Wer ist Luisa Kolmer?

Wer ist Luisa Kolmer?Foto: Privatfoto

Speedsurfen und olympisches Windsurfen – nicht unbedingt die klassische Kombination bei Windsurf-Youngstern, erst recht nicht bei weiblichen. Luisa Kolmer ist da anders. Die 17-jährige Schülerin ist extra ins Sportinternat nach Kiel gezogen, um sich ihren Olympia-Traum zu erfüllen.

Du bist erst 17 Jahre alt, bist aber bereits bei Speedmeisterschaften und auch in der iQFOiL-Klasse angetreten. Seit wann surfst du und wie bist du zum Windsurfen gekommen?

Mein Vater ist selber Windsurfer und hat mich von klein an mit aufs Brett genommen. Ich surfe seit dem ich sechs Jahre alt bin.

Woher kommst du und wo hast du Surfen gelernt?

Ich bin in Hamburg aufgewachsen und habe Surfen in Dänemark, Fehmarn und im Kids Camp in der Türkei in Alaçati gelernt.

Wann hast du angefangen zu foilen und was fasziniert dich daran besonders?

Nachdem Foilen für 2024 olympisch geworden ist, wurde nach ambitionierten Frauen gesucht. So bin ich im Landeskader Schleswig-Holstein im März 2020 zum ersten Mal gefoilt. Am Foilen finde ich interessant, dass man bereits bei wenig Wind viel Spaß haben kann. Außerdem kann man selbst bei Leichtwind alle Kurse fahren, allerdings fahren wir das iQFOiL mit dem Einheitssegel von acht Quadratmeter auch noch bei 25 Knoten, das ist schon manchmal hart.

Foilen ist ja besonders bei leichtem Wind interessant. Du fährst aber auch bei Speedrennen bei Hack mit. Was macht dir mehr Spaß?

Foilen ist auch noch bei bis zu 25 Knoten interessant, braucht dann aber viel Erfahrung. Speedrennen werden ja typisch mit Finne auf Slalomboards oder Speedboards bei Starkwind gefahren. Da pusht man direkter und hat den Wasserkontakt, welcher einem noch mal stärker den Speedrausch erleben lässt. Das ist auch großartig.

  „Freestyle und Welle ist nicht so meins – am Windsurfen fasziniert mich die Geschwindigkeit“Foto: Privatfoto
„Freestyle und Welle ist nicht so meins – am Windsurfen fasziniert mich die Geschwindigkeit“

Bist du auch mal in der Welle oder beim Freestyle unterwegs?

Das ist irgendwie nicht so meins. Am Windsurfen fasziniert mich die Geschwindigkeit.

Beim Speed, Slalom oder Foil braucht man viel unterschiedliches Material. Wie organisierst du das, auch finanziell?

Ich bin ja noch Schülerin. Ich hatte das Glück mit Patrik einen Board-Sponsor zu finden, der mich beim Speedsurfen unterstützt. Surfshop Fehmarn hat mich bei den Segeln unterstützt. Das iQFOiL-Material ist wirklich eine Investition, welche meine Eltern für mich übernommen haben. Aktuell bin ich noch auf der Suche nach weiteren Sponsoren, um die zukünftigen Reisen zu den Events zu finanzieren.

Mittlerweile bist du im Landeskader des schleswig-holsteinischen Segler-Verbands und bist nach Kiel umgezogen. Dort gehst du auch zur Schule. Beschreib doch mal, wie sich dein Leben dadurch verändert hat und wie dein Tagesablauf aussieht.

Seitdem ich im Sportinternat im Olympiazentrum lebe, hat sich mein Leben sehr verändert. Ich habe viel mehr Wasserzeit und der Sport steht im Mittelpunkt. Vormittags gehe ich ganz normal in die Oberstufe, nachmittags stehen Training und Sport an. Das Zusammenleben mit anderen ambitionierten Wassersportlern gefällt mir und bringt mich weiter. Wir sind super betreut, mit Essen, Physio, Nachhilfe, welche bei Schulausfall wegen Regatten oder Trainingslager total hilfreich ist.

