Redaktion

"Das Ende der Flugangst"

  • Manuel Vogel
22.04.2019

„Ein Windsurfboard wird zum Foilen nie ideal sein“, sagt Slingshot-Manager Wyatt Miller. Woran das seiner Meinung nach liegt, warum der Trend zu großen Flügeln geht und wie sich Flugangst in Luft auflöst, verrät er im surf-Interview.

Slingshot war lange Zeit allenfalls Kitesurfern ein Begriff. Doch vor allem im Foilbereich macht die US-Marke mit Sitz am Columbia River heute verstärkt von sich reden. Wir haben Markenchef Wyatt Miller zum Interview gebeten.

Slingshot-Designer Tony Logosz

Wyatt, Foilsurfing ist noch relativ neu, viele Leute kennen sich mit den Grundprinzipien noch nicht aus. Kannst du Neueinsteigern mal in knappen Worten erklären, was ein einsteigerfreundliches Foil ausmacht?

Zum Anfangen sollte ein Foil möglichst stabil laufen. Am besten verwendet man ein Foil und Board einer Marke, da diese Komponenten meist gemeinsam entwickelt wurden.

Welche Faktoren beeinflussen, wie stabil und einfach ein Foil zu surfen ist?

Es geht um das Zusammenspiel von Spannweite, Länge der Fuselage (Längsträger, auf dem die beiden Flügel montiert werden, die Red.) und Profil. Eine größere Spannweite des Foils sorgt z.B. dafür, dass das Brett um die Längsachse stabiler wird. Eine längere Fuselage hat den gleichen Effekt auf der Querachse, der Bug ist dann leichter in einer gewissen Höhe zu stabilisieren, die Gefahr des unkontrollierten Absetzens oder Hochsteigens des Foils ist dadurch gemindert. Vor allem Windsurfer und Leute, die Foil-Regatten surfen, profitieren von langen Fuselages. Surfer, die ein Foil zum Tricksen und Springen suchen, präferieren hingegen meist kurze Fuselages, weil das Board dann schneller auf Steuerimpulse reagiert.

Welche Philosophie verfolgt ihr bei Slingshot?

Wir versuchen unsere Foils möglichst manöverorientiert und benutzerfreundlich zu designen. Wir gehen nicht in die Extreme, sondern bieten Produkte an, die einen großen Einsatzbereich haben. Wir setzen voll auf größere Flügel, diese sind laufruhig, bieten viel Auftrieb und sind weniger gefährlich als die messerscharfen Raceflügel auf dem Markt. Mit großen Flügeln kann man schon bei sehr wenig Wind und niedrigen Geschwindigkeiten stabil fliegen. Auch die Energie beim Pumpen wird von solchen Flügeln viel effizienter umgesetzt. Ich beobachte oft, dass Foilsurfer zu kleine und vermeintlich schnellere Flügel kaufen und dann nur im Wasser liegen.

Große Flügel haben oft den Nachteil, dass sich der Auftrieb bei mehr Wind nicht mehr bändigen lässt...

Viele Flügel auf dem Markt haben dieses Problem. Je schneller man wird, desto mehr muss man sich nach vorne lehnen, um die Brettspitze überhaupt unten halten zu können. Deshalb hat unser Designer Tony Logosz bei unserer Modellreihe Infinity über die Gestaltung der Flügelspitzen Abtrieb eingebaut. Der Auftrieb wird bei geringen Geschwindigkeiten im Mittelbereich des Flügels produziert, bei wachsendem Speed wirkt dann zunehmend Abtrieb an den Flügelspitzen entgegen. Das Foil reguliert sich gewissermaßen selbst, dadurch kann man ohne die Gefahr des unkontrollierten Steigens voll auf dem Gas bleiben. Seit es die Infinity-Linie gibt, sind große Flügel nicht mehr zwangsläufig langsam.

Foil-Freestyle – Wyatt Miller hebt ab.

Für Neueinsteiger ist auch ein erschwinglicher Preis wichtig. Man landet dann oft zwangsläufig bei Aluminium-Komponenten. Wie groß sind deiner Meinung nach die Leistungsunterschiede?

