Wer ist Felix Volkhardt?

Wer ist Felix Volkhardt?Foto: Luke Volkhardt
Wer ist Felix Volkhardt?

Der 23-jährige Rheinländer war Spätzünder im Freestyle, aber ist dafür aber umso motivierter nach vorne zu kommen. Wenn seine Lernkurve so weiter verläuft wie die letzten drei Jahre, muss die Konkurrenz sich warm anziehen.

Hi Felix, ich erreiche dich gerade auf Fuerteventura. Wie läuft’s? Und wie ist die Lage vor Ort?

Hey, ja genau, ich bin gerade vor drei Tagen auf Fuerte angekommen. Hier möchte ich mich bis Anfang August auf die nächsten EFPT-Wettbewerbe, die hoffentlich stattfinden können, vorbereiten. Leider hab’ ich gerade ein bisschen Probleme mit meinen Sprunggelenk und setze ein paar Tage aus. Das sollte ich aber hoffentlich schnell wieder in den Griff kriegen, und dann habe ich hier ja noch ein paar Wochen Zeit zum Trainieren. Die Lage vor Ort ist sehr entspannt. Es gibt eigentlich keine großen Einschränkungen mehr. Ich wohne bei einem Kollegen in Costa Calma und es fühlt sich eigentlich alles ganz normal an. Außer auf dem Wasser, da ist ein bisschen weniger los. Aber damit kann ich gut leben (lacht).

Verlagssonderveröffentlichung

Dann erst mal gute Besserung! Hoffentlich kommst du schnell wieder aufs Wasser. Wie sieht denn dein perfekter Trainingstag auf Fuerte aus, wenn du wieder fit bist?

Die Tide muss stimmen. Wir planen hier immer nach den Gezeiten, denn windig ist es hier im Sommer eigentlich immer. Aber im Prinzip ist der perfekte Tag ganz simpel: Zwei Sessions, eine vormittags und eine abends. Je nach Tide in der Lagune oder auf dem Meer. Zwischendurch gibt’s Lunch und nach der zweiten Session am Abend dann auch mal ein kühles Bier.

Das klingt gut. Du wohnst eigentlich in der Nähe von Krefeld, wenn du nicht auf den Kanaren verweilst. Von dort aus startest du als leidenschaftlicher Camper regelmäßig mit deinem selbst ausgebauten Van durch Europa. Wo fährst du am liebsten hin?

Ganz klar rüber nach Holland. Ich würde mich schon fast als Brouwersdam-Local bezeichnen. Die Region ist für mich ein Windsurf-Paradies und wenn ich mich Zuhause in den Van setze, bin ich nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt am Spot. Da habe ich dann alles, von spiegelglattem Wasser hinter den Molen, über Chop weiter draußen, bis hin zu sauberen Nordseewellen an der Sandbank.

Foto: Jannik Poschen

Du studierst Medien-Design an einer Fern-Uni. Wie kriegst du Windsurfen und Studium unter einen Hut und wie finanzierst du dich ? Hast du bereits Sponsoren?

Das Studium kann ich mir sehr gut einteilen, das ist nicht das Problem. Aber finanzielle Unterstützung von Sponsoren habe ich aktuell leider nicht. Daher arbeite ich viel bei meinem Opa auf dem Hof in St. Tönis. Und wenn es da nichts zu tun gibt, stehe ich im Sommer auch öfters mal am Surfcentrum Brouwersdam als Surflehrer im Wasser.

Du gehörst mittlerweile zum Kreis der besten Freestyler Deutschlands, aber hast im Vergleich zu den meisten anderen relativ spät angefangen, die ersten Moves zu üben. Wann war das und wo kam dieser plötzliche Motivationsschub her?

Ich hab tatsächlich erst mit 17 meine erste Air Jibe gestanden, obwohl mein Vater mir schon 2006 als Kind in Holland Surfen beigebracht hat. Ich war klein und dünn und das Material schwer. Das hat mir irgendwie nicht so richtig Spaß gemacht, bis ich größer geworden bin und ich mir ein gebrauchtes Freestyleboard von Marco Lufen gekauft habe. Damit habe ich dann im Sommer nach dem Abi in Holland relativ schnell Air Jibe und Spock gelernt. Das war natürlich der erste Motivationsschub. Der zweite kam direkt danach im Herbst in Brasilien, während meines Gap Years. Da war ein ganzer Haufen Worldcupper am Start und das hat mich extrem motiviert. Ich wollte plötzlich auch richtig gut werden, und dieser Wille hat bis heute nicht nachgelassen.

Du bist einer der leidenschaftlichsten und motiviertesten Freestyler, die ich aktuell kenne. Liegt es allein an deiner Hingabe und Motivation, dass du so schnell so gut geworden bist? Wenn nein, verrat’ uns dein Geheimnis.

(lacht)…Naja, ich denke, das liegt zum Teil auch einfach daran, dass ich, seit ich in Brasilien die top Jungs gesehen habe, das Gefühl hatte, auf Aufholjagd gehen zu müssen. Die waren ja ungefähr in meinem Alter, aber auf einem ganz anderen Level. Ich musste halt Gas geben und aus jeder Session das meiste rausholen.

Seit Anfang des Jahres trainierst du auch parallel an Land mit Personal- Trainer Sascha Lange. Was für eine Art Training macht ihr? Fühlst du dich seitdem auf dem Wasser besser?

Ja, definitiv. Wenn ich mal ein oder zwei Wochen nicht aufs Wasser komme, bleibe ich trotzdem fit und auch im Kopf bei der Sache. Ich bleibe insgesamt fokussierter. Wir gehen zum Beispiel zusammen laufen und bauen zwischendurch Übungen für Schnellkraft, Koordination und Stabilisation ein. Lange hat da einen klaren Plan für mich ausgearbeitet und das hilft schon sehr.

Foto: Luke Volkhardt

Das klingt sehr professionell. Aber bist du überhaupt ein Wettkampftier? Du bist noch nicht allzu viele Wettkämpfe mitgefahren, aber hast mit deinem Top-10-Ergebnis, Anfang der Saison in Neusiedl, auf jeden Fall Potenzial gezeigt.

Oh, gute Frage…. Das wüsste ich selber gerne besser. Aber sagen wir so: mir macht’s bis jetzt auf jeden Fall Spaß, sich mit den anderen Fahrern zu messen. Wo das dann hinführt, werden wir noch sehen.

Du hast jetzt auch einen YouTube-Kanal und außerdem einen sehr gepflegten Auftritt bei Instagram. Was sind deine Ziele für die Zukunft ? Möchtest du Profi werden ? Oder doch einfach nur Soul-Surfer, der mit seinem Van durch die Gegend tingelt?

Ich möchte mir alle Türen offen halten. Der Traum, Profi zu werden, schwebt doch bei jedem von uns im Kopf. Die Frage ist nur, wie realistisch das heutzutage ist. Ich werde versuchen, das bestmögliche rauszuholen. Mit welchen Mitteln, weiß ich noch nicht. Und wenn’s nicht klappt, sehe ich mich definitiv auch als Soul-Surfer gemütlich in meinem Van durch die Gegend tingeln.

FACTS

  • Geboren: 1. April 1998
  • Wohnort: Tönisvorst
  • Beruf: Student
  • Größe/Gewicht: 170 cm/67 Kilo
  • Surft seit: 2006
  • Regattadebüt: Oktober 2017 EFPT Brouwersdam (international), Surf-Festival Fehmarn GFB Sommer 2017 (national)
  • Erfolge: 9. Platz EFPT Surf-Worldcup Neusiedler See Österreich 2021
  • Lieblingsspots: Ouddorp, Niederlande; Jericoacoara, Brasilien; Brandvlei, Kapstadt
  • Lieblingsmoves: Spock Culo, Air Kabi
  • Sponsoren: Severne Sails Germany, Maui Ul­tra Fins, Jibewear, Lange Personal Training