vorliekslängen unter vier Meter verlangen die meisten Segel einen 370er-Mast. 

Latten-Ausstattung

Bei der Lattenanordnung herrscht bei den Drei-Lattern Uneinigkeit. Während bei Challenger, Goya und Simmer die unterste Latte komplett unter der Gabel verläuft, lassen NeilPryde, Gun Sails und Naish die Latte als "Cross Batten" diagonal durch die Gabel laufen. Bei Naish endet diese allerdings bereits ganz knapp über dem Schothorn. Wegen der fehlenden vierten Latte sind die Drei-Latter – außer Naish, Severne und Simmer, im Unterliek leicht konkav geschnitten. Beim Naish Force Three hätte diese Maßnahme eventuell auch das leichte Flattern verhindern können. Mit fünf Latten trauen sich das Naish Session und das North Sails Volt in den Test, wobei – das muss man jetzt schon wissen – gerade diese Segel bei extremen Bedingungen mit hohen Wellen und viel Wind gut funktionieren.

Gleiten und Kontrolle

Zum Angleiten benötigt man ordentlich Profil – und das ist entweder schon an Land in der Lattenkrümmung zu sehen, oder zieht sich spätestens unter Druck ins Segel. Während Skeptiker bei den neuen Drei-Latten-Segeln vor allem über mögliche Probleme bei Starkwind spekulierten, empfanden wir die Kontrollierbarkeit insgesamt kaum nachteilig. Sicherlich liegen alle Drei-Latter recht sensibel – man könnte auch sagen unruhiger – in der Hand. Die Bestnoten für die Kontrollierbarkeit beim Rausfahren und auf Flachwasser verteilen wir aber nur dann, wenn ein Segel druckpunktstabil und fahrstabil zugleich bleibt. Einigen Drei-Lattern fehlt dafür überraschenderweise eher etwas "Dampf". Wenn es fürs Gleiten nicht reicht, wird eben rausgedümpelt und dabei unterscheiden sich die Geschmäcker, welches Segel man bevorzugt, deutlich. Surfer, die gerne mittig oben auf dem Board stehen und das Segel mit zwei Fingern führen, sensibel auf einfallende Böen reagieren, können das am besten mit Tüchern mit viel "Off". Wer sich lieber leicht ins Segel hängt und in der Böe einfach nichts tun will, als sich etwas fetter abzusetzen, der ist mit fahrstabilen Segeln mit guter Druckpunktstabilität wahrscheinlich besser bedient. Die Stunde der Drei-Latter schlägt dann uneingeschränkt auf der Welle.

Waveriding

Denn wenn es um bestes Handling geht, das Segel bei Top-Speed im Bottom Turn abgelegt und dann blitzschnell für den Top Turn wieder angestellt werden muss, dann zählen nur Agilität, "Off" und Leichtigkeit. Ein Drei-Latter legt da auf dem Papier schon mal einen guten Start hin. Doch das "Trockengewicht" alleine sagt noch längst nicht alles. Kompakte, gedrungene Outlines sorgen ebenfalls für weniger Trägheitsmoment und damit schnelle Reaktion. Segel mit knapp über vier Meter Vorliekslänge wirkt dagegen mittlerweile fast lang und gestreckt. Bei diesen Schnitten setzen die Designer auf einen anderen Trick für ebenfalls bestes Handling: Die kurze Gabel, ein weit vorne liegender Segeldruckpunkt und dazu ein flaches Profil, sorgen dafür, dass gerade diese Segel um die Hochachse, also beim Fieren an der Wellenlippe beispielsweise, besonders agil reagieren. Kurze, gedrungene Outlines lassen sich dagegen besonders schnell um die Horizontalachse in den Bottom Turn ablegen. Insgesamt waren alle Segel auf der Welle flink genug für sämtliche Moves. Ein mindestens "gutes" Handling können wir jedem dieser radikalen Wavesegel attestieren. An der Spitze im Wellenhandling sahen am Ende alle Tester – zumindest bei entsprechend passenden Windbedingungen – ausnahmslos alle Drei-Latten-Segel. Für Wave-Einsteiger und gemäßigte Reviere dürften einige dieser Segel allerdings eine Nummer zu anspruchsvoll sein.

Eignung für Wave-Einsteiger

Auch wenn Wave-Einsteiger selbstverständlich von gutem Handling ebenfalls profitieren, so fehlt es bei einigen Tüchern an Gleitpower und an Feedback auf der Welle. Gerade die ersten Turns werden mit "Drive" gefahren, mehr Power im Turn hilft auch, den Speed überhaupt bis an die Wellenlippe mitzunehmen. Denn auch beim Springen – das war unser Testeindruck – sind die DreiLatter gegenüber den "klassischen" Segeln benachteiligt.

Springen – Kontrolle erforderlich

Denn genau wie bei Starkwind auf Flachwasser vermitteln Segel auch in der Luft eine  bessere oder schlechtere Kontrollierbarkeit. Unabhängig davon, dass die leistungsschwächeren Segel weniger rasant auf Take-Off-Speed beschleunigen, vor allem das indirektere Verhalten in der Luft verschafft den Segeln mit strafferem, definiertem Profil einen Vorteil gegenüber den Drei-Lattern. Egal ob Frontloop, Backloop oder Pushloop – bei jedem Move dirigierst du das Segel feinfühlig und kontrollierst dabei Druck oder Zug je nach Flugphase. Abrupte Lastwechsel wie bei den agilsten Segeln, die auch in der Vorlieksbahn viel arbeiten – was auf der Welle zu bestem "On-Off" führt – sind in der Luft eher unerwünscht. "Deshalb sieht man in eher reinen Sprungrevieren wie Gran Canaria auch keine Drei-Latten-Segel, auf Maui dagegen schon", murrte ein Tester. Noch größere Unterschiede wirst du allerdings beim "Bump & Jump" auf Flachwasser erfahren.

Flachwassereignung

Denn auch wenn dies natürlich die radikalsten Wavesegel sind, die der Markt hergibt –unbestritten ist es auch die meistverkaufte Segelgruppe und viele Wavesegel schredden nicht die Traumreviere von den Magazin-Titeln, sondern sollen die besten Starkwindtage auf Flachwasser, kleiner Onshore-Welle oder vielleicht am Ijsselmeer befeuern. Dafür findest du in der Note "Kontrollierbarkeit Rausfahren/Flachwasser" eigentlich bereits auch die wichtigste Empfehlung. Dabei werten wir Druckpunktstabilität plus Fahrstabilität, das führt zur Abwertung einiger auf der Welle sehr gut kontrollierbarer Segel, die dort mit bestem "Off" glänzen, aber auf Flachwasser eher nervös in der Hand liegen. Nicht überraschend liegen hier die Modelle vorne, die in SURF 3/2015 in der Größe 5,3 bei den "Power-Wavesegeln" noch ausführlicher unter die Lupe genommen werden.

Bis dahin überlassen wir euch diese bis heute radikalste Wavesegel-Testgruppe aller Zeiten und hoffen, dass ihr "euren" Favoriten findet, so wie auch für unsere fünf Tester mit unterschiedlichsten persönlichen Ansprüchen am Testende für jeden mindestens zwei oder drei Traumsegel dabei waren.

PDF-Downloads

  • 1,99 €
    Wavesegel 4,5

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