Ich verwende selbst oft noch Aluminiummasten für meine Foils – und habe großen Spaß damit. Zum Anfangen und für Halsenmanöver leistet ein Alu-Mast gute Dienste. Entscheidend ist, dass man das richtige Alu verwendet, hier gibt es gewaltige Unterschiede. Sobald man springen will oder sonstige Tricks macht, merkt man natürlich die Vorteile des steiferen Carbons. Man kann es vergleichen mit dem Wechsel des Masts in einem Segel. Ein 30- oder 100-Prozent-Carbonmast im Segel ändert nicht das ganze Leben, aber es fühlt sich mit mehr Carbon einfach besser an.

Viele Windsurfer finden vor allem den Gedanken charmant, einfach die Finne gegen ein Foil zu tauschen. Ihr bei Slingshot setzt konsequent auf reine Foilboards. Warum?

Ein Windsurfbrett wurde optimiert, um auf dem Wasser zu funktionieren, ein Foilbrett fliegt durch die Luft. Es sind einfach unterschiedliche Arten. Die kürzeren Bugbereiche reiner Foilboards sind wesentlich weniger anfällig gegenüber Windeffekten. Je kompakter das Brett ist, desto einfacher und stabiler ist alles zu kontrollieren. Auch der Weg in die Luft unterscheidet sich: Mit einem Windsurfbrett nimmst du Geschwindigkeit auf, pumpst mit dem vorderen Fuß hinter der Mastspur und gehst erst nach hinten in die Schlaufen, sobald du angleitest. Bei einem Foilbrett ist extrem viel Volumen im Bereich der Schlaufen konzentriert, du kannst schon beim Anfahren in die Straps und von dort aus Anpumpen und aufs Foil kommen. Echte Foilboards haben das Foil direkt unter der hinteren Schlaufe verschraubt, bei Windsurfboards, sitzt der Finnenkasten aber stets weiter hinten. Dies verändert natürlich die komplette Geometrie. Aus diesem Grund haben wir eine Fuselage entwickelt, die man umdrehen kann, die „Switch Fuse“. Wer ein Slingshot-Foil in einem Windsurf-Slalom- oder Formulabrett verwendet, kann also über das Umdrehen der Fuselage die Position des Foils korrigieren und weiter nach vorne versetzen.

Bisher beschränken sich Hybridmodelle zum Windsurfen und Foilen stets auf große Free-ride- und Slalomboards. Wären Hybridmodelle für kleinere Brettgrößen überhaupt denkbar?

Auch im Zusammenhang mit anderen Brettklassen beißen sich die Anforderungen: Wenn man ein Freestyle- oder Freemovebrett zum Foilen hernehmen möchte – was wir ausgiebig ausprobiert haben – bekommt man mit dem schmalen Heck keine Kontrolle über das Foil, dessen Hebel einfach zu groß ist. Das Brett schlingert um die Längsachse und ist nicht richtungsstabil, vor allem Halsen und andere Manöver sind erschwert. Man könnte natürlich die Mastlänge des Foils reduzieren, aber dann trifft man wieder schneller die Kabbelwellen. Momentan sehe ich keine Lösung, Foilen und Windsurfen wirklich sinnvoll mit einem Board abzudecken.

Viele Neueinsteiger haben zu Beginn Respekt vor der Höhe. Würdest du kürzere Masten zum Anfangen empfehlen?

In meinem Windsurfcenter in Baja Mexico lasse ich alle Foilschüler mit einem großen Infinity-Flügel anfangen, kombiniert mit Mastlängen von 61 oder 91 Zentimetern. Mit dem 91er-Mast kommt man natürlich erst mal hoch raus, was durchaus Respekt einflößen kann. Allerdings hat man dadurch mehr Zeit, auf Tendenzen des Boards zu Steigen oder Abzusetzen, zu reagieren. Erfahrungsgemäß hat man sich an die Höhe schnell gewöhnt und letztlich ist das ja auch Teil der Faszination.

Ihr setzt bei Slingshot auf ein modulares System. Was bedeutet das?

Unser Hoverglide-System ist großartig, denn alle Flügel, Fuselages und Mastlängen können miteinander kombiniert werden. Auf diese Weise kann man sich z.B. einen kleineren und schnelleren Flügel für mehr Wind kaufen, den Rest der Komponenten aber weiter nutzen.

Infos unter www.slingshotsports.com

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