Der segelnde Windsurfer: Interview mit Nicolas GoyardFoto: John Carter

PortraitsDer segelnde Windsurfer: Interview mit Nicolas Goyard

Der Franzose Nicolas Goyard schockte beim ersten Worldcup 2021 in Israel die gesamte Konkurrenz. Mit absoluter Dominanz fuhr er der gesamten Weltelite mit dem Foil um die Ohren. Nach den Slalom-Rennen schnappte sich Fotograf und Autor John Carter den 25-jährigen Foil-Spezialisten und versuchte im Interview, dem Geheimnis seines Erfolgs auf die Spur zu kommen.

In der Regattaszene sind Nicolas und sein Bruder Thomas alles andere als Unbekannte. Thomas surft für Frankreich bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr auf dem RS:X und Nicolas war 2019 und 2020 bereits IFCA Foil-Weltmeister. Auf der PWA-Worldtour traten die beiden bislang nicht so sehr in Erscheinung. Bis Nicolas beim ersten Worldcup nach eineinhalb Jahren Coronapause das neue Format im Slalom – freie Wahl, Foil oder Finne – für sich nutzte und als einziger Fahrer alle Rennen mit dem Foil bestritt und überlegen gewann. Worldcup-Fotograf John Carter warf Nicolas nach dem Event einfach einige Stichworte zu – und bekam ausführliche Antworten.

FOILEN

Ich habe vor fünf oder sechs Jahren mit dem Foilen begonnen und es sofort geliebt, denn ich komme aus dem Segelsport. Ich bin auf einem Boot aufgewachsen, habe vorher viel Optimist gesegelt, dann Techno 293 und RS:X. Hart zu kreuzen und tief raumschots zu fahren hat mich schon immer fasziniert. Das Foil ist einfach so schnell in jedem Winkel zum Wind. Mit dem Foil kann ich überall hinsurfen, wo ich will. Außerdem bin ich heiß drauf, die Grenzen dieser neuen Disziplin immer weiter zu verschieben. Ich liebe alle Seiten des Foilens, den Starkwind, den Leichtwind, und ich will einfach in jedem Bereich effizienter werden. Ich habe einen etwas technischen Hintergrund, also konzentriere ich mich darauf, jedes einzelne Detail zu verbessern, um auf dem Wasser effizienter zu werden. Man muss verstehen, wie das alles funktioniert, um den Sport weiter voranzutreiben. Es ist ein wirklich technischer Sport und man muss die Physik dahinter verstehen und wie es funktionieren soll.

