Wer ist Lisa Kloster?Foto: John Carter

PortraitsWer ist Lisa Kloster?

Julian Wiemar

 3/19/2022, Lesezeit: 6 Minuten

Die talentierte 22-jährige Freestylerin tingelt in ihrem alten VW-Bus durch Europa und möchte einfach nur so viel wie möglich mit ihren Freunden aufs Wasser. Ganz nebenbei zeigt sie im Worldcup gelegentlich ihr Potenzial.

Wie sie das alles clever mit ihrem Studium kombiniert und warum extrem kurze Freestyleboards so praktisch sind, verrät sie im Interview.

Lisa, ich erreiche dich gerade in Frankreich, am letzten Tag des PWA Grand Slams in Marignane. Du warst mit dabei. Wie ist es gelaufen?

Genau, endlich konnte wieder ein Wettkampf gefahren werden. Meine beiden Heats sind ganz gut gelaufen. In beiden hatte ich über 60 Punkte. Mit dem vierthöchsten Score im Achtelfinale bin ich schon sehr zufrieden. Im zweiten Heat bin ich gegen Sarah-Quita Offringa gefahren, da hatte ich keine Chance. Aber es hat trotzdem viel Spaß auf dem Wasser gemacht, weil ich keinen Druck hatte. Ich wusste irgendwann, welche Moves ich schon auf dem Score-Sheet habe und konnte dann mehr riskieren. Die Lücke zu den großen Drei (Maaike, Oda, Sarah) wird enger. In dieser einen Single Elimination habe ich den fünften Platz eingefahren. Leider hatten wir die letzten Tage gar keinen Wind mehr um die Rückrunde auszutragen.

Das war nicht dein erster Worldcup. Du warst bereits 2016 und 2018 auf Fuerte am Start. Bist du vor den Contests aufgeregt?

Ich muss sagen, bei den Worldcups bin ich schon ziemlich aufgeregt, weil ich so gerne zeigen will, was ich kann. Schade ist es dann, wenn man direkt gegen die Beste der Welt gelost wird und es nur eine Single Elimination gibt. Bei den German Freestyle Battles hingegen habe ich mehr Spaß, einfach so wie bei einer geilen Session mit allen zusammen. Das ist echt cool.

Foto: Magnus Wessels

„Ich möchte einfach ganz viel Zeit mit meinen Freunden auf dem Wasser verbringen“, so Lisa Kloster. Zwischendurch startet die Kielerin auch mal gerne bei den German Freestyle Battles oder im Worldcup.

Wie viele Teilnehmerrinnen hatte die Disziplin Freestyle in Frankreich?

Hier waren leider nur neun Damen angemeldet für den Worldcup. Ich habe mir schon oft gewünscht, dass mehr Mädels mitmachen. Umso mehr, desto cooler ist es.

Woran, denkst du, liegt das mit der geringen Teilnehmerzahl?

Ich denke, dass viele junge Frauen erst mal die finanzielle Hürde stemmen müssen. Kosten für Anreise plus Startgebühren sind meist schon relativ hoch. Besonders, wenn man sich nicht sicher sein kann, überhaupt Preisgeld zu gewinnen. Deshalb war ich auch sehr froh, dass ich nur knapp 300 Kilometer Anreise von Leucate hatte. Außerdem studieren die meisten, die ich kenne, auch noch nebenbei, also ist das Geld ohnehin schon immer knapp. Was ich auch schon oft von Freundinnen in Bezug auf Contests gehört habe ist, dass man sich nicht „blamieren“ will. Aber meistens freuen sich doch alle nur, neue Gesichter zu sehen und mehr Frauen im Starterfeld zu haben. Und außerdem ist jeder Wettkampf auch eine besondere Erfahrung

Foto: José M. Caballero

Du studierst Geographie in Kiel. Dort bist du aber selten. Wie kriegst du Studium und Windsurfen so gut unter einen Hut?

