Michiel Bouwmeester

PortraitsMichiel Bouwmeester

Das Ende einer Ära: In der Surfszene am Gardasee war er ebenso beliebt wie gehasst. Kaum einer konnte sich und seine Ideen so gut verkaufen wie der Holländer Michi Bouwmeester. Seine Schulungsideen waren grandios, sein Surfcenter an der Düse des Gardasees der Prototyp einer modernen Surfstation, eine Windsurf-Traumfabrik, eine Institution. Michi Bouwmeesters Pro-Center ist jetzt geschlossen. Ihm bleibt nur noch der Blick zurück – ein bitter-süßes Unterfangen. (4/2005)

  Michiel Bouwmeester
Michiel Bouwmeester

Für die einen ist er ein geldgeiler, arroganter Sack, dem es Recht geschieht, nicht mehr am Pier zu sein. Für die anderen verliert der Gardasee und die Windsurfbranche einen liebenswürdigen, innovativen Mann der Stunde. Der Name Michi Bouwmeester polarisiert! Nach fünf Jahren Nervenkrieg mit dem Hotelbesitzer Montagnoli, auf dessen Grundstück auch die Surfstation von Bouwmeester stand, ist vom MB-Pro-Center keine Fußschlaufenschraube mehr liegen geblieben. Michis Vorzeigeschule gehört jetzt der Vergangenheit an, schreibt Surfgeschichte. Er selber wird unfreiwillig zur Legende – der Schaffer, der Kämpfer, der Fuchs, der sich einer übermächtigen Meute Bluthunde gegenüber sah und trotzig ahnte, dass das Zähnefletschen nicht mehr zählt.

In der Geschäftswelt werden jedoch andere Töne gespuckt. Money talks, bullshit walks. Eigentlich auch Michis Credo. Nach langen Konflikten, getopt mit bis heute andauernden Gerichtsverhandlungen zwischen den Streithähnen Bouwmeester und Pier-Hotelier Montagnoli, kräht nur noch der, der den Stall für die Hühner hat. Die Pacht ist abgelaufen, Michi musste das Feld räumen. Und so blickt der Holländer von seinem Haus direkt auf sein ehemaliges Leben hinab, auf eine Surfschule, die Maßstäbe setzte. Auf die Frage, ob er damit Probleme hätte, verrät die Schweigeminute mehr als Worte, sagt sein vorsichtiger Blick zu seiner Frau im Wohnzimmer viel über Nichtaussprechbares. Seine blauen Augen werden glasig, dann ringt er sich durch, um die richtigen Worte zu finden: „Wenn du das erlebst, was wir durchgemacht haben“, dann schluckt er noch mal innerlich, „das ist nicht einfach zu verdauen. Für mich ist ein Lebenswerk zerstört worden. Aber wer Geld und Macht hat, regiert die Welt.“ Dann wird sein Gesicht wieder hell, getränkt von der Wintersonne. Oder ist es doch sein innerer Schweinehund, seine Lebensphilosophie? „Aber ich hab’ da eine neue Idee“, behauptet er gleich im Anschluss verschmitzt und lacht von einem Ohr aufs andere, streckt mir die Hand hoch zum High-five und schwelgt in Geheimnistuerei.
In der Geschäftswelt werden jedoch andere Töne gespuckt. Money talks, bullshit walks. Eigentlich auch Michis Credo. Nach langen Konflikten, getopt mit bis heute andauernden Gerichtsverhandlungen zwischen den Streithähnen Bouwmeester und Pier-Hotelier Montagnoli, kräht nur noch der, der den Stall für die Hühner hat. Die Pacht ist abgelaufen, Michi musste das Feld räumen. Und so blickt der Holländer von seinem Haus direkt auf sein ehemaliges Leben hinab, auf eine Surfschule, die Maßstäbe setzte. Auf die Frage, ob er damit Probleme hätte, verrät die Schweigeminute mehr als Worte, sagt sein vorsichtiger Blick zu seiner Frau im Wohnzimmer viel über Nichtaussprechbares. Seine blauen Augen werden glasig, dann ringt er sich durch, um die richtigen Worte zu finden: „Wenn du das erlebst, was wir durchgemacht haben“, dann schluckt er noch mal innerlich, „das ist nicht einfach zu verdauen. Für mich ist ein Lebenswerk zerstört worden. Aber wer Geld und Macht hat, regiert die Welt.“ Dann wird sein Gesicht wieder hell, getränkt von der Wintersonne. Oder ist es doch sein innerer Schweinehund, seine Lebensphilosophie? „Aber ich hab’ da eine neue Idee“, behauptet er gleich im Anschluss verschmitzt und lacht von einem Ohr aufs andere, streckt mir die Hand hoch zum High-five und schwelgt in Geheimnistuerei.
Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.
Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.