Segeln und Windsurfen gehört für Nicolas Goyard zusammen, was vermutlich auch daran liegt, dass er auf einem Boot aufgewachsen ist.Foto: Jerome Houyvet
Segeln und Windsurfen gehört für Nicolas Goyard zusammen, was vermutlich auch daran liegt, dass er auf einem Boot aufgewachsen ist.
"Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen."Foto: John Carter
"Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen."
Nicolas Goyard ist vielleicht der erste Windsurf-Profi, der die Zukunft des Windsurfens in erster Linie auf dem Foil sieht. Windsurfen mit Finne hat für ihn keinen großen Reiz mehr.Foto: John Carter
Nicolas Goyard ist vielleicht der erste Windsurf-Profi, der die Zukunft des Windsurfens in erster Linie auf dem Foil sieht. Windsurfen mit Finne hat für ihn keinen großen Reiz mehr.
Während Nico beim Worldcup in Israel eine Palastrevolution auf dem Foil anzettelte, bereitete sich Bruder Thomas (rechts) auf dem RS:X für die Spiele in Tokio vor. Gemeinsam gehen sie schon mal auf Segeltörn (ganz rechts).Foto: John Carter
Während Nico beim Worldcup in Israel eine Palastrevolution auf dem Foil anzettelte, bereitete sich Bruder Thomas (rechts) auf dem RS:X für die Spiele in Tokio vor. Gemeinsam gehen sie schon mal auf Segeltörn (ganz rechts).
Nicolas GoyardFoto: John Carter
Nicolas Goyard
»Mein Bruder Thomas und ich sind auf einem Boot aufgewachsen.«Foto: John Carter
»Mein Bruder Thomas und ich sind auf einem Boot aufgewachsen.«
Nicolas und Thomas GoyardFoto: Jerome Houyvet
Nicolas und Thomas Goyard
Derzeit fährt Nico noch mehrgleisig – PWA-Worldcup und Olympiaklasse iQFOiL, dazu noch Entwicklungsarbeit für Phantom.Foto: John Carter
Derzeit fährt Nico noch mehrgleisig – PWA-Worldcup und Olympiaklasse iQFOiL, dazu noch Entwicklungsarbeit für Phantom.
"Die Zukunft gehört dem Foil."  |  Nicolas GoyardFoto: John Carter
"Die Zukunft gehört dem Foil." | Nicolas Goyard
Nicolas GoyardFoto: Jerome Houyvet
Nicolas Goyard
Nicolas GoyardFoto: John Carter
Nicolas Goyard
»Es wird Anfänger geben, die eher foilen als gleiten können.«Foto: John Carter
»Es wird Anfänger geben, die eher foilen als gleiten können.«
Segeln und Windsurfen gehört für Nicolas Goyard zusammen, was vermutlich auch daran liegt, dass er auf einem Boot aufgewachsen ist.Foto: Jerome Houyvet
Segeln und Windsurfen gehört für Nicolas Goyard zusammen, was vermutlich auch daran liegt, dass er auf einem Boot aufgewachsen ist.
"Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen."Foto: John Carter
"Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen."
"Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen."
Nicolas Goyard ist vielleicht der erste Windsurf-Profi, der die Zukunft des Windsurfens in erster Linie auf dem Foil sieht. Windsurfen mit Finne hat für ihn keinen großen Reiz mehr.
Während Nico beim Worldcup in Israel eine Palastrevolution auf dem Foil anzettelte, bereitete sich Bruder Thomas (rechts) auf dem RS:X für die Spiele in Tokio vor. Gemeinsam gehen sie schon mal auf Segeltörn (ganz rechts).
Nicolas Goyard
»Mein Bruder Thomas und ich sind auf einem Boot aufgewachsen.«
Nicolas und Thomas Goyard
Derzeit fährt Nico noch mehrgleisig – PWA-Worldcup und Olympiaklasse iQFOiL, dazu noch Entwicklungsarbeit für Phantom.
"Die Zukunft gehört dem Foil."  |  Nicolas Goyard
Nicolas Goyard
Nicolas Goyard
»Es wird Anfänger geben, die eher foilen als gleiten können.«
Segeln und Windsurfen gehört für Nicolas Goyard zusammen, was vermutlich auch daran liegt, dass er auf einem Boot aufgewachsen ist.

WORLDCUP ISRAEL

Mein Plan war nicht unbedingt, die ganze Zeit in Israel zu foilen. Ich war mir nicht sicher, ob ich bei dieser Windstärke mit dem Foil fahren kann. Ich wusste, dass ich bei starkem Wind foilen kann, aber ich wusste nicht, dass ich bei diesem Wind so effizient foilen kann. Kurz vor den Rennen habe ich ein paar neue Einstellungen gefunden, die wirklich gut funktionierten, so dass ich mich sicherer fühlte, als ich es vorher erwartet hatte. Ich entschied mich, es zu versuchen. Ich wusste, dass es knapp würde, wenn die anderen mit Finne 7,8er- Segel fuhren, aber ich hätte nie erwartet, so weit vorne zu sein, wie ich es an den ersten paar Tagen war. Auf der Geraden waren wir alle sehr eng beieinander, bei den böigen und drehenden Winden konnte ich mithalten, aber bei den Halsen holte ich 20 bis 30, manchmal sogar 50 Meter Vorsprung raus. Dann war es geschafft! Wenn man auf dem Foil die gleiche Geschwindigkeit wie mit den Finnen hat, mit dem Vorteil, den man bei den Halsen hat...dann ist es vorbei! Die Strategie beim Halsen mit der Finne ist eine völlig andere als auf dem Foil. Es ist schwer, auf dem Foil die gleiche Kurve zu fahren wie mit der Finne. Aber man hat viel mehr Möglichkeiten und kann auch mit einer weiten Halse noch überholen, denn man verliert so gut wie keine Geschwindigkeit. Das ist bei allen Bedingungen super-effizient. Schon nach dem ersten Tag war im Grunde genommen der Job für mich erledigt. Ich versuche einfach, die Grenzen des Foilens immer weiter zu verschieben. Ich bin glücklich, dass ich gewonnen habe, aber noch zufriedener bin ich, dass ich der Welt gezeigt habe, dass dies eine Option ist, die man nutzen kann, und vielleicht können wir sie noch weiter ausbauen. Ich war mir bewusst, dass dies sehr knifflige Bedingungen für die Fahrer mit Finne waren. Das müssen wir im Hinterkopf behalten. Es war böig und wechselhaft mit Winddrehern, das hat mir in die Hände gespielt. Einige Male war der Kurs ziemlich hart am Wind und das war mit dem Foil super einfach. Ich fühlte mich die ganze Zeit über effizient. Aber vielleicht wäre es bei perfekten Bedingungen für die Finnen viel enger gewesen. Ich weiß nicht einmal, ob ich dann überhaupt in die Finalläufe gekommen wäre. Wir werden sehen, wie das alles an anderen Spots funktioniert und was die Foils dort leisten können.