Ich bin 2019 aus meiner Heimat Nordrhein- Westfalen nach Kiel gezogen. Ich wusste schon vor dem Abi, dass ich nach Kiel ziehen möchte. Also musste ich dann nur noch schauen, welcher Studiengang es werden soll. Ich habe mich dann für Geographie entschieden und bin jetzt im fünften Semester. Aktuell bin ich sehr froh, dass ich es noch einmal geschafft habe, alle Module die ich brauche, als Online-Veranstaltung zu wählen. Online-Uni ist das Beste was mir passieren konnte. Ich verbringe die Winter in Tarifa. Dort nutze ich windlose Stunden zum Studieren, aber sobald es Wind oder Wellen gibt, bin ich auf dem Wasser. Es kostet mich nicht viel Überwindung, als Einzige morgens aufzustehen und Uni zu machen. Ich gebe Hausarbeiten meist schon vor dem Abgabetermin ab, damit ich nicht in die blöde Situation komme, dass Wind ist, ich aber die Hausarbeit noch in den letzten Tagen fertig schreiben muss. Wenn ich alle Aufgaben fertig habe, kann ich jeden windigen Tag nutzen, um stressfrei zu surfen – und das ist genau das, was ich will.

Explosive Power-Moves wie Kono und Skopu gehören zu deinem Move-Repertoire. Ein beeindruckendes Level. Wo hast du den größten Fortschritt gemacht?

Am Anfang habe ich in Kiel schon einiges dazugelernt. Dort hat man auch immer coole Leute, die mit einem surfen und Tipps geben. Außerdem pusht es total, wenn man mit so vielen Gleichgesinnten aufs Wasser kommt. Die letzten größeren Fortschritte habe ich aber eher in Tarifa oder Leucate gemacht. Ich habe dort in den letzten Jahren mehr Zeit verbracht als in Kiel (lacht).

Das klingt ja traumhaft. Ich glaub alle jungen WindsurferInnen, die das lesen, träumen jetzt gerade von einem Geographie-Studium in Kiel.

(Lacht). Also ich will jetzt hier auch niemanden neidisch machen oder so… mit ein bisschen Bafög und Kindergeld durchs Leben zu kommen ist nicht immer ganz leicht. Insgesamt habe ich in den letzten Jahren die meisten Nächte in meinem VW-Bus verbracht. Strom für Laptop oder auch nur mal ’ne echte Dusche sind da nicht immer selbstverständlich. Naja, ich will mich auch nicht beschweren. Gerade bin ich einfach nur froh an den Spots aufzuwachen, an denen ich sein möchte. Und ja, dank der Online-Uni lebe ich gerade genau das Leben, von dem ich während meiner Schulzeit immer geträumt habe.

Wo geht’s als nächstes hin?

Wir wohnen hier aktuell zu Dritt in meinem — mit Material vollgestopften — T4. Wobei es schon mal ganz praktisch ist, dass mein MB-Board „Wildcat“ nur 205 Zentimeter lang ist und ich mit diesem einen Board sowohl freestylen als auch foilen kann. Das spart mir schon mal den Platz für ein ganzes Board. Als nächstes soll es wieder Richtung Tarifa gehen. Dort komme ich mit Windsurfen, Wellenreiten und Kiten am meisten aufs Wasser. Außerdem sind die Temperaturen im Winter auch noch ganz angenehm.

Wo soll die Reise langfristig am liebsten hingehen? Möchtest du Profi werden?

Gute Frage, ich bin selber gespannt, wo mich mein Weg noch hinführt. Egal, ob Profi oder nicht, ich möchte einfach ganz viel Zeit mit meinen Freunden auf dem Wasser an geilen Spots verbringen. Das ist einfach das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

FACTS ZU LISA KLOSTER

  • Geboren: 17.09.1999
  • Wohnort: Kiel
  • Beruf: Studentin
  • Größe/Gewicht: 177 cm/66 Kilo
  • Surft seit: zirka 2012
  • Regattadebüt: 2015 GFB, 2016 PWA
  • Erfolge: 4.Platz EFPT Brouwersdam 2019, 1. Platz bei den German Freestyle Battles auf Fehmarn beim Surf-Festival 2018 & Rügen 2016, 9. Platz Freestyle Worldcup 2016
  • Lieblingsspots: Büsum Priel, le Rouët, Sancti Petri
  • Lieblingsmoves: Kono
  • Sponsoren: MB-Boards, Sailloft, XCEL Wetsuits