Sein ehemaliger Freund Mikel Slijk, 1984 Welt- und Europameister im Freestyle, jahrelang Stationsleiter am Pier, surf-Tester und später Schulleiter am Conca d’Oro, erlebte ihn als Regattakollegen: „Michi war ein guter Regattafahrer, kannte alle Tricks und protestierte oft und erfolgreich.“ Bouwmeester selbst räumt auch 30 Jahre später ein: „Ich war zu verbissen und nicht immer freundlich. Das war vielleicht ein Fehler.“ Aber seine Motivation verschaffte ihm ein Ticket zur Weltmeisterschaft der Windsurfer auf die Bahamas – dort traten Legenden wie Robby Naish, Mike Waltze und Matt Schweitzer an. 1979 stand er auch als Dritter auf dem Podest der Windsurfer-WM, bekam einen Vertrag bei HiFly für die Offene Klasse und gewann auf dem HiFly 111 weitere Regatten. Nebenher baute er in Toscolano, am Südwestufer des Lagos, seine eigene Surfschule auf. Der damals elfjährige Victor Westenberg, später Stationsleiter für Bouwmeester in Cabarete, am Pier, surf-Tester und Stationsbesitzer in Dahab, wurde sein erster Surflehrer.
Sein ehemaliger Freund Mikel Slijk, 1984 Welt- und Europameister im Freestyle, jahrelang Stationsleiter am Pier, surf-Tester und später Schulleiter am Conca d’Oro, erlebte ihn als Regattakollegen: „Michi war ein guter Regattafahrer, kannte alle Tricks und protestierte oft und erfolgreich.“ Bouwmeester selbst räumt auch 30 Jahre später ein: „Ich war zu verbissen und nicht immer freundlich. Das war vielleicht ein Fehler.“ Aber seine Motivation verschaffte ihm ein Ticket zur Weltmeisterschaft der Windsurfer auf die Bahamas – dort traten Legenden wie Robby Naish, Mike Waltze und Matt Schweitzer an. 1979 stand er auch als Dritter auf dem Podest der Windsurfer-WM, bekam einen Vertrag bei HiFly für die Offene Klasse und gewann auf dem HiFly 111 weitere Regatten. Nebenher baute er in Toscolano, am Südwestufer des Lagos, seine eigene Surfschule auf. Der damals elfjährige Victor Westenberg, später Stationsleiter für Bouwmeester in Cabarete, am Pier, surf-Tester und Stationsbesitzer in Dahab, wurde sein erster Surflehrer.
Ich bestaune Michis geschmackvoll eingerichtete Wohnung in Nago. In der Küche köcheln die Fusilli. Viviana Vincenzi, seine Frau aus Verona, lächelt mich an und fragt: „Pasta ti va bene?“ Der dreijährige Sohn Mathew blinzelt schüchtern hinter ihrer Schürze hervor. „Si“, antworte ich abwesend, weil ich mich mehr für die in der Wand eingelassenen, handgefertigten Holzsurfbretter als Buchregale interessiere. Man merkt: hier lebt ein Surfbegeisterter. Neben dem Hochzeitsfoto aus Hawaii stapeln sich Fotoalben. Dann schweift mein Blick weiter nach unten und bleibt an einer kuriosen, eingerahmten Illustration hängen: Ein Hund scheißt eine Glühbirne. Die Verwunderung muss wohl in meinem Gesicht stehen, denn Michi verrät ohne große Umschweife das Geheimnis hinter dem Glühbirnenscheißer: „Das Bild habe ich bestimmt schon 30 Jahre. Es ist meine Lebensphilosophie: Ideen scheißen!”
Ich bestaune Michis geschmackvoll eingerichtete Wohnung in Nago. In der Küche köcheln die Fusilli. Viviana Vincenzi, seine Frau aus Verona, lächelt mich an und fragt: „Pasta ti va bene?“ Der dreijährige Sohn Mathew blinzelt schüchtern hinter ihrer Schürze hervor. „Si“, antworte ich abwesend, weil ich mich mehr für die in der Wand eingelassenen, handgefertigten Holzsurfbretter als Buchregale interessiere. Man merkt: hier lebt ein Surfbegeisterter. Neben dem Hochzeitsfoto aus Hawaii stapeln sich Fotoalben. Dann schweift mein Blick weiter nach unten und bleibt an einer kuriosen, eingerahmten Illustration hängen: Ein Hund scheißt eine Glühbirne. Die Verwunderung muss wohl in meinem Gesicht stehen, denn Michi verrät ohne große Umschweife das Geheimnis hinter dem Glühbirnenscheißer: „Das Bild habe ich bestimmt schon 30 Jahre. Es ist meine Lebensphilosophie: Ideen scheißen!”
Einer seiner Windsurflehrer, Ulli Gutweniger, heute Doktor der Psychologie, beschreibt den Holländer denn auch als anankastischen Persönlichkeitstyp. „Michi ist ein leistungsorientierter Typ, bei dem Kontrolle und Macht eine wichtige Rolle spielen. Er ist sehr kreativ, hat immer wieder neue Ideen. So gesehen ist er ein Mensch mit hohem Potenzial, ein kleines Genie.“ Bouwmeesters genialste Idee entspringt ihm während einer Regatta 1978, als er an einer Tonne auf das so genannte Tiki-Brett umsteigt. Es war ein Semi-Custom mit flachem Unterwasserschiff, das ihm raumschots zum Sieg verhelfen sollte.
Einer seiner Windsurflehrer, Ulli Gutweniger, heute Doktor der Psychologie, beschreibt den Holländer denn auch als anankastischen Persönlichkeitstyp. „Michi ist ein leistungsorientierter Typ, bei dem Kontrolle und Macht eine wichtige Rolle spielen. Er ist sehr kreativ, hat immer wieder neue Ideen. So gesehen ist er ein Mensch mit hohem Potenzial, ein kleines Genie.“ Bouwmeesters genialste Idee entspringt ihm während einer Regatta 1978, als er an einer Tonne auf das so genannte Tiki-Brett umsteigt. Es war ein Semi-Custom mit flachem Unterwasserschiff, das ihm raumschots zum Sieg verhelfen sollte.
„Und? Wievielter bist du geworden?“, frage ich neugierig. Mit einer langen Handbewegung winkt er gereizt ab, weil ich seinem Gedankensprung nicht folge. „Die Finne ist gebrochen. Aber das Ergebnis war für mich nicht wichtig, sondern die Idee: Ein flaches Unterwasserschiff, Gleiten, Fußschlaufen – das war die Zukunft auch in der Schulung. Das war für mich der Anstoß, einen windsicheren Schulungsort zu suchen und dort zu unterrichten wie kein anderer.“ Als Regattasurfer kannte er den Gardasee und wusste: An der Düse am Nordwestufer neben dem Hotel Pier bläst der beste Wind. „Das Hotel war fast bankrott und ich vereinbarte einen Vertrag mit Hotelier Montagnoli, pflanzte 1981 eine Blechhütte an den Kieselstrand mit Pat Love-Segeln und HiFly-Brettern für die Schulung.“ Die Revolution war jedoch die Idee, Kundschaft durch eine gut durchdachte Staffelung an die Surfschule zu binden. „Wenn einer einen Kurs bucht, wird er auch ein Brett mieten. Aber wenn er nur ein Brett mietet, dann heißt das nicht, dass er auch einen Kurs bucht. Unterricht macht Kundschaft.“ Er erfand die gestaffelten Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse (A-, F- und S-Kurse) und vermarktete sie einmalig. Surfschulung bekam einen professionellen Rahmen weit über das Anfängerstadium hinaus, und das war ein novum exotikum. „Seine Leistung muss man neidlos anerkennen“, gibt auch die schärfste Konkurrenz, Geschäftsführer Luca Spagnolli vom Segnana-Surfschul-Imperium am Lago, zu.
„Und? Wievielter bist du geworden?“, frage ich neugierig. Mit einer langen Handbewegung winkt er gereizt ab, weil ich seinem Gedankensprung nicht folge. „Die Finne ist gebrochen. Aber das Ergebnis war für mich nicht wichtig, sondern die Idee: Ein flaches Unterwasserschiff, Gleiten, Fußschlaufen – das war die Zukunft auch in der Schulung. Das war für mich der Anstoß, einen windsicheren Schulungsort zu suchen und dort zu unterrichten wie kein anderer.“ Als Regattasurfer kannte er den Gardasee und wusste: An der Düse am Nordwestufer neben dem Hotel Pier bläst der beste Wind. „Das Hotel war fast bankrott und ich vereinbarte einen Vertrag mit Hotelier Montagnoli, pflanzte 1981 eine Blechhütte an den Kieselstrand mit Pat Love-Segeln und HiFly-Brettern für die Schulung.“ Die Revolution war jedoch die Idee, Kundschaft durch eine gut durchdachte Staffelung an die Surfschule zu binden. „Wenn einer einen Kurs bucht, wird er auch ein Brett mieten. Aber wenn er nur ein Brett mietet, dann heißt das nicht, dass er auch einen Kurs bucht. Unterricht macht Kundschaft.“ Er erfand die gestaffelten Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse (A-, F- und S-Kurse) und vermarktete sie einmalig. Surfschulung bekam einen professionellen Rahmen weit über das Anfängerstadium hinaus, und das war ein novum exotikum. „Seine Leistung muss man neidlos anerkennen“, gibt auch die schärfste Konkurrenz, Geschäftsführer Luca Spagnolli vom Segnana-Surfschul-Imperium am Lago, zu.
Der beste Wind am Lago und eine perfekt organisierte Schule mit „100 Brettern auf 100 Quadratmetern” lies nicht lange auf eine Horde geltungsbedürftiger Surfegomanen warten, die als Surflehrer ihre Kunststückchen wie Clowns im Zirkus vor der Pier-Manege zelebrierten. Bald wusste jeder: Bei Bouwmi lungerten die besten Surflehrer rum. Die Liste der Szene-Promis, die sich einer Bouwmeester-Schulung unterzogen, ist lang: Ralf Bachschuster (bis er mit Michis Freundin durchbrannte und auf lebenslänglich Pier-Verbot erhielt), Freestyle-Asse und Ex-Worldcupper Alex Humpel, Fred Niedner, Michi Schweiger, Andy Wolff, Worldcup-Kommentator Roberto Hofmann, Ex-Weltmeisterin Tony Frey, Ex-Weltmeister und Stationsleiter vom Conca Mikel Slijk, Stationsbesitzer Harry Nass, Rob Horne, Victor Westenberg sowie andere schillernde Windsurfgestallten wie Xandi Kreuzeder, Hermann Seideler, Ulli Gutweniger und selbst spätere surf-Redakteure wie ich selbst. In den 80er Jahren ist das MB-Center Dreh- und Angelpunkt des europäischen Windsurfens. „Alle waren sie beim Michi“, erinnert sich Westenberg, „das North-Team testete dort seine Segel, F2, Monty Spindler ebenfalls, die Hawaii-Elite ließ sich blicken, das ZDF drehte Sendungen übers Surfen, Mike Eskimo fuhr dort die erste Duck Jibe – es geschah alles am Pier!“ Ein weiterer Bouwmeester-Schüler und heute Stationsleiter in Dahab, Rob Horne, schreibt in einem Brief an die Redaktion: „Vieles in meiner Surfkarriere verdanke ich Michi Bouwmeester und seinem Windsurfkonzept. Er ist der Pionier des Funboardcenters.“ Sein Schulungskonzept ging auf, nicht zuletzt weil er sich Gedanken machte, wie man auf Funboards professionell schult. Er führte das Videotraining ein, erfand Simulatoren (Speedsimulator, Wasserstartsimulator, Loopsimulator) und war auch didaktisch seiner Zeit voraus: „Für unsere Surfentwicklung hat er viel getan und hat Maßstäbe gesetzt. Er war eine Institution“, weiß Ex-Surflehrer Gutweniger. „Selbst der VDWS konnte von Bouwmi lernen”, schwört Hans Vogelsammer, der am längsten (20 Jahre) im MB-Center arbeitete: „Den Mast bei der Powerhalse in die Kurve zu legen oder beim Wasserstart an der Gabel zu heben, das war revolutionär.“ Bouwmeester selbst erinnert sich, dass René Egli in den 80ern bei ihm auftauchte: „Egli saß auf der Terrasse und hat den ganzen Tag geschrieben und geschrieben.“
Der beste Wind am Lago und eine perfekt organisierte Schule mit „100 Brettern auf 100 Quadratmetern” lies nicht lange auf eine Horde geltungsbedürftiger Surfegomanen warten, die als Surflehrer ihre Kunststückchen wie Clowns im Zirkus vor der Pier-Manege zelebrierten. Bald wusste jeder: Bei Bouwmi lungerten die besten Surflehrer rum. Die Liste der Szene-Promis, die sich einer Bouwmeester-Schulung unterzogen, ist lang: Ralf Bachschuster (bis er mit Michis Freundin durchbrannte und auf lebenslänglich Pier-Verbot erhielt), Freestyle-Asse und Ex-Worldcupper Alex Humpel, Fred Niedner, Michi Schweiger, Andy Wolff, Worldcup-Kommentator Roberto Hofmann, Ex-Weltmeisterin Tony Frey, Ex-Weltmeister und Stationsleiter vom Conca Mikel Slijk, Stationsbesitzer Harry Nass, Rob Horne, Victor Westenberg sowie andere schillernde Windsurfgestallten wie Xandi Kreuzeder, Hermann Seideler, Ulli Gutweniger und selbst spätere surf-Redakteure wie ich selbst. In den 80er Jahren ist das MB-Center Dreh- und Angelpunkt des europäischen Windsurfens. „Alle waren sie beim Michi“, erinnert sich Westenberg, „das North-Team testete dort seine Segel, F2, Monty Spindler ebenfalls, die Hawaii-Elite ließ sich blicken, das ZDF drehte Sendungen übers Surfen, Mike Eskimo fuhr dort die erste Duck Jibe – es geschah alles am Pier!“ Ein weiterer Bouwmeester-Schüler und heute Stationsleiter in Dahab, Rob Horne, schreibt in einem Brief an die Redaktion: „Vieles in meiner Surfkarriere verdanke ich Michi Bouwmeester und seinem Windsurfkonzept. Er ist der Pionier des Funboardcenters.“ Sein Schulungskonzept ging auf, nicht zuletzt weil er sich Gedanken machte, wie man auf Funboards professionell schult. Er führte das Videotraining ein, erfand Simulatoren (Speedsimulator, Wasserstartsimulator, Loopsimulator) und war auch didaktisch seiner Zeit voraus: „Für unsere Surfentwicklung hat er viel getan und hat Maßstäbe gesetzt. Er war eine Institution“, weiß Ex-Surflehrer Gutweniger. „Selbst der VDWS konnte von Bouwmi lernen”, schwört Hans Vogelsammer, der am längsten (20 Jahre) im MB-Center arbeitete: „Den Mast bei der Powerhalse in die Kurve zu legen oder beim Wasserstart an der Gabel zu heben, das war revolutionär.“ Bouwmeester selbst erinnert sich, dass René Egli in den 80ern bei ihm auftauchte: „Egli saß auf der Terrasse und hat den ganzen Tag geschrieben und geschrieben.“
Was sein Genie in der Schulung, der Organisation und dem Marketing an Vorzeigequalitäten aufwies, mangelte es laut denen, die ihn gut kennen, am Umgang mit Menschen. Denn obwohl tief in seinem Herzen Surfer geblieben, gewann der Geschäftsmann in Bouwmi die Oberhand. Einen genialen Coup landet er mit seiner Windgarantie. „Nicht selten aber entwickelte er zu seinen Gunsten eine neue Interpretation von Gleitwind, überbuchte Kurse und ließ manche Kunden bluten, wenn Material kaputt ging“, erzählt sein ehemaliger Stationsleiter Slijk. Wenn eine Bezeichnung zu ihm passe, so Slijk, dann Dr. Jeckyll und Mr. Hide und gibt sofort ein Exempel: „Es fehlten im Hochsommer einmal 2000 Lire (Red.: zwei Mark) in der Kasse, die ich partout zurückzahlen musste. Ende der Saison überraschte er mich dann mit einem Ticket nach Hawaii, weil die Saison so gut gelaufen war.“ „Michi Bouwmeester ist“, wie ihn Westenberg beschreibt, „ein Business-first-guy“, nichtsdestotrotz ein Mensch, der wertvollen Mitarbeitern immer loyal war, aber äußerst sensibel und enttäuscht, wenn diese sich selbstständig machten, Ideen übernahmen oder es ihm gleichtaten. „Michi ist ein ganz sensibler und tut auf harten Mann“, weiß Alexandra Renner, die als letzte Stationsleiterin am Pier immer mit ihm klar kam. „Man konnte immer mit ihm reden.“ Karl-Heinz und Edith Orth aus München, langjährige Kunden am Pro-Center, bestätigen, dass Bouwmi auch schwierig war. Aber wie viele seiner Kunden schätzten sie ihn als liebevollen und hilfsbereiten „Capo“, wie er sich gerne selbst nannte.
Was sein Genie in der Schulung, der Organisation und dem Marketing an Vorzeigequalitäten aufwies, mangelte es laut denen, die ihn gut kennen, am Umgang mit Menschen. Denn obwohl tief in seinem Herzen Surfer geblieben, gewann der Geschäftsmann in Bouwmi die Oberhand. Einen genialen Coup landet er mit seiner Windgarantie. „Nicht selten aber entwickelte er zu seinen Gunsten eine neue Interpretation von Gleitwind, überbuchte Kurse und ließ manche Kunden bluten, wenn Material kaputt ging“, erzählt sein ehemaliger Stationsleiter Slijk. Wenn eine Bezeichnung zu ihm passe, so Slijk, dann Dr. Jeckyll und Mr. Hide und gibt sofort ein Exempel: „Es fehlten im Hochsommer einmal 2000 Lire (Red.: zwei Mark) in der Kasse, die ich partout zurückzahlen musste. Ende der Saison überraschte er mich dann mit einem Ticket nach Hawaii, weil die Saison so gut gelaufen war.“ „Michi Bouwmeester ist“, wie ihn Westenberg beschreibt, „ein Business-first-guy“, nichtsdestotrotz ein Mensch, der wertvollen Mitarbeitern immer loyal war, aber äußerst sensibel und enttäuscht, wenn diese sich selbstständig machten, Ideen übernahmen oder es ihm gleichtaten. „Michi ist ein ganz sensibler und tut auf harten Mann“, weiß Alexandra Renner, die als letzte Stationsleiterin am Pier immer mit ihm klar kam. „Man konnte immer mit ihm reden.“ Karl-Heinz und Edith Orth aus München, langjährige Kunden am Pro-Center, bestätigen, dass Bouwmi auch schwierig war. Aber wie viele seiner Kunden schätzten sie ihn als liebevollen und hilfsbereiten „Capo“, wie er sich gerne selbst nannte.
In der Geschäftswelt werden jedoch andere Töne gespuckt. Money talks, bullshit walks. Eigentlich auch Michis Credo. Nach langen Konflikten, getopt mit bis heute andauernden Gerichtsverhandlungen zwischen den Streithähnen Bouwmeester und Pier-Hotelier Montagnoli, kräht nur noch der, der den Stall für die Hühner hat. Die Pacht ist abgelaufen, Michi musste das Feld räumen. Und so blickt der Holländer von seinem Haus direkt auf sein ehemaliges Leben hinab, auf eine Surfschule, die Maßstäbe setzte. Auf die Frage, ob er damit Probleme hätte, verrät die Schweigeminute mehr als Worte, sagt sein vorsichtiger Blick zu seiner Frau im Wohnzimmer viel über Nichtaussprechbares. Seine blauen Augen werden glasig, dann ringt er sich durch, um die richtigen Worte zu finden: „Wenn du das erlebst, was wir durchgemacht haben“, dann schluckt er noch mal innerlich, „das ist nicht einfach zu verdauen. Für mich ist ein Lebenswerk zerstört worden. Aber wer Geld und Macht hat, regiert die Welt.“ Dann wird sein Gesicht wieder hell, getränkt von der Wintersonne. Oder ist es doch sein innerer Schweinehund, seine Lebensphilosophie? „Aber ich hab’ da eine neue Idee“, behauptet er gleich im Anschluss verschmitzt und lacht von einem Ohr aufs andere, streckt mir die Hand hoch zum High-five und schwelgt in Geheimnistuerei.
In der Geschäftswelt werden jedoch andere Töne gespuckt. Money talks, bullshit walks. Eigentlich auch Michis Credo. Nach langen Konflikten, getopt mit bis heute andauernden Gerichtsverhandlungen zwischen den Streithähnen Bouwmeester und Pier-Hotelier Montagnoli, kräht nur noch der, der den Stall für die Hühner hat. Die Pacht ist abgelaufen, Michi musste das Feld räumen. Und so blickt der Holländer von seinem Haus direkt auf sein ehemaliges Leben hinab, auf eine Surfschule, die Maßstäbe setzte. Auf die Frage, ob er damit Probleme hätte, verrät die Schweigeminute mehr als Worte, sagt sein vorsichtiger Blick zu seiner Frau im Wohnzimmer viel über Nichtaussprechbares. Seine blauen Augen werden glasig, dann ringt er sich durch, um die richtigen Worte zu finden: „Wenn du das erlebst, was wir durchgemacht haben“, dann schluckt er noch mal innerlich, „das ist nicht einfach zu verdauen. Für mich ist ein Lebenswerk zerstört worden. Aber wer Geld und Macht hat, regiert die Welt.“ Dann wird sein Gesicht wieder hell, getränkt von der Wintersonne. Oder ist es doch sein innerer Schweinehund, seine Lebensphilosophie? „Aber ich hab’ da eine neue Idee“, behauptet er gleich im Anschluss verschmitzt und lacht von einem Ohr aufs andere, streckt mir die Hand hoch zum High-five und schwelgt in Geheimnistuerei.
Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.
Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.
Von seinem Haus an der Strada Vecchia in Nago fällt der Blick ironischer Weise über den gesamten Gardasee auch direkt auf die westliche Gardesana zum Hotel Pier. 2005 wird der Holländer aus Voorhout 50 Jahre alt. Genau die Hälfte seines Lebens betrieb er diese famose Funboardschule, auf die er gerade durch die klare Januarluft herabschaut. Seine Emotionen versteckt er gekonnt hinter seiner fröhlichen, fast affektierten Mimik, dem Insider bekannten Sonnyboy-Gehabe, dem löwenstarken High-five-Gebrüll, die Fassade, die jetzt doch zu bröckeln droht und nach und nach den sensiblen Mensch Bouwmi entblößt. Ich versuche, mit meiner Kamera dieses Bild einzufangen: Das markante, braungebrannte Gesicht, der grau durchsträhnte Blondschopf und die stechend blauen Augen mit Blick auf den See. Plötzlich schnappt er mir – nicht böswillig – die Kamera aus der Hand und putzt zielstrebig die feinen Staubkörnchen von der Linse: „Du musst den Scheiß wegputzen, sonst wird das nichts.“ Die Rollen sind hier klar verteilt: Er ist der Regent und halbe Sachen gibt es bei ihm nicht – ein Perfektionist bis in die letzten Fingerspitzen seiner Surferhände.
Sein ehemaliger Freund Mikel Slijk, 1984 Welt- und Europameister im Freestyle, jahrelang Stationsleiter am Pier, surf-Tester und später Schulleiter am Conca d’Oro, erlebte ihn als Regattakollegen: „Michi war ein guter Regattafahrer, kannte alle Tricks und protestierte oft und erfolgreich.“ Bouwmeester selbst räumt auch 30 Jahre später ein: „Ich war zu verbissen und nicht immer freundlich. Das war vielleicht ein Fehler.“ Aber seine Motivation verschaffte ihm ein Ticket zur Weltmeisterschaft der Windsurfer auf die Bahamas – dort traten Legenden wie Robby Naish, Mike Waltze und Matt Schweitzer an. 1979 stand er auch als Dritter auf dem Podest der Windsurfer-WM, bekam einen Vertrag bei HiFly für die Offene Klasse und gewann auf dem HiFly 111 weitere Regatten. Nebenher baute er in Toscolano, am Südwestufer des Lagos, seine eigene Surfschule auf. Der damals elfjährige Victor Westenberg, später Stationsleiter für Bouwmeester in Cabarete, am Pier, surf-Tester und Stationsbesitzer in Dahab, wurde sein erster Surflehrer.
Ich bestaune Michis geschmackvoll eingerichtete Wohnung in Nago. In der Küche köcheln die Fusilli. Viviana Vincenzi, seine Frau aus Verona, lächelt mich an und fragt: „Pasta ti va bene?“ Der dreijährige Sohn Mathew blinzelt schüchtern hinter ihrer Schürze hervor. „Si“, antworte ich abwesend, weil ich mich mehr für die in der Wand eingelassenen, handgefertigten Holzsurfbretter als Buchregale interessiere. Man merkt: hier lebt ein Surfbegeisterter. Neben dem Hochzeitsfoto aus Hawaii stapeln sich Fotoalben. Dann schweift mein Blick weiter nach unten und bleibt an einer kuriosen, eingerahmten Illustration hängen: Ein Hund scheißt eine Glühbirne. Die Verwunderung muss wohl in meinem Gesicht stehen, denn Michi verrät ohne große Umschweife das Geheimnis hinter dem Glühbirnenscheißer: „Das Bild habe ich bestimmt schon 30 Jahre. Es ist meine Lebensphilosophie: Ideen scheißen!”
Einer seiner Windsurflehrer, Ulli Gutweniger, heute Doktor der Psychologie, beschreibt den Holländer denn auch als anankastischen Persönlichkeitstyp. „Michi ist ein leistungsorientierter Typ, bei dem Kontrolle und Macht eine wichtige Rolle spielen. Er ist sehr kreativ, hat immer wieder neue Ideen. So gesehen ist er ein Mensch mit hohem Potenzial, ein kleines Genie.“ Bouwmeesters genialste Idee entspringt ihm während einer Regatta 1978, als er an einer Tonne auf das so genannte Tiki-Brett umsteigt. Es war ein Semi-Custom mit flachem Unterwasserschiff, das ihm raumschots zum Sieg verhelfen sollte.
„Und? Wievielter bist du geworden?“, frage ich neugierig. Mit einer langen Handbewegung winkt er gereizt ab, weil ich seinem Gedankensprung nicht folge. „Die Finne ist gebrochen. Aber das Ergebnis war für mich nicht wichtig, sondern die Idee: Ein flaches Unterwasserschiff, Gleiten, Fußschlaufen – das war die Zukunft auch in der Schulung. Das war für mich der Anstoß, einen windsicheren Schulungsort zu suchen und dort zu unterrichten wie kein anderer.“ Als Regattasurfer kannte er den Gardasee und wusste: An der Düse am Nordwestufer neben dem Hotel Pier bläst der beste Wind. „Das Hotel war fast bankrott und ich vereinbarte einen Vertrag mit Hotelier Montagnoli, pflanzte 1981 eine Blechhütte an den Kieselstrand mit Pat Love-Segeln und HiFly-Brettern für die Schulung.“ Die Revolution war jedoch die Idee, Kundschaft durch eine gut durchdachte Staffelung an die Surfschule zu binden. „Wenn einer einen Kurs bucht, wird er auch ein Brett mieten. Aber wenn er nur ein Brett mietet, dann heißt das nicht, dass er auch einen Kurs bucht. Unterricht macht Kundschaft.“ Er erfand die gestaffelten Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse (A-, F- und S-Kurse) und vermarktete sie einmalig. Surfschulung bekam einen professionellen Rahmen weit über das Anfängerstadium hinaus, und das war ein novum exotikum. „Seine Leistung muss man neidlos anerkennen“, gibt auch die schärfste Konkurrenz, Geschäftsführer Luca Spagnolli vom Segnana-Surfschul-Imperium am Lago, zu.
Der beste Wind am Lago und eine perfekt organisierte Schule mit „100 Brettern auf 100 Quadratmetern” lies nicht lange auf eine Horde geltungsbedürftiger Surfegomanen warten, die als Surflehrer ihre Kunststückchen wie Clowns im Zirkus vor der Pier-Manege zelebrierten. Bald wusste jeder: Bei Bouwmi lungerten die besten Surflehrer rum. Die Liste der Szene-Promis, die sich einer Bouwmeester-Schulung unterzogen, ist lang: Ralf Bachschuster (bis er mit Michis Freundin durchbrannte und auf lebenslänglich Pier-Verbot erhielt), Freestyle-Asse und Ex-Worldcupper Alex Humpel, Fred Niedner, Michi Schweiger, Andy Wolff, Worldcup-Kommentator Roberto Hofmann, Ex-Weltmeisterin Tony Frey, Ex-Weltmeister und Stationsleiter vom Conca Mikel Slijk, Stationsbesitzer Harry Nass, Rob Horne, Victor Westenberg sowie andere schillernde Windsurfgestallten wie Xandi Kreuzeder, Hermann Seideler, Ulli Gutweniger und selbst spätere surf-Redakteure wie ich selbst. In den 80er Jahren ist das MB-Center Dreh- und Angelpunkt des europäischen Windsurfens. „Alle waren sie beim Michi“, erinnert sich Westenberg, „das North-Team testete dort seine Segel, F2, Monty Spindler ebenfalls, die Hawaii-Elite ließ sich blicken, das ZDF drehte Sendungen übers Surfen, Mike Eskimo fuhr dort die erste Duck Jibe – es geschah alles am Pier!“ Ein weiterer Bouwmeester-Schüler und heute Stationsleiter in Dahab, Rob Horne, schreibt in einem Brief an die Redaktion: „Vieles in meiner Surfkarriere verdanke ich Michi Bouwmeester und seinem Windsurfkonzept. Er ist der Pionier des Funboardcenters.“ Sein Schulungskonzept ging auf, nicht zuletzt weil er sich Gedanken machte, wie man auf Funboards professionell schult. Er führte das Videotraining ein, erfand Simulatoren (Speedsimulator, Wasserstartsimulator, Loopsimulator) und war auch didaktisch seiner Zeit voraus: „Für unsere Surfentwicklung hat er viel getan und hat Maßstäbe gesetzt. Er war eine Institution“, weiß Ex-Surflehrer Gutweniger. „Selbst der VDWS konnte von Bouwmi lernen”, schwört Hans Vogelsammer, der am längsten (20 Jahre) im MB-Center arbeitete: „Den Mast bei der Powerhalse in die Kurve zu legen oder beim Wasserstart an der Gabel zu heben, das war revolutionär.“ Bouwmeester selbst erinnert sich, dass René Egli in den 80ern bei ihm auftauchte: „Egli saß auf der Terrasse und hat den ganzen Tag geschrieben und geschrieben.“
Was sein Genie in der Schulung, der Organisation und dem Marketing an Vorzeigequalitäten aufwies, mangelte es laut denen, die ihn gut kennen, am Umgang mit Menschen. Denn obwohl tief in seinem Herzen Surfer geblieben, gewann der Geschäftsmann in Bouwmi die Oberhand. Einen genialen Coup landet er mit seiner Windgarantie. „Nicht selten aber entwickelte er zu seinen Gunsten eine neue Interpretation von Gleitwind, überbuchte Kurse und ließ manche Kunden bluten, wenn Material kaputt ging“, erzählt sein ehemaliger Stationsleiter Slijk. Wenn eine Bezeichnung zu ihm passe, so Slijk, dann Dr. Jeckyll und Mr. Hide und gibt sofort ein Exempel: „Es fehlten im Hochsommer einmal 2000 Lire (Red.: zwei Mark) in der Kasse, die ich partout zurückzahlen musste. Ende der Saison überraschte er mich dann mit einem Ticket nach Hawaii, weil die Saison so gut gelaufen war.“ „Michi Bouwmeester ist“, wie ihn Westenberg beschreibt, „ein Business-first-guy“, nichtsdestotrotz ein Mensch, der wertvollen Mitarbeitern immer loyal war, aber äußerst sensibel und enttäuscht, wenn diese sich selbstständig machten, Ideen übernahmen oder es ihm gleichtaten. „Michi ist ein ganz sensibler und tut auf harten Mann“, weiß Alexandra Renner, die als letzte Stationsleiterin am Pier immer mit ihm klar kam. „Man konnte immer mit ihm reden.“ Karl-Heinz und Edith Orth aus München, langjährige Kunden am Pro-Center, bestätigen, dass Bouwmi auch schwierig war. Aber wie viele seiner Kunden schätzten sie ihn als liebevollen und hilfsbereiten „Capo“, wie er sich gerne selbst nannte.
In der Geschäftswelt werden jedoch andere Töne gespuckt. Money talks, bullshit walks. Eigentlich auch Michis Credo. Nach langen Konflikten, getopt mit bis heute andauernden Gerichtsverhandlungen zwischen den Streithähnen Bouwmeester und Pier-Hotelier Montagnoli, kräht nur noch der, der den Stall für die Hühner hat. Die Pacht ist abgelaufen, Michi musste das Feld räumen. Und so blickt der Holländer von seinem Haus direkt auf sein ehemaliges Leben hinab, auf eine Surfschule, die Maßstäbe setzte. Auf die Frage, ob er damit Probleme hätte, verrät die Schweigeminute mehr als Worte, sagt sein vorsichtiger Blick zu seiner Frau im Wohnzimmer viel über Nichtaussprechbares. Seine blauen Augen werden glasig, dann ringt er sich durch, um die richtigen Worte zu finden: „Wenn du das erlebst, was wir durchgemacht haben“, dann schluckt er noch mal innerlich, „das ist nicht einfach zu verdauen. Für mich ist ein Lebenswerk zerstört worden. Aber wer Geld und Macht hat, regiert die Welt.“ Dann wird sein Gesicht wieder hell, getränkt von der Wintersonne. Oder ist es doch sein innerer Schweinehund, seine Lebensphilosophie? „Aber ich hab’ da eine neue Idee“, behauptet er gleich im Anschluss verschmitzt und lacht von einem Ohr aufs andere, streckt mir die Hand hoch zum High-five und schwelgt in Geheimnistuerei.