Mein 7er-Segel und den 550er-Flügel habe ich nur nur für ein Rennen am zweiten Tag benutzt, weil der Wind noch ein bisschen mau war. Ansonsten war ich mit meinem 6er und meinem kleineren Flügel, dem 430 Phantom, unterwegs. Es ist ein deutlich kleineres Segel im Vergleich zu vielen der Slalomfahrer. Ich habe das Gefühl, dass ein größeres Segel viel Luftwiderstand erzeugen kann. Sobald man auf dem Foil ist, braucht man nicht mehr so viel Kraft, um weiter effizient zu foilen. Bei den Halsen ist man durch das kleine Segel wendiger und kann besser angreifen. Ich hatte meine GPS-Uhr an, um aufzuzeichnen, wie schnell ich unterwegs war. Am ersten Tag, im letzten Rennen, erreichte ich 35 Knoten auf dem Foil als Höchstgeschwindigkeit. Matteo Iachino hat mich auf dem ersten Schlag überholt. Ich glaube, er fuhr 37 Knoten mit der Finne. Die Finne ist immer noch schneller, aber man muss hart dafür pushen. Sobald es auf längere Strecken oder gegen den Wind geht, ist das Foil so viel einfacher, um schnell zu bleiben. Mit der Finne muss man pushen, pushen, pushen. Es ist körperlich viel anstrengender.

  »Ich habe das Gefühl, allen anderen einen Schritt voraus zu sein.«Foto: John Carter
»Ich habe das Gefühl, allen anderen einen Schritt voraus zu sein.«

BACKGROUND

Ich wurde in Frankreich geboren. Meine Eltern lebten auf einem Boot, mit dem wir nach Neukaledonien segelten, als ich noch ganz klein war. Später lebten wir auch vier Jahre lang auf Tahiti. Ich überquerte den Atlantik, als ich drei Jahre alt war, und den Pazifik, als ich sechs war. Das Boot war unser Haus. Als ich jung war, habe ich es einfach genossen, auf Entdeckungsreise zu gehen und von einem Ort zum anderen zu ziehen. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich auf dem Boot gelebt – bis ich nach Frankreich kam, um zu studieren. Als wir nach Neukaledonien zogen, war mein Bruder Thomas der erste, der mit dem Windsurfen anfing, während ich Optimist segelte. Mit elf habe ich auch mit dem Windsurfen angefangen. Ich startete bei Techno- und RS:X-Regatten, weil ich fand, dass sie sich sehr gut ergänzten. Als Segler lernt man, wie der Wind funktioniert, was die Wolken machen und wann die nächste Böe kommt. Es hilft beim Regatta fahren, wenn man Wind und Wetter versteht. Segeln ist ein super komplexer Sport. Ich liebe das Segeln mehr als das Windsurfen. Ich liebe Windsurfen wegen des Gefühls, aber ich bin einfach ein Fan des Segelns im Allgemeinen, jede Art von Segeln. Als das Foilen losging, war das für mich eine Möglichkeit, meine Leidenschaft für Windsurfen und Segeln zu kombinieren. Man fliegt, ist schnell auf dem Wasser und kann beim Foilen sehr taktisch vorgehen. Wenden sind sehr effizient und Halsen ist einfach. Foilen ist so effizient. Es eröffnet einfach alle Möglichkeiten, strategisch zu segeln, was ich liebe. Viele Dinge sind mit der Finne nicht möglich oder zumindest kaum möglich. Foilen eröffnet einfach eine neue Art des Segelns.

  »Mein Bruder Thomas und ich sind auf einem Boot aufgewachsen.«Foto: Jerome Houyvet
»Mein Bruder Thomas und ich sind auf einem Boot aufgewachsen.«

FINNEN

Klassisches Windsurfen mit der Finne reizt mich nicht mehr so sehr. Ich mag zwar das Gefühl, aber ich fühle mich auf dem Foil so viel effizienter. Das Gefühl schnell mit der Finne zu surfen ist toll, aber sobald der Wind schwankt oder du einen bestimmten Punkt erreichen willst, fühlt sich das Foil so viel kompletter an. Das macht es frustrierend, noch mit der Finne zu surfen. Foilen öffnet einfach Türen, die vorher geschlossen waren. Das ist es, was ich am Foilen liebe.

MOTIVATION

Um ehrlich zu sein, fühle ich mich nicht als eine wettbewerbsorientierte Person – nur gegenüber mir selbst. Ich möchte mich einfach nur verbessern. Wenn ich dadurch gleichzeitig den Sport verbessern kann, bin ich super glücklich darüber. Es geht mir nicht darum, die anderen zu schlagen. Ich will einfach das Beste geben, was ich kann. Wenn ich auf Platz 30 lande und alles gegeben habe, bin ich trotzdem super glücklich. Das ist die Philosophie, die ich bei allem, was ich tue, verfolgen möchte. Ich habe das Gefühl, dass ich zu den nächsten Olympischen Spielen fahren muss, weil das der beste Weg ist, um mich weiter zu pushen und neue Wege zu finden, mich zu verbessern. Es wird mir auch einen anderen Blick auf den Sport geben. Ich denke, dass iQFOiL und PWA-Worldcup keine Gegensätze sind, sie ergänzen sich. Also, ich bin nicht so wettbewerbsorientiert. Ich mag es zu gewinnen, jeder mag das. Wenn ich nicht gewinne, ist das okay! Ich möchte mich einfach verbessern.

TRAINING

Eigentlich habe ich seit ein paar Monaten fast nur noch auf dem Wasser trainiert. Ich habe nur die Sportarten gemacht, die mir Spaß machen, um mich in Form zu halten und die sich mit dem Foilsurfen ergänzen. Ich habe überhaupt keinen anderen Sport gemacht. Aber seit ein einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass ich etwas fitter und kräftiger sein müsste, um mich zu verbessern. Also war ich im Fitness-Studio und habe meine Cardio-Fitness verbessert. Wenn ich meine Trainingswochen durchrechnen müsste, würde ich sagen, dass ich drei oder vier Cardio-Sessions pro Woche habe und dann fünf- bis sechsmal auf dem Wasser bin. Das bedeutet aber nicht nur Windsurfen. Es kann auch Wingfoiling sein oder alles andere.

TIPPS

Wenn ich nur einen Tipp geben müsste, würde ich sagen: Probiere alle Einstellungen am Foil aus. Hab’ keine Angst, eine gute Einstellung zu verändern. Du kannst immer zu einer guten Einstellung zurückkehren, wenn dir die neue nicht gefällt. Du musst experimentieren, um herauszufinden, ob es bessere Einstellungen gibt. Wie kannst du wissen, ob du schneller fahren könntest, wenn du es nie versuchst? Ich lese eine Menge wissenschaftlicher Artikel und recherchiere viel, um herauszufinden, was mich schneller machen kann. So versuche ich, mein Allgemeinwissen zu verbessern, und das macht mich glücklich.

Und dann würde ich sagen, hab’ keine Angst vor Stürzen. Stürze sind der Schlüssel um sich zu verbessern und um zu wissen, wo deine Grenzen liegen. Der einzige Weg, stürzen zu lernen, ist das Stürzen! Wenn du nie stürzt, wirst du auch nicht lernen, wie du reagieren sollst, wenn es doch einmal passiert. Es ist gut für deinen Körper zu wissen, wie er reagiert und was zu tun ist, wenn etwas schiefläuft. Ich würde sagen, um auf dem Foil schnell zu sein, muss man sich wohlfühlen. Wenn du dich nicht wohlfühlst, kannst du nicht schnell fahren oder du wirst stürzen. Das sind die Grundlagen! Um zu lernen, schnell zu sein, muss man Eier haben! Wenn man es einmal gelernt hat und in der Lage ist, bei einer bestimmten Geschwindigkeit komfortabel zu surfen, fühlt es sich gut an. Um auf das nächste Level zu kommen, muss man wieder etwas Mut haben, weil man sich selbst an die Grenzen bringt. Sich selbst an die Grenzen zu bringen, ist immer beängstigend. Das ist das Gute an unserem Sport. Weil er neu ist, können wir so viel verbessern!

PHANTOM

Ich fahre nun schon seit zwei Jahren für diese Marke. Ich mag die Art und Weise, wie wir alle zusammenarbeiten. Die Foils nutze ich seit 2019. Jetzt entwerfe ich die Boards für Phantom, was cool ist. Auf diese Weise kann ich meine eigene Plattform verbessern. Einer der großen Vorteile bei Phantom ist, dass sowohl ich als auch mein Bruder Thomas einen Ingenieurshintergrund haben. Alex, der Chef von Phantom, hat auch eine ingenieurmäßige Denkweise. Es fällt uns leicht, Dinge zu berechnen und die Theorie zu verstehen. Wir können das Gefühl auf dem Wasser mit unserem theoretischen Hintergrund abgleichen. Das macht es viel effizienter, Foils und Segel zu verbessern. Wir wissen, wo wir den Druckpunkt des Segels haben müssen oder wie ein Foil besser gleitet oder schneller wird und verstehen die Theorie dahinter. Ich denke, das ist jetzt mein größter Vorteil gegenüber den anderen Fahrern und deshalb liege ich vorne. Bis heute habe ich das Gefühl, dass ich allen anderen Foilern einen Schritt voraus bin.

ARBEIT

Neben dem Training und der Entwicklung für Phantom, bin ich in der iQFOiL-Klasse im Vorstand tätig. Als Fahrer versuche ich, meine Entscheidungen nie zu treffen, um die Situation für mich persönlich zu verbessern, sondern so, dass der Sport für alle besser wird.

40 KNOTEN

Die 40 Knoten mit dem Foil zu knacken ist eines meiner Ziele. Ich habe das Gefühl, dass man mit dem Foil noch Dinge erreichen kann, die mit der Finne nicht möglich sind. Sobald man sich bei 37 bis 38 Knoten sicher fühlt, fühlen sich 33 bis 34 Knoten plötzlich einfach an. 34 Knoten zu fahren ist immer noch anspruchsvoll, aber ich hatte keine Angst davor, mit 34 Knoten über den Kurs zu fliegen. Beim Versuch, die 4o Knoten auf dem Foil zu erreichen, habe ich ein paar heftige Stürze fabriziert. Aber man lernt allmählich auch, effizienter zu crashen, denn es ist ganz anders als mit Finne. Für die Sicherheit der anderen Fahrer auf dem Kurs ist es gut zu wissen, dass man sich am Material festhalten und vielleicht ausweichen kann, um andere Leute nicht zu verletzen.

ZUKUNFT

Wir alle wissen, dass das Foil gerade auf der Kreuz ein Biest ist! Auf Am-Wind-Kursen wird es noch etwas dauern, bis alle akzeptieren, dass es effizienter sein kann. Auf großen Boards ist es bereits geschehen! Alle Fahrer sind sich einig, dass Foilen auf den großen Boards schneller ist. Um schneller zu sein als ein mittleres Slalomboard mit 7er-Segel, ist es noch ein großer Schritt, was Kontrolle, Stabilität und Geschwindigkeit angeht – das wird noch dauern. Aber es wird kommen. Ich habe das Gefühl, dass auch normale Freizeitsurfer das Foilen mögen, weil es weniger anspruchsvoll ist als mit Slalommaterial zu surfen, um die gleiche Geschwindigkeit mit mehr Komfort zu erreichen. Für viele Surfer, die nicht so gut in Form sind, ist das Foilen einfacher. Ich glaube also, dass das Foilen allmählich auf dem Markt wachsen wird! Foils werden immer einfacher und stabiler, so dass sie die Leute nicht mehr so abschrecken wie noch vor fünf Jahren. Ich denke, in ein paar Jahren werden wir einige Anfänger haben, die eher foilen als gleiten können.

  Nicolas Goyard ist vielleicht der erste Windsurf-Profi, der die Zukunft des Windsurfens in erster Linie auf dem Foil sieht. Windsurfen mit Finne hat für ihn keinen großen Reiz mehr.Foto: John Carter
Nicolas Goyard ist vielleicht der erste Windsurf-Profi, der die Zukunft des Windsurfens in erster Linie auf dem Foil sieht. Windsurfen mit Finne hat für ihn keinen großen Reiz mehr.

OLYMPIA UND iQFOiL

Die Olympischen Spiele 2024 in Paris bzw. Marseille (Segeln/Windsurfen) sind eines meiner Ziele. Das französische Team ist sehr stark, also wird es schwer sein, sich zu qualifizieren. Es wird ein Kampf bis zum Schluss sein. Ich denke, ich werde mindestens zwei oder drei Jahre lang weiter zweigleisig – PWA-Worldcup und iQFOiL – fahren. Vielleicht werde ich mich später auf die Olympischen Spiele konzentrieren. Als jemand, der den Sport verbessern möchte, teile ich gerne meine Informationen. Ich gebe natürlich nicht alles preis, aber ich teile wahrscheinlich zu viel! Aber manches behalte ich für mich. Ich mag es, mich zu verbessern und zu sehen, dass alle anderen sich auch verbessern. Ich möchte meine Freunde in die richtige Richtung pushen, also bringe ich sie dazu, einige meiner Einstellungen und Ideen auszuprobieren. Ich helfe meinen Gegnern, aber die Tatsache, dass ich ihnen helfe, erlaubt mir gleichzeitig, mich auch selbst zu verbessern! Es ist wie Teamwork!

FOIL vs. FINNE

Die größte Überraschung beim Rennen in Israel war, dass offensichtlich die nicht-französischen Jungs nicht wirklich mitbekommen hatten, was wir auf dem Foil machen. Sie waren nicht darauf vorbereitet, uns so effizient mit 6er-Segeln zu sehen. Wir haben alle überrascht und schockiert. Finnen sind noch nicht tot, aber die großen Finnen auf einem großen Brett sind durch. Das mittlere Slalombrett ist noch lange nicht tot. 7,7er-Segel mit Finne sind vielleicht bald weg, aber 7er noch lange nicht. Es findet gerade eine große Evolution statt. Aber ich glaube nicht, dass das kleine Slalombrett jemals aus der Mode kommen wird. Das Foilboard wird bei vierzig Knoten Wind und mehr nie besser sein als ein Board mit Finne. Es wird immer Bedingungen geben, bei denen die Finne besser ist. Es ist nur so, dass sich die Grenze mit der Zeit verschieben wird und ich weiß nicht, wie weit sie gehen wird.

In den sozialen Medien war es verrückt. Ich habe viele tolle Nachrichten erhalten. Viele Leute haben gesagt, dass dies eine Belohnung für meine harte Arbeit war, und ich denke, das stimmt. Und ich habe das Gefühl, dass die Leute nicht auf das vorbereitet waren, was in Israel passiert ist. Dieses Ereignis wird für die Zukunft wichtig sein. Vielleicht werden wir mit dieser neuen Ära des Foilens sehen, wie sich Rennen entwickeln, bei denen wir näher am Ufer und nahe an den Zuschauern sein können. Wir sollten als Sportler offen für das sein, was die Öffentlichkeit sehen will. Wir müssen also die Rennen interessanter gestalten. Ich habe das Gefühl, dass das Foil uns erlaubt, den Sport weiterzubringen, und das sollten wir ausnutzen.