Michiel Bouwmeester

Michiel Bouwmeester

Das Ende einer Ära: In der Surfszene am Gardasee war er ebenso beliebt wie gehasst. Kaum einer konnte sich und seine Ideen so gut verkaufen wie der Holländer Michi Bouwmeester. Seine Schulungsideen waren grandios, sein Surfcenter an der Düse des Gardasees der Prototyp einer modernen Surfstation, eine Windsurf-Traumfabrik, eine Institution. Michi Bouwmeesters Pro-Center ist jetzt geschlossen. Ihm bleibt nur noch der Blick zurück – ein bitter-süßes Unterfangen. (4/2005)

  Michiel Bouwmeester
Michiel Bouwmeester

Für die einen ist er ein geldgeiler, arroganter Sack, dem es Recht geschieht, nicht mehr am Pier zu sein. Für die anderen verliert der Gardasee und die Windsurfbranche einen liebenswürdigen, innovativen Mann der Stunde. Der Name Michi Bouwmeester polarisiert! Nach fünf Jahren Nervenkrieg mit dem Hotelbesitzer Montagnoli, auf dessen Grundstück auch die Surfstation von Bouwmeester stand, ist vom MB-Pro-Center keine Fußschlaufenschraube mehr liegen geblieben. Michis Vorzeigeschule gehört jetzt der Vergangenheit an, schreibt Surfgeschichte. Er selber wird unfreiwillig zur Legende – der Schaffer, der Kämpfer, der Fuchs, der sich einer übermächtigen Meute Bluthunde gegenüber sah und trotzig ahnte, dass das Zähnefletschen nicht mehr zählt.

Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.