Welche kurzfristigen Ziele hast du selber und gibt es Pläne vom Verband, wohin die Reise gehen soll?

Beim Speedsurfen möchte ich ganz nach vorne kommen. Beim Foilen geht es erst mal darum, weiter Regattaerfahrung zu sammeln. Der Plan ist, im nächsten Jahr auch internationale Regatten zu fahren.

Dein großes Ziel sind die Olympischen Spiele. Am Ende qualifiziert sich aber alle vier Jahre nur eine Starterin. Derzeit liegen noch einige Frauen noch vor dir. Wann glaubst du, kannst du sie angreifen und überholen?

Die anderen haben jahrelange Regatta­erfahrung. Die fehlt mir einfach noch. An der Taktik und den Manövern kann ich noch weiterarbeiten. Das Speedsurfen kann mir beim Foilen noch Vorteile bringen.

  „Freestyle und Welle ist nicht so meins –  am Windsurfen  fasziniert mich die Geschwindigkeit“Foto: Privatfoto
„Freestyle und Welle ist nicht so meins – am Windsurfen fasziniert mich die Geschwindigkeit“

Aktuell warst du bei den Deutschen Meisterschaften im Speedwindsurfen die schnellste Dame, durftest aber nicht als Deutsche Meisterin geehrt werden. Was war da los?

Erst mal hat es mich gefreut, schnellste Dame zu werden und bei den Herren im Mittelfeld mitzufahren. Was mich ärgert, ist, dass auch in den nächsten Jahren vermutlich nicht genügend Damen am Start sein werden und somit den Frauen der Meister-titel immer verwehrt bleibt.

Wie ist dein Plan, wenn es mit Olympia doch nicht klappt? Möchtest du dann eventuell im Worldcup mitfahren? Schnell bist du ja offensichtlich.

Da ich sehr jung bin, ist Olympia 2028 für mich auch ein Ziel. Das ist ja noch etwas Zeit bis dahin. Worldcup finde ich auch interessant, aber auch die Lüderitz Speed Challenge reizt mich.

Derzeit gibt es in Deutschland nur sehr wenige Frauen, die ernsthaft Regatten mitfahren. Woran, glaubst du, liegt das, und wie könnte man mehr Frauen und Mädchen dazu motivieren?

Der Sport ist hart (Wetter, Material, Trimmkräfte usw.), es braucht lange bis man wirklich mit Spaß und Geschwindigkeit surfen kann. Das iQFOiL hat ja guten Zulauf von Frauen. Hier gibt es eigene Frauen-Fleets. Beim DWC in St. Peter-Ording fuhr ich als einzige Frau im Racing im Männerfeld. Über Surfcamps kann man sicher viele Mädchen und Frauen für den Sport begeistern. Beim Material ist noch Luft nach oben.

Was sind deine Zukunftspläne neben dem Windsurfen?

Egal wie es mit dem Windsurfen weitergeht, ist es mir wichtig zu studieren, um eine berufliche Zukunft zu haben. Momentan ist mein Plan nach dem Abi Sportwissenschaften zu studieren. Gerne möchte ich in Kiel bleiben.

FACTS

  • Geboren: 16.1.2004
  • Wohnort: Kiel
  • Beruf: Schülerin
  • Größe/Gewicht: 178 cm/62 kg
  • Surft seit: 2010
  • Regattadebüt: 2020
  • Erfolge: German Speedbattle 2019 1. Platz Damen Binnensee, 2. Generation Cup, German Speedbattle 2020 1. Platz Damen Foil, 3. Platz U16 mixed, 2021 DWC St. Peter-Ording beste Dame Racing, Deutsche Meisterschaft Speed 2021 1. Platz Damen, 2. Platz U21 mixed, fastest run overall Damen
  • Lieblingsspots: Fehmarn Orth, Kiel Schilksee
  • Lieblingsdisziplin: Speed und Foil
  • Hobbies: Wakeboarden, Ski fahren
  • Sponsoren: Patrik, Surfshop Fehmarn
  • Instagram: luisa